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Urabstimmung bei Amazon in Leipzig: 97 Prozent stimmen für Streik

Urabstimmung bei Amazon in Leipzig: 97 Prozent stimmen für Streik

Der bundesweit erste Streik beim Versandriesen Amazon rückt näher: Bei der Urabstimmung im Leipziger Logistikzentrum stimmten 97 Prozent für einen Ausstand. Dieses Ergebnis will die Gewerkschaft Verdi heute verkünden, wie die LVZ gestern vorab erfuhr. Die Gewerkschaft wertet das als klares Votum.

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Verdi-Mitglieder bei der Urabstimmung vergange Woche vorm Leipziger Amazon-Versandzentrum.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Wenn sich Amazon nun nicht bewege, werde es schon bald Arbeitsniederlegungen geben.

"Wenn 97 Prozent sich für Streik aussprechen, dann ist das schon ein sehr eindeutiges Votum", sagte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago gestern Abend der LVZ. Das zeige die Entschlossenheit der Beschäftigten bei Amazon. Und auch die Beteiligung an der bundesweit ersten Urabstimmung bei Amazon spreche eine deutliche Sprache: 92 Prozent der 520 Gewerkschaftsmitglieder im Leipziger Versandzentrum gaben ihre Stimme ab. Mehr als 350 hatten das schon am Dienstag vergangener Woche direkt vor Ort getan. Von den 150, die gefehlt hatten, schickten nun noch rund 100 ihre Stimmzettel per Post zurück.

Die Mindestanforderungen an eine Urabstimmung wurden damit deutlich übererfüllt: Denn eigentlich hätte es gereicht, wenn sich die Hälfte der Gewerkschafter im Betrieb beteiligt und 75 Prozent von ihnen für einen Arbeitskampf stimmen. Beide Werte wurden nun deutlich übertroffen. "Wenn die Geschäftsleitung von Amazon auch dieses Zeichen nicht verstehen will, dann läuft alles auf einen Streik bei Amazon hinaus", sagte Lauenroth-Mago. Denn nach dem klaren Votum gebe es nur zwei Möglichkeiten: "Entweder Amazon bewegt sich und kehrt an den Verhandlungstisch zurück - oder es kommt zum Streik."

In der Deutschland-Zentrale von Amazon in München war gestern Abend niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen. Das Unternehmen hatte aber schon zum Start der Urabstimmung vergangene Woche bekräftigt, kein Interesse an Tarifverhandlungen zu haben. Dafür sehe man schlicht nicht genug Gemeinsamkeiten mit der Gewerkschaft, sagte damals eine Sprecherin.

Während Verdi bei Amazon den Tariflohn für den Einzel- und Versandhandel durchsetzen will, orientiert sich das Unternehmen an der günstigeren Logistikbranche. Beide Seiten waren von Dezember bis Februar bereits dreimal zu Sondierungsgesprächen zusammengekommen. Die Gewerkschaftsforderung, aus den lockeren Gesprächen echte Tarifverhandlungen zu machen, lehnte Amazon dann aber ab. Die Sondierungsgespräche wurden daraufhin abgebrochen. Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber hatte damals seine generelle Ablehnung von Tarifverträgen bekräftigt: "Als Unternehmen, das immer noch schnell wächst, brauchen wir aber mehr Flexibilität, als uns ein Tarifvertrag lassen würde." Zudem zahle Amazon schon jetzt besser als andere Logistiker.

In Leipzig bekommen Einsteiger und Aushilfen in Leipzig nach Angaben Betroffener derzeit 9,26 Euro pro Stunde. Wer mindestens zwei Jahre dabei ist, erhält 10,57 Euro. Festgelegt wird das bisher aber einseitig durch das Unternehmen. Verdi fordert dagegen, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel zu übernehmen. Der sieht in Sachsen für Einsteiger 10,66 Euro pro Stunde vor, nach einem Jahr sind es 11,39 Euro. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld, wie im Tarif vorgesehen, will die Gewerkschaft durchsetzen, ebenso Nachtzuschläge ab 20 Uhr. Bisher gibt es die bei Amazon erst ab Mitternacht.

Große Hoffnungen, Amazon noch ohne Streik an den Verhandlungstisch zurückzuholen, hat die Gewerkschaft nicht. Nach dem klaren Ergebnis der Urabstimmung "werden wir nun in die konkreten Streikvorbereitungen treten", sagte Lauenroth-Mago. Sorgen, die Mitarbeiter könnten am Ende doch noch vor echten Arbeitsniederlegungen zurückschrecken, hat der Gewerkschafter nicht. "Nach der hohen Zustimmung bei der Urabstimmung bin ich mir sicher, dass es auch eine große Beteiligung an einem Streik geben wird."

Wann genau es zum Ausstand kommen wird, wollte der Verdi-Mann noch nicht verraten. "Das lassen wir bewusst offen." Schließlich solle sich Amazon nicht zu lange vorbereiten können. Einen Streik gab es bei Amazon in Deutschland bisher noch nie. Auch am Standort Bad Hersfeld drängt Verdi aber auf Tariflohn. Eine Urabstimmung hat es dort allerdings noch nicht gegeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2013

Frank Johannsen

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