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Verbio plant neue Strohgasanlagen

Vier Jahre nach Baustopp in Ostsachsen Verbio plant neue Strohgasanlagen

Mit der Idee, aus Stroh Gas zu produzieren, sorgte Verbio vor vier Jahren für Aufsehen. Aus dem in Ostsachsen geplanten Werk wurde dann aber nichts. Jetzt holt Verbio die Pläne wieder aus der Schublade – und will sie in Deutschland und Indien umsetzen.

Feierlichen Inbetriebnahme der ersten Strohgas-Testanlage in Zörbig 2012 durch Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU), Verbio-Vorstände Oliver Lüdtke und Claus Sauter (von links).

Quelle: Frank Johannsen

Leipzig. Der Biokraftstoffproduzent Verbio startet beim Thema Strohgas wieder durch: Vier Jahre nach dem Baustopp in Ostsachsen, wo die erste reine Strohgasanlage entstehe sollte, könnte sie nun doch gebaut werden. Ob es am gleich Standort klappt, ist aber noch offen.

Insgesamt will das Unternehmen sogar zwei solche Anlagen bauen, in denen ausschließlich Stroh zu Gas verarbeitet wird: eine in Deutschland, die andere in Indien, wo Verbio bereits seit Jahresbeginn entsprechende Pläne prüft.

In beiden Ländern seien nun entsprechende Tochtergesellschaften gegründet worden, kündigte Verbio am Donnerstag bei der Bekanntgabe seiner Quartalszahlen an. Man sei man nun auf der Standortsuche, fügte eine Verbio-Sprecherin am Verwaltungssitz in Leipzig hinzu.

Projekt lag seit 2012 auf Eis

Nach der Pilotanlage in Schwedt, die seit 2014 gebaut wird, wären es die ersten reinen Strohgas-Standorte des Konzerns. Die Leistung soll jeweils bei zehn Megawatt liegen. Zum Zeitplan und zum Investitionsvolumen wollte sich die Sprecherin noch nicht äußern. „Dafür ist es noch zu früh.“

2012 hatte Verbio eine solche Anlage bereits in Seitschen bei Bischofswerda geplant. 40 Millionen Euro sollten dort investiert werden, 25 Arbeitsplätze entstehen. Das Projekt fiel dann dem Investitionsstopp zum Opfer, den sich Verbio nach tiefroten Zahlen verordnen musste. Billigsoja aus Argentinien hatte das Geschäft vermiest.

Einfach wieder aus der Schublade holen kann Verbio die alten Pläne nun auch nicht: Das Grundstück in Seitschen hat Verbio 2013 zusammen mit der Landhandelssparte Märka verkauft – an Roth Agrarhandel. „Deshalb müssen wir die Standortfrage nun neue prüfen“, sagte die Sprecherin. Ausgeschlossen sei Seitschen als Standort aber nicht.

Indien soll Wachstumsmarkt werden

In Indien dagegen sei die Standortfrage noch völlig offen. Wenn die erste Anlage dort gut anlaufe, seien auch weitere denkbar. Gerade in dem Riesenland mit seine ausgedehnten Ackerflächen gebe es großes Potenzial für Stroh als Energielieferant.

Bisher werde das Stroh dort meist einfach auf den Äckern verbrannt – mit gewaltigen Folgen für die Luftverschmutzung. Strohgas helfe daher nicht nur der Energiebilanz. „Wir haben eine Lösung gegen den Smog“, unterstrich Verbio-Chef Claus Sauter.

EU gab 22 Millionen Euro Fördermittel

Das Verfahren, um aus Stroh Gas herzustellen, hatte Verbio selbst entwickelt. Eine erste Testanlage war 2012 in Zörbig bei Bitterfeld in Betrieb gegangen, wenig später eine zweite in Schwedt in Brandenburg. Beide sind aber noch gekoppelt an bestehende Werke, die Getreideschlempe zu Gas verarbeiten. Die neuen Standorte sollen nun ganz ohne angeschlossene Schlempe-Verarbeitung auskommen.

Eine erste Pilotanlage, in der ausschließlich Stroh verarbeite wird, gib es bereits in Schwedt. Sie war dort neben das bestehende Werk gebaut worden. Die EU gab dafür 22 Millionen Euro Fördermittel. 2014 ging der Standort ans Netz, bis 2019 soll die letzte Ausbaustufe vollendet sein. Die Leistung wird dann bei 16,5 Megawatt liegen. Derzeit sind es 8 Megawatt.

Von Frank Johannsen

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