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Weltverkehrsforum bleibt bis 2020 in Leipzig

Generalsekretär José Viegas im Interview Weltverkehrsforum bleibt bis 2020 in Leipzig

Am kommenden Mittwoch startet in Leipzig auf der Neuen Messe und im Congress-Center das Weltverkehrsforum (ITF). Es ist schon die zehnte Auflage in der Messestadt. Und auch in den nächsten Jahren kommt das Forum wieder an die Pleiße. Bis 2020 sei das jetzt fest vereinbart, gab Generalsekretär José Viegas (64) im LVZ-Interview bekannt.

Sorgen beim Weltverkehrsforum für internationales Flair: die Flaggen der Teilnehmerstaaten vor dem Eingang der Leipziger Messe.

Quelle: dpa

Leipzig. Das Weltverkehrsforum (ITF) bleibt auch in den nächsten drei Jahren in Leipzig. Das sagte Generalsekretär José Viegas (64) im Interview. Die diesjährige Veranstaltung beginnt am kommenden Mittwoch. Erwartet werden über 1000 Teilnehmer.

Das Weltverkehrsforum findet dieses Jahr zum zehnten Mal in Leipzig statt. Bleibt die Veranstaltung über 2017 hinaus in Leipzig?

Ihre Frage zeigt mir, dass den Leipzigern das Weltverkehrsforum am Herzen liegt. Das freut mich natürlich. Wir sind in diesem Jahr zum zehnten Mal hier und wir kommen immer wieder gerne an die Pleiße. Wir arbeiten ausgezeichnet mit der Stadt und der Leipziger Messe zusammen, das klappt alles reibungslos. Es gibt nichts hier vor Ort, was uns drängen würde, wegzugehen. Die einzige Anmerkung, die wir hier und da hören, betrifft die internationale Verkehrsanbindung. Aber wenn unsere Delegierten aus 70 Ländern erst einmal angereist sind, hören wir eigentlich nur Lob.

Zurück zur Frage bitte.

Es gibt alle drei Jahre ein geordnetes Ausschreibungsverfahren, an dem sich neben Leipzig auch andere Städte beteiligen können. Leipzig muss der Konkurrenz immer wieder zeigen, dass es besser ist – worin es ja einige Erfahrung hat. ­Diese Hürde ist nun gerade wieder gemeistert und ich kann hier sagen, dass dank der guten Arbeit, die hier gemacht wird, und nicht zuletzt auch dank der­­­ sehr großzügigen Förderung durch das Bundesverkehrsministerium, das Weltverkehrsforum 2018 wieder in Leipzig stattfinden wird. Und 2019 und 2020 auch.

Was hat das Forum im vorigen Jahr gebracht?

Es hat ganz klar die Dynamik des Klimaschutzes im Verkehrsbereich beflügelt. Das Weltverkehrsforum 2016 fand kurz nach dem Pariser Klimaschutzabkommen statt. Wir haben das gezielt genutzt, um zu fragen, was der Verkehrssektor jetzt tun muss, um zu helfen, die Klimaziele zu erreichen. Unser „Decarbonising Transport“-Projekt, das wir hier in Leipzig vergangenen Mai vorgestellt haben, wird den Entscheidern in Politik und Wirtschaft dazu ein Werkzeug an die Hand geben, nämlich das umfassendste Computermodell von weltweiten Verkehrsaktivitäten, das es derzeit gibt. Viel präziser als bisher wird es Aussagen darüber erlauben, welche Klimaschutz-Maßnahmen im Verkehrsbereich sich konkret wie auswirken. Das kann Ministern und Firmenchefs entscheidend helfen, die richtigen Maßnahmebündel zusammenzustellen.

Was erwarten Sie von der Veranstaltung in diesem Jahr?

Unser Thema in diesem Jahr ist „Governance of Transport“, was abstrakt klingt und sich schwer übersetzen lässt. „Gute Regierungsführung im Verkehrsbereich“ vielleicht, auch wenn das sehr sperrig klingt. Es geht um spannende und hochaktuelle Fragen: Welche Rahmenbedingungen setzen wir für autonomes Fahren? Oder für Drohnen? Wie regulieren wir neue Geschäftsmodelle, wie Uber und andere sie entwickelt haben? Wie verzahnen wir Verkehrsplanung auf internationaler Ebene, aber auch auf den unterschiedlichen nationalen Ebenen zwischen Zentralregierung, Regionen und Gemeinden?

Wann wird das autonome Fahren Wirklichkeit?

