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Vattenfall reagiert mit Kürzungen auf Krise in der Wasserkraft-Sparte

Pumpspeicherwerke Vattenfall reagiert mit Kürzungen auf Krise in der Wasserkraft-Sparte

Pumpspeicherwerke gelten als zuverlässiger Ausgleich für die schwankungsanfällige Solar- und Windkraftbranche. Doch es hapert an der Wirtschaftlichkeit. Betreiber Vattenfall plant deshalb auch in Mitteldeutschland Stellenkürzungen.

Das Pumpspeicherwerk Hohenwarte II ist eines von acht Werken dieser Art in Mitteldeutschland.
 

Quelle: dpa

Hohenwarte. Vattenfall will bis zu 60 Prozent seiner 420 Vollzeitstellen in deutschen Pumpspeicherwerken streichen. Auch der Verkauf einiger Anlagen ist bis 2019 geplant. Restrukturierung nennt das der staatliche schwedische Energieriese. Der Schritt ist besonders für die mitteldeutsche Energiewirtschaft ein Rückschlag, befinden sich doch sieben der insgesamt acht Vattenfall-Werke in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wer die Entscheidung nachvollziehen will, muss verstehen, wie die Energiespeicher arbeiten und die Betreiber ihr Geld verdienen.

Verfahren kann Schwankungen ausgleichen

Allen Werken liegt ein ähnliches Prinzip zu Grunde: Eine Pumpe treibt Wasser über ein Rohrsystem von einem niedrig gelegenen in ein höher gelegenes Becken. Die hierfür benötigte elektrische Energie wird durch den überwundenen Höhenunterschied als potentielle Energie im Wasser gespeichert. Besteht Strombedarf, wird die Staumauer geöffnet, fließt das Wasser durch die Rohre hinab, treibt eine Turbine im Generator an und erzeugt so wieder elektrische Energie (siehe Grafik).

Die Grafik veranschaulicht den Ablauf in einem Pumpspeicherwerk

Die Grafik veranschaulicht den Ablauf in einem Pumpspeicherwerk.

Quelle: dpa-Grafik

Schwer vorhersehbare Schwankungen, die beispielsweise beim Betrieb von Windkraft- und Solaranlagen entstehen, können mit diesem steuerbaren Verfahren ausgeglichen werden. Finanziell machen sich Betreiber wie Vattenfall dabei die Reaktionen an der Leipziger Energiebörse zu Nutzen. Sie versuchen, den Strom bei niedrigen Grundlastpreisen ein- und bei hohen Spitzenlastpreisen weiterzuverkaufen. Die Differenz landet auf dem Unternehmenskonto.

Gewinnspanne ist geschrumpft

Dass die Energiebetriebe zuletzt weniger einstreichen konnten, hängt laut Dominik Möst, Professor am Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Technischen Universität Dresden, eng mit der Energiewende, also mit dem Ausbau von erneuerbaren Energien und dem schrittweisen Verzicht auf Atomstrom zusammen: „Manche Folgen wurden einfach übersehen oder teilweise billigend in Kauf genommen.“ Möst erklärt, dass sich nun verschiedene Effekte überlagern. „Wir haben eine Situation der Überkapazität und es lässt sich feststellen, dass die Strompreise in den letzten Jahren gefallen sind – bei Spitzenlast jedoch deutlich stärker als bei Grundlast.“ Die Gewinnspanne sei deutlich kleiner geworden. Die Preiskurve zeigt das Ausmaß. Noch vor ein paar Jahren hätten Betreiber von Spitzenlastkraftwerken laut Möst für eine Megawattstunde Preise zwischen 80 und 100 Euro verlangen können. Heute sind es um die 40 Euro. Der Rückgang ist Gift für die Wirtschaftlichkeit.

Betreiber kritisieren Netznutzungsentgelte

Von Seiten der betroffenen Energiekonzerne wird zudem kritisiert, dass sie beim Stromeinkauf wie Endverbraucher behandelt werden und die Netznutzungsentgelte bezahlen müssen. „Wenn für Speicherkraftwerke eine Befreiung von den zusätzlichen Kosten oder zumindest Vergünstigungen gefordert werden, halte ich das durchaus für legitim“, sagt Möst. Bei den aktuell niedrigen Strompreisen und der geschrumpften Differenz zwischen Spitzenlast- und Grundlastpreisen falle der Aufschlag besonders ins Gewicht und stelle eine Belastung für den optimierten Betrieb der Anlagen dar.

Peter Apel, Geschäftsführer der Vattenfall Wasserkraftsparte, bezeichnet die Pumpspeicher gar als „Stiefkinder der Energiewende“ – eine Einschätzung, die auch von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie geteilt wird. Deren Vorsitzender Michael Vassiliadis beklagt: „Pumpspeicherwerke sind derzeit die einzigen im großen Maßstab verfügbaren Stromspeicher. Doch unsinnige Politik treibt sie immer mehr in die Verluste.“ Die Netzstabilität werde ohne unterstützende Maßnahmen der Bundesregierung zunehmend aufs Spiel gesetzt.

Energie-Experte sagt höheren Speicherbedarf voraus

Noch ist das laut Möst kein Problem, wenngleich der Energieexperte einen erhöhten Speicherbedarf vorhersagt: „2025, vielleicht auch erst 2030 werden wir die Pumpspeicherkraftwerke brauchen. Sie sind im Moment die attraktivste Option zur Stromspeicherung und man täte deshalb gut daran, sie zu erhalten.“

Von Anton Zirk

Hohenwarte 50.60628 11.479369
Hohenwarte
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