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Wasserwerke planen Preiserhöhung - und denken an Klärwerks-Ausbau

Wasserwerke planen Preiserhöhung - und denken an Klärwerks-Ausbau

Wenn die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) mit größeren Berichten in den Medien auftauchen, geht es oft um Havarien am Rohrnetz oder den Finanzskandal um Ex-Geschäftsführer Klaus Heininger.

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Die KWL-Geschäftsführer Michael M. Theis (56) und Ulrich Meyer (46, rechts)

Quelle: André Kempner

Den Alltag der 550 Mitarbeiter bestimmen jedoch meist ganz andere Themen, erklären die Geschäftsführer Michael M. Theis (Finanzen) und Ulrich Meyer (Technik) im LVZ-Sommerinterview.

Frage: Die Leipziger Verkehrsbetriebe müssen gerade viel Kritik einstecken, weil ihre Busse keine Klimaanlagen haben. Wie ist es bei Ihnen - freuen Sie sich, dass es an diesem Wochenende wieder richtig warm werden soll?

Michael M. Theis: Aber natürlich. Und ich hoffe, das nimmt uns niemand übel. Im Hochsommer, Juli und August, steigt unser Wasserabsatz auf bis zu 115000 Kubikmeter pro Tag. Der Jahresdurchschnitt beträgt nur 90000 Kubikmeter. Allen, die bei großer Hitze weniger schwitzen wollen, empfehle ich, Leitungswasser zu trinken - dann müssen sie keine schweren Mineralwasser-Flaschen schleppen. Unser Trinkwasser kostet weniger als 0,02 Cent pro Liter, ist somit das günstigste und hochwertigste Lebensmittel überhaupt. Das beweisen 14000 Laborproben jedes Jahr.

Warum sind die Leipziger trotzdem deutscher Meister im Wassersparen?

Ulrich Meyer: Der Trinkwassergebrauch in Leipzig und Umgebung ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen - um einen Liter auf jetzt knapp 87 Liter pro Kopf und Tag. Trotzdem liegen wir damit weit unter dem Niveau westdeutscher Städte, wo 125 Liter üblich sind. Das hat auch psychologische Ursachen

Wie bitte?

Doch, doch. Zu DDR-Zeiten kostete Wasser praktisch nichts. Dann hörten alle, es werde jetzt sehr teuer und wollten unbedingt sparen. Viele Mieter können aber bis heute nicht richtig einschätzen, welche Effekte sich hier überhaupt erzielen lassen. Unsere Preise tauchen bei Mietern eben nur einmal im Jahr in der Betriebskostenabrechnung auf. Dort werden sie meist mit den Warmwasserkosten verwechselt, die durch die Energiekosten belastet sind.

Michael M. Theis: Was schätzen Sie denn, wie viel ein Leipziger am Tag für Trink- und Abwasser bezahlt?

Tja, also der halbe Liter Bier kostet im Glashaus jetzt 3,30 Euro. Das hat jüngst unser großer LVZ-Freisitz-Test ergeben.

nUnter 60 Cent am Tag

Der Wasserjahresgebrauch liegt bei uns bei reichlich 31500 Liter pro Kopf. Das ergibt nicht mal 60 Cent am Tag.

Ulrich Meyer: Es gibt natürlich noch andere Gründe für den großen Unterschied zwischen Ost und West. Zum Beispiel wurden Haus- und Sanitärtechnik, auch Waschmaschinen in den neuen Bundesländern nach der deutschen Einheit fast überall auf modernsten Stand gebracht. In den alten Ländern gibt es indes deutlich mehr Kleingewerbe, dessen Gebrauch ebenfalls in der Statistik erfasst wird. Nicht jedoch die Industrie.

Nun können Sie ja kaum ihrer Kundschaft raten, dreimal täglich zu duschen. Wie steigern Sie das Ergebnis?

nKlärwerk könnte wachsen

Ulrich Meyer: Für die KWL steht die Kosteneffizienz im Mittelpunkt. Beispielsweise haben wir im vergangenen Jahr ein unternehmensweites Programm zur Senkung des Energieverbrauchs gestartet. Im Klärwerk Rosental erzeugen wir schon 60 Prozent der benötigten Energie durch unsere Biogasanlagen selbst. Über Forschungsprojekte mit regionalen Hochschulen soll dieser Anteil noch steigen.

Michael M. Theis: Andererseits gewinnen wir durch das Wachstum der Einwohnerzahlen und der hiesigen Wirtschaft mehr Kunden. Die KWL versorgen über 640000 Personen in Leipzig und dem Umland. Unsere Infrastruktur ist dabei natürlich auch von der weiteren Entwicklung der Region abhängig. Wenn sich diese so erfolgreich fortschreibt - und dafür spricht einiges - werden wir schon bald eine Erweiterung des Klärwerks im Rosental angehen müssen. Das kann zum Beispiel nötig werden, um für weitere Firmenansiedlungen gewappnet zu sein.

