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Viele Infinus-Anleger könnten bei Insolvenz der Dresdner leer ausgehen

Viele Infinus-Anleger könnten bei Insolvenz der Dresdner leer ausgehen

„Ich glaube nicht, dass wir von unserem Geld noch jemals etwas wiedersehen“, sagt die 78-Jährige Dresdnerin, die zusammen mit ihrem Mann 18 000 Euro in Orderschuldverschreibungen der Infinus-Finanzgruppe angelegt hat.

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Briefkastenschild der Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Dresden. Ihren Namen möchte sie nicht öffentlich machen. „Eigentlich haben wir immer Bundesschatzbriefe gekauft. Aber die gibt es ja nicht mehr.“ Zwei Infinus-Berater hätten sie von Orderschuldverschreibungen überzeugt. „Wir haben sogar 500 Euro Zinsen bekommen“, sagt sie. Dann wurden sechs Manager wegen Verdachts auf Anlagebetrugs festgenommen und alles brach zusammen.

Die Rentnerin steht nicht allein da. Laut Dresdner Staatsanwaltschaft sind 25 000 Anleger betroffen - mit einem Anlagevermögen von rund 400 Millionen Euro. Zehn Mitarbeitern der Infinus-Gruppe wird vorgeworfen, bei der Ausgabe von Wertpapieren falsche Angaben zur Vermögens- und Ertragslage gemacht zu haben.

Die Ermittler vermuten ein Schneeballsystem, dem die Luft ausging, als die Staatsanwaltschaft Firmen- und Privatkonten sperren und sonstige Vermögen beschlagnahmen ließ, darunter Luxus-Uhren, Boote und teure Autos. Einer der sechs im November Festgenommenen kam zwischenzeitlich wieder frei - offenbar hatte er der Staatsanwaltschaft wichtige Informationen geliefert.

Inzwischen läuft bei drei Unternehmen der Infinus-Gruppe das Insolvenzverfahren. 14 weitere stehen unter vorläufiger Verwaltung. Die meisten Gläubiger dürfte es bei der Future Business KGaA (Fubus) geben, die den Großteil der Anlagen ausgegeben haben soll.

„Wir können zur Zahl der Gläubiger noch nichts sagen, weil das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet ist“, sagt Christoph Möller, Sprecher des zum vorläufigen Fubus-Verwalter bestellten Anwalts Bruno Kübler. Wahrscheinlich wird dies erst Anfang April der Fall sein. Erst dann wird sich Kübler an die Gläubiger wenden, um sie dann mit ihren Forderungen in die Insolvenztabelle einzutragen. Er wolle dafür sorgen, „dass die Gläubiger von ihrem Vermögen so viel wie möglich zurückerhalten“, verspricht er. Ein „Windhundrennen“ der Anleger sei aufgrund der Kontensperrungen und Beschlagnahmungen durch die Staatsanwaltschaft weder nötig noch möglich.

Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt inzwischen vor fragwürdigen Betroffenen-Vereinen, die an die Infinus-Anleger herantreten, um sie zur Mitgliedschaft zu bewegen oder anwaltliche Beratung zu vermitteln. In der derzeitigen Situation seien viele bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen, meint Finanzexpertin Andrea Heyer. „Nicht selten wird damit weiteres gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen.“

Denn trotz sichergestellter Vermögenswerte in Millionenhöhe ist es unwahrscheinlich, dass alle Anleger an ihr Geld kommen, glaubt Renate Daum, Anlageexpertin der Zeitschrift Finanztest. „Es kommt darauf an, was für Produkte sie gekauft haben.“

Neben Orderschuldverschreibungen waren auch Genussrechte und sogenannte Nachrangdarlehen im Programm der Infinus-Gruppe. „Und je nachrangiger die Papiere sind, desto schlechter ist meine Position“, sagt Daum. Vor allem den Inhabern von Nachrangdarlehen drohe der Totalverlust. „Bei den nachrangigen Papieren sollte man sich darauf einstellen, alles abzuschreiben, weil es aufgrund der Schadenshöhe sehr unwahrscheinlich ist, dass überhaupt noch irgendetwas übrigbleibt.“

350 Strafanzeigen wegen Betruges liegen der Staatsanwaltschaft Dresden vor. „Sie richten sich gegen Einzelpersonen und Firmen aus dem Unternehmensgeflecht“, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase und bestätigt damit Berichte der „Sächsischen Zeitung“. „150 Anwälte haben Akteneinsicht verlangt.“

Viele Anleger versuchen offensichtlich, über eine Strafanzeige zu einem Schadenersatztitel zu kommen. Doch Daum warnt: „Man muss sich das sehr gut überlegen, weil der Aufwand für solche Schadenersatzklagen sehr hoch ist.“ Wieder müsse für den Rechtsstreit Geld in die Hand genommen werden und die Beweislast liege beim Anleger. „Man muss überlegen, ob man sich in der Lage sieht, zu beweisen, dass der andere wusste, dass es sich bei der Anlage beispielsweise um ein betrügerisches Schneeballsystem handelte. Das ist eine sehr, sehr hohe Hürde.“

Außerdem müsse der Beklagte auch in der Lage sein, überhaupt zu zahlen. „Es nutzt ja nichts, wenn ich nach Jahren einen Titel habe und dann bekomme ich doch kein Geld, weil mein Gegner insolvent ist“, sagt Daum.

Ob sie einen Anwalt einschaltet, um von ihren 18 000 Euro vielleicht doch noch etwas zurückzubekommen, weiß die alte Dame aus Dresden noch nicht. Ihre Tochter habe das jetzt in die Hand genommen. „Wir werden schon nicht verhungern, wir sind ja Rentner“, sagte die 78-Jährige. Sie stehe auch nicht das erste Mal ohne Ersparnisse da. „Der Krieg und der Staat haben unsere Familie schon früher viel Geld gekostet.“

Martin Fischer, dpa

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