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Werbeplattform statt Luxus-Fabrik: VW-Manufaktur in Dresden umgebaut

„Erlebniswelt“ Werbeplattform statt Luxus-Fabrik: VW-Manufaktur in Dresden umgebaut

Für den Neustart hat VW die Gläserne Manufaktur in Dresden umgebaut. Entstanden ist eine „Erlebniswelt“ für Autofans. Mit einer Mischung aus Museum und Kultur soll die Fabrik in die Zukunft gerettet werden.

VW hat die Gläserne Manufaktur in Dresden umgebaut. Entstanden ist eine „Erlebniswelt“ für Autofans. Neue Wagen werden hier vorerst nicht mehr produziert.

Quelle: dpa

Dresden. Ungewollt hat in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden die Zukunft bereits begonnen. Eine ungewisse Zukunft jedoch - denn in der einstigen Vorzeige-Fabrik in edler Glas-Optik stehen seit knapp drei Wochen die Bänder still. Ein gewöhnungsbedürftiges Bild, auch wenn nie Massenware produziert wurde. Immerhin entstand hier 14 Jahre lang das VW-Luxus-Flaggschiff Phaeton. Handverlesen, handmontiert, hoch im Preis.

Doch das Projekt Oberklasse liegt bei der Hauptmarke von Europas größtem Autokonzern vorerst auf Eis. Mit dem