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Verdi zieht in Amazon-Betriebsrat ein - 60 Prozent stimmen für konkurrierende Liste

Verdi zieht in Amazon-Betriebsrat ein - 60 Prozent stimmen für konkurrierende Liste

Die Spaltung der Leipziger Amazon-Belegschaft in Streik-Befürworter und -Gegner setzt sich jetzt auch im Betriebsrat fort. Bei der ersten regulären Neuwahl des Gremiums in dieser Woche kam die Gewerkschaft Verdi zwar aus dem Stand auf fast 40 Prozent und zieht erstmals mit sieben Vertretern in das Gremium ein.

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Picker heißen bei Amazon die Mitarbeiter, die die bestellten Waren aus den mehrstöckigen Regaltürmen holen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Mehrheit machte ihr Kreuz aber bei der konkurrierenden Liste von nicht-streikenden Mitarbeitern, die auf gut 60 Prozent kam - und zwölf Vertreter in das Gremium entsendet. Sie dürfte daher auch den Vorsitzenden stellen, den das Gremium nun bestimmen muss.

39,5 Prozent für Verdi, 60,5 Prozent für die unabhängige Liste 1, die sich "Wir vertreten alle Mitarbeiter" nennt. Das hatte die siegreiche Liste, die Nummer schlicht beim Auslosen gegen Verdi (Liste 2) gewonnen hatte, direkt nach Auszählungsende auf ihrer Internetseite verkündet. Wenige Stunden später wurde die Homepage abgeschaltet - ohne Angabe von Gründen.

Den Angaben zufolge haben am Dienstag und Mittwoch insgesamt 1515 Kollegen ihre Stimme abgegeben - nach LVZ-Berechnungen mehr als 70 Prozent der derzeit 2100 Mitarbeiter. Die siegreiche Liste 1 wertete das als großen Vertrauensbeweis für ihren Ansatz, Verbesserungen nicht durch Streik sondern im Gespräch zu erzielen. "Wir werden wie in den vergangenen Jahren Verhandlungen mit der Geschäftsleitung auf Augenhöhe führen", hieß es im Wahlaufruf. Von den Kandidaten war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von einer Niederlage wollte aber auch Verdi nicht sprechen. Ganz im Gegenteil. "Natürlich hätten wir uns über noch mehr Stimmen gefreut", sagte Gewerkschaftssekretär Schneider. "Doch 40 Prozent für die Verdi-Liste - das ist ein tolles Ergebnis. Wir sehen das als Bestätigung." Am Ende hätten nur acht Stimmen für ein weiteres Mandat gefehlt.

Bei der vorigen Wahl 2009 war Verdi noch mit einer eigenen Liste angetreten. Und im Wahlkampf sei jetzt ganz gezielt Stimmungen gegen die Gewerkschaft gemacht worden, berichtete Schneider. "Da wurden Mitarbeiter, die am Streik teilgenommen hatten, ganz gezielt zum Einzelgespräch geholt." Zugleich warb die konkurrierende Liste 1 auf Handzetteln: "Wählt für den Standort Leipzig. Es geht um den Erhalt unseres Standorts. Es geht um Euren Arbeitsplatz." Auch wenn Verdi nicht direkt genannt wurde: Schneider nimmt das als Kampfansage. "Da wird gezielt mit der Angst der Mitarbeiter gespielt, Amazon könnte sich wegen uns aus Leipzig zurückziehen."

Seit gut einem Jahr ruft Verdi in Leipzig und Bad Hersfeld regelmäßig zum Streik - und will dadurch Tarifverhandlungen durchsetzen. Bewegt hat sich bisher nichts. Amazon lehnt Gespräche mit der Gewerkschaft grundsätzlich ab - und will alle Fragen lieber mit den eigenen Betriebsräten regeln. Diese Linie hätte Verdi gern mit einer Mehrheit in dem Gremium durchkreuzt, räumte Schneider ein. "Aber das sollte halt nicht sein." Es sei aber ein großer Fortschritt, dass Amazon "seine Liebe zum Betriebsrat entdeckt hat", so Schneider. Vor fünf Jahren, als in Leipzig erstmals gewählt wurde, habe man das noch gegen den erbitterten Widerstand des Unternehmens durchsetzen müssen. Damals war Leipzig der zweite Amanzon-Standort mit Betriebsrat. Inzwischen wirbt Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber offen dafür, dass sich überall solche Arbeitnehmervertretungen bilden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2014
Frank Johannsen

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