Ich persönlich glaube, dass das autonome Fahren schneller kommen wird als Skeptiker meinen. Aber noch bevor wir alle in Google-Autos durch unsere Städte kurven, werden selbst fahrende LKW unsere Autobahnen erobert haben. Autonomes Fahren auf Autobahnen ist technisch leichter beherrschbar und die wirtschaftlichen Anreize sind enorm – der Fahrer macht etwa 35 bis 40 Prozent der Betriebskosten eines LKW aus. Darum glaube ich, dass innerhalb von zehn Jahren selbstfahrende LKW ein normaler Anblick sein werden.

Was wird dann aus den Brummi-Fahrern?

LKW-Fahrer ist einer der wenigen verbliebenen Berufe, der auch Mitbürgern mit wenig formaler Bildung einen guten Verdienst ermöglicht. Wenn das Berufsbild verschwindet, muss diesen Arbeitnehmern ein fairer Übergang ermöglicht werden. Wir haben dazu gemeinsam mit LKW-Herstellern, dem Weltverband der Spediteure und der internationalen Transportarbeitergewerkschaft Vorschläge erarbeitet, die wir beim Weltverkehrsforum 2017 vorstellen werden.

Welche Regelungen braucht autonomes Fahren?

Im jetzigen Stadium vor allem zwei Dinge: erstens mehr Möglichkeiten für Pilotprojekte auf öffentlichen Straßen. Dafür sind klare, transparente Verfahren für Ausnahmegenehmigungen wichtig. Es ist im allgemeinen Interesse, dass neue Technologien unter reellen Bedingungen getestet werden. Es ist ebenso wichtig, dass eine Vielfalt von technischen Ideen ausprobiert werden kann. Nur ist sicherzustellen, dass die Technologie sicher wie alltagstauglich ist und wir nicht mangels Alternative die zweit- oder drittbeste Lösung bekommen.

Und zweitens?

Internationale Betriebsstandards für autonomes Fahrens auf globaler oder zumindest auf kontinentaler Ebene sind unerlässlich. Stellen Sie sich vor, die selbstfahrenden Lastwagen könnten nicht Grenzen überqueren – das wäre ja wie zu Zeiten von unterschiedlichen Spurbreiten bei der Eisenbahn. Oder Sie könnten mit ihrem Google-Car keinen Ausflug von Leipzig nach Prag machen. Wenn wir das nicht jetzt hinbekommen, wird die Angleichung im Nachhinein Jahrzehnte dauern. Als das Automobil erfunden wurde, hatte Schweden Linksverkehr und blieb auch dabei, während in den Nachbarländern Finnland und Norwegen rechts gefahren wurde. An der Grenze mussten die Autos dann die Straßenseite wechseln. Sie können sich vorstellen, wie sich das zum Beispiel auf die Verkehrssicherheit auswirkte. 1967 hat Schweden dann endlich umgestellt. Solche Verwerfungen sollten wir beim Übergang zu autonomen Fahrzeugen wirklich vermeiden.

Wird die Autoindustrie im Kampf gegen die Digitalkonzerne wie Google dabei an Boden verlieren?

Das wird sich zeigen. Es stehen sich zwei unterschiedliche Ansätze gegenüber: Die Digitalkonzerne setzen auf vollautomatisches Fahren als Revolution. Die Autohersteller glauben, dass es sich im Wege der Evolution durchsetzen wird, bei der immer mehr und immer intelligentere digitale Assistenten dem Fahrer Entscheidungen abnehmen. Für die zweite Denkschule spricht, dass die gesetzlichen Regeln sich leichter Schritt für Schritt anpassen lassen und Erfahrungen aus dem Alltag in die Verbesserung der nächsten Phase einfließen können. Für die Vision der Digitalkonzerne spricht die Attraktivität der Vorstellung, in einem komplett selbstfahrenden Auto unterwegs zu sein und zu lesen, zu arbeiten, keinen Führerschein mehr zu brauchen. Und viele digitale Start-ups haben es in den letzten zwei Jahrzehnten ja schon geschafft, echte Revolutionen anzuzetteln – warum also nicht beim Auto.

Ihr Tipp?

Abhängen wird es wohl auch von dem Verhältnis, dass die kommende Generation zum Autofahren entwickelt. Wird Besitzerstolz und Spaß am aktiven Fahren dominieren, oder werden die Jungen ein Auto nur noch als Mittel zum Zweck und Fahren als Dienstleistung sehen? Die Automobilindustrie beobachtet das jedenfalls ganz genau, und mit gutem Grund.

Von Ulrich Milde

Congress Center Leipzig 51.3978265 12.3997856
Congress Center Leipzig
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