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Unister-Travel-Chef Raoul räumt Posten – erneute Niederlage wegen Hotel-Preisen

Leipziger Reisegigant Unister-Travel-Chef Raoul räumt Posten – erneute Niederlage wegen Hotel-Preisen

Der Leipziger Reiseriese Unister (ab-in-den-urlaub.de) strukturiert erneut seine Führungsetage um. Der Chef der Travel AG Boris Raoul räumt seinen Posten. Wegen intransparenter Preise erlitt das Unternehmen indes eine weitere Niederlage vor Gericht.

Boris Raoul, der bisherige Vorstandsvorsitzende der Unister Travel AG, räumt Ende März seinen Posten.
 

Quelle: Christian Modla / Unister

Leipzig. Erneut Personalveränderung bei Unister in Leipzig: Boris Raoul, der bisherige Vorstandsvorsitzende der Unister Travel AG, räumt Ende März seinen Posten. Wie die Unternehmensgruppe am Mittwoch bekannt gab, soll der Manager künftig nur noch als Berater sowie auf Projektbasis tätig sein. Die Entscheidung sei einvernehmlich erfolgt, betonte Unister-Sprecher Dirk Rogl gegenüber LVZ.de.

Raoul sei in seiner Position als Chef der neugegründeten AG schon seit Juli 2015 nicht mehr operativ für die Reisesparte tätig gewesen, so Rogl. Der Betrieb von Portalen wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de liegt nach wie vor in den Händen der Unister Travel Betriebsgesellschaft, die Raoul mit Antritt seiner neuen Funktion im vergangenen Sommer verlassen hatte. Firmengründer Thomas Wagner übernahm daraufhin wieder die Geschäftsführung der Sparte, die 850 der 1340 Unister-Mitarbeiter beschäftigt. Rogl nannte den jetzigen Schritt „sauber und konsequent“. Möglicherweise werde Raoul aber neue Funktionen innerhalb der Gruppe übernehmen. Über künftige Ämter werde „zeitnah entschieden“, hieß es.

Reisesparten-Verkauf bislang erfolglos

Wagner dankte Raoul für die Impulse und sein „herausragendes Engagement für unser touristisches Geschäft“. Die Reisesparte wachse trotz schwieriger Marktbedingungen „nachhaltig und profitabel“, so Wagner. Der 44-jährige Raoul selbst ließ sich mit folgenden Worten zitieren: „Meine operativen Aufgaben sind nun weitgehend abgeschlossen, so dass ich mich auf eine neue Rolle freue.“

Einen Nachfolger für seinen Posten soll es offenbar nicht geben. Die AG, zu deren Vorstand noch Nikolaus Pauseback und Mathias Klein gehören, sei bislang eine Hülle ohne Mitarbeiter und konkrete Funktion, erklärte Rogl. Sie war im August gegründet worden, um Unister fit für den Kapitalmarkt zu machen. Die Überführung des operativen Geschäfts werde schrittweise vollzogen, hieß es damals. Doch dies sei bislang nicht erfolgt, wie Rogl nun bestätigte.

Die Unister-Zentrale im Barfußgäßchen (Archivfoto)

Die Unister-Zentrale im Barfußgäßchen (Archivfoto).

Quelle: André Kempner

Unter Raouls Führung war ein Verkauf der Reisesparte forciert worden. Dieser entwickelte sich jedoch zur Hängepartie. Auch über die angekündigte Suche nach strategischen Partnern drangen bislang keine Ergebnisse an die Öffentlichkeit. Interessierte Finanzinvestoren sollen nach einem Blick in die Bücher von Unister Travel laut Medienberichten die Gespräche abgebrochen haben. Immer wieder machten auch Meldungen über eine finanzielle Schieflage die Runde, die Unister jedoch vehement dementierte.

OLG urteilt Unister wegen Irreführung ab

Unterdessen musste Unister vor Gericht eine weitere Niederlage einstecken. Das Oberlandesgericht (OLG) Dresden wies die Berufung des Reiseunternehmens gegen ein Urteil zurück, wonach eine intransparente Preisgestaltung auf dem Unister-Portal hotelreservierung.de vorliegt. Dies teilte am Mittwoch die Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) mit, die gegen die Praxis geklagt hatte.

Konkret geht es um Preisangaben bei Reisen von zwei Erwachsenen mit Kind. Bei Hotels, die eine kostenlose Mitübernachtung im Zimmer der Eltern vorsehe, rechne Unister den Einzelpreis für Reisende herunter. Der Gesamtpreis werde nicht durch zwei sondern durch drei geteilt und führe Kunden damit in die Irre, monierten die Verbraucherschützer.

Unister hat bereits reagiert und einen Hinweis auf der Buchungsseite eingefügt (Bildmitte). An derBerechnungspPraxis will das Unternehmen jedoch festhalten.

Quelle: Screenshot

„Diese Art der Preisbildung ist durchaus von Bedeutung, wenn Verbraucher im Internet Hotelzimmerpreise vergleichen“, erklärte Katja Henschler von der Verbraucherzentrale in Leipzig. Unister verschaffe sich hier einen irregulären Wettbewerbsvorteil, wie das Gericht nun in zweiter Instanz bestätigte. Das Urteil fiel bereits Ende Januar.

Unister hat umgehend reagiert. Die Kunden von hotelreservierung.de werden während des Buchungsvorgangs nun explizit auf die Preisberechnung hingewiesen, wie Sprecher Dirk Rogl gegenüber LVZ.de erklärte. „Wir haben im Sinne unserer Kunden an mehreren Stellen einen klarstellenden Satz eingefügt.“ An der üblichen Preisberechnung wolle das Unternehmen aber weiter festhalten. „Auch Pauschalreisen werden nahezu ausschließlich pro Person errechnet. Die Berechnung bestimmter Vergünstigungen der Veranstalter, etwa für Familien und Kinder, wäre andernfalls nicht vollständig möglich", begründete Rogl.

Az. 14 U, 1506/15

Von Robert Nößler

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