Was würde es kosten und haben Sie auf dem Gelände überhaupt noch Platz?

Ulrich Meyer: Die Kapazität des Klärwerks entspricht heute den Abwässern von 550000 Personen. Etwa 20 bis 25 Millionen Euro wären nötig, um die Kapazität auf bis zu 700000 Einwohnerwerte zu steigern. Es stimmt, dass das Gelände ziemlich zugebaut wirkt. Aber wir kriegen eine Erweiterung dort auf jeden Fall noch hin, das zeigen erste Untersuchungen und Planrechnungen. Übrigens laden die KWL für den 8. September wieder zum Tag der offenen Tür ins Klärwerk Rosental ein. Vor Ort können wir genauer zeigen, wo noch Platz ist und wie ein Klärwerk funktioniert.

nProblemzonen im Kanal

Wie lange müssen die Leipziger noch fürchten, dass vor ihnen ein Stück Straße versinkt, weil im Erdreich ein uralter Kanal zerborsten ist?

Ulrich Meyer: Unser Kanalnetz ist 2350 Kilometer lang. Da kann man nicht völlig ausschließen, dass es aufgrund einer Havarie zu einem Straßeneinbruch kommt. Zumal ein Drittel der Kanäle älter als 75 Jahre ist. Dennoch muss niemand Angst haben. Wir haben inzwischen 85 Prozent des Netzes mit Kameras befahren, wissen daher recht genau, wo die Problemzonen liegen. Davon abgeleitet wurde ein Programm, um die Sanierung des Kanalnetzes möglichst schnell und kostensparend voranzutreiben.

Michael M. Theis: Seit der Wende haben die KWL mehr als eine Milliarde Euro investiert - vor allem in ihre Klär- sowie Wasserwerke und Erschließungsmaßnahmen. Die nächsten 20 Jahre muss der Schwerpunkt auf den Netzen liegen. Allein für die Kanäle planen wir jährliche Investitionen von 15 bis 20 Millionen Euro, also mehr als bisher.

nPreiskalkulation läuft

Sicher könnten Sie dafür die Millionen gut brauchen, die Herr Heininger auf Rechnung der KWL verzockt hat?

Michael M. Theis: Allen Mitarbeitern wäre es natürlich lieber, wenn es solche unglaublichen Taten nie gegeben hätte. Die Investitionstätigkeit wurde deshalb, außer im ersten Schock 2010, aber nicht gesenkt.

Ulrich Meyer: Es ist auch ein häufiges Missverständnis, dass wegen Heininger die Wasserpreise steigen könnten. Was in die Preiskalkulation einfließen darf und was nicht, ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben: nur die Kosten zur Erfüllung unserer Aufgabe, nämlich der Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung, können wir in Rechnung stellen. 2010 hatten wir nachhaltig zehn Prozent eingespart, deshalb mussten wir die Preise ab 2012 in gleicher Höhe verringern. Und haben das gern getan.

Zuvor gab es bereits Mindereinnahmen durch ein neues Modell bei den Wasserzählergebühren. Wie lange halten Sie die heutigen Preise noch durch?

Michael M. Theis: Die KWL überprüfen den Stand alle zwei Jahre. Die aktuelle Preisperiode läuft Ende 2013 aus, daher stecken wir mitten in der Kalkulationsphase. Absehbar ist, dass es ab 1. Januar 2014 eine Anpassung nach oben geben wird. Ein Grund sind die durch die staatliche Belastung steigenden Energiepreise. Das Baugewerbe verlangt seit einiger Zeit etwa 10 bis 15 Prozent mehr, was wir stark bei den Arbeiten am Trink- und Abwassernetz spüren. Klar ist aber auch, dass die neuen Preise ab 2014 nicht über dem Niveau von 2011 liegen werden.

nKein Parfüm am Gully

Im Sommer gab es sonst oft Klagen über unangenehme Gerüche aus den Gullys. Warum sind die plötzlich weg?

Ulrich Meyer: Tricks wie in Berlin, wo Gully-Deckel mit Parfüm eingesetzt werden, nutzen wir nicht. Ich glaube, dieses Problem wird in Leipzig seit einigen Jahren immer kleiner. Auch, weil das Netz besser wird. Dennoch: Wem es irgendwo stinkt, der soll es uns bitte melden. Dann können wir - etwa mit gezielten Kanalspülungen - Abhilfe schaffen.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2013

Jens Rometsch, Björn Meine

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