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Verbundnetz-Gas-Chef Heitmüller sieht Unternehmen auf gutem Weg

Kein Jobabbau Verbundnetz-Gas-Chef Heitmüller sieht Unternehmen auf gutem Weg

Die Sparziele seien zu 80 Prozent umgesetzt, es stehe kein weiterer Jobabbau an: VNG-Chef Heitmüller sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg. Auch in diesem Jahr seien schwarze Zahlen in Sicht.

Verbundnetz-Gas-Vorstandschef Ulf Heitmüller sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ulf Heitmüller gehört zu den vorsichtigen Kaufleuten. „Man soll den Tag nie vor dem Abend loben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) im Gespräch mit der LVZ. Rückschläge seien prinzipiell nie auszuschließen. „Und die Energiewirtschaft wird auch in den nächsten Jahren unter Druck stehen.“ Doch das gemessen am Umsatz von 7,2 Milliarden Euro größte ostdeutsche Unternehmen habe in den vergangenen Monaten eine gute Basis gelegt, mögliche Marktverwerfungen künftig zumindest teilweise wegstecken zu können.

Das war nicht immer so. 2011 und 2015 rutschte der Gaskonzern in die roten Zahlen. Im vorigen Jahr wurde immerhin ein Gewinn von 40 Millionen Euro erwirtschaftet, was allerdings noch weit entfernt vom mittelfristigen Ziel eines jährlichen Überschusses von 150 Millionen Euro ist. Heitmüller, der im vergangenen Oktober an die VNG-Spitze rückte, sieht das Unternehmen aber auf gutem Weg. „Alles in allem haben wir substanzielle Schritte nach vorn gemacht.“

Auch beim Programm zur Steigerung der Ertragskraft würden allmählich die Früchte eingefahren. Von den dort vorgesehenen Einsparungen seien schon ungefähr 80 Prozent realisiert worden. Von den Sparmaßnahmen waren auch die Beschäftigten betroffen. 150 der 1450 Stellen sind weggefallen. Ein weiterer Abbau steht aber nicht an. Heitmüller zeigte sich zuversichtlich, dass VNG auch in diesem Jahr schwarze Zahlen einfahren werde. „Davon gehe ich aus.“ Und das, obwohl das Geschäft mit dem Gashandel ebenso unter Druck steht wie das mit den Speichern.

Der 52-jährige gebürtige Niedersachse sagte, die Liberalisierung der Energiemärkte und später die Energiewende hätten die Branche kräftig durchgerüttelt. „Der Veränderungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen.“ Sein Unternehmen sieht er aber aus verschiedenen Gründen gut gerüstet. Er ist sich sicher, dass das Erdgas im bundesdeutschen Energiemix mindestens in den nächsten zehn Jahren eine ähnlich wichtige Rolle spielen werde wie jetzt. Bei der Reduzierung der Treibhausgase wie CO2 könne das Erdgas etwa im Wärmemarkt und im Verkehr „eine prominente Rolle“ spielen.

Perspektivisch werde aber die Dekarbonisierung greifen, wovon auch Erdgas betroffen ist. Es werde mehr und mehr um grüne, regenerative Gase gehen, also Biogas und grünen Wasserstoff. VNG wolle auch an diesem Trend partizipieren. Die Aussichten seien dabei prinzipiell günstig, dass sich die Gasinfrastruktur „zum Nukleus der Energiewende“ entwickeln werde. Die Gasspeicher in Deutschland hätten eine Kapazität von 234 Terawattstunden, zusätzlich könnte das Erdgasleitungssystem etwa 130 Terawattstunden aufnehmen. Zum Vergleich: Die gesamte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien habe im vorigen Jahr 188 Terawattstunden umfasst. „Rein rechnerisch können wir also mehr als die gesamte Jahresproduktion der erneuerbaren Energien speichern.“ Das sei ein gewaltiges Potenzial, das es zu nutzen gelte, um die Versorgungssicherheit auch dann zu gewährleisten, wenn die Sonne nicht scheine und der Wind nicht wehe.

Die VNG-Tochter Ontras, die das rund 7000 Kilometer lange Ferngasnetz in Ostdeutschland betreibt, sammelt derzeit erste Erfahrungen mit der Einspeisung und dem Transport von Wasserstoff und Biomethan. Zudem hat sie die europäische Grüngas-Initiative mitbegründet, in der Ferngasleitungs-Betreiber mehrerer Länder an Strategien für eine kohlendioxidneutrale Gasversorgung tüfteln. Auch arbeitet VNG in der Forschungsinitiative Hypos mit an Projekten, die auf eine bessere Wirtschaftlichkeit und technische Beherrschbarkeit für die noch teure und wenig praktizierte Produktion, Speicherung und Anwendung von Wasserstoff zielten. Heitmüller: „Ich sehe uns da gut aufgestellt.“

Positiv verläuft nach Einschätzung des VNG-Chefs die Zusammenarbeit mit dem Großaktionär EnBW. Der Karlsruher Energieriese hält 74,21 Prozent der Anteile. VNG sei das Gaskompetenzzentrum für den gesamten EnBW-Konzern. „Unser Knowhow ist gefragt.“ Heitmüller bekräftigte, dass die VNG-Zentrale in Leipzig bleibe, gelegentlich aufkommende Gerüchte, das Unternehmen werde zerschlagen, „sind Quatsch“. Die Zusammenarbeit sei auch keine Einbahnstraße. „Wir sehen uns als gute regionale Ergänzung zu EnBW mit erheblichem Potenzial.“

So haben die Baden-Württemberger in einem Innovationsprojekt die Straßenlaterne der Zukunft entwickelt. In dem „Smight“ genannten System werden unter anderem Beleuchtung, Umweltsensorik, Lademöglichkeiten für Elektroautos und öffentliches W-Lan vereint. Das System ist bereits in Deutschland, der Schweiz, Norwegen und Australien im Einsatz. Heitmüller zeigte sich davon überzeugt, dass sich viele Kommunen dafür interessieren werden. „Unsere Idee ist, die Laternen mit in unsere Vertriebsstruktur einzubauen.“ Auch das könne, bei aller Vorsicht, einen Beitrag leisten, VNG zukunftssicher zu machen.

Ulrich Milde

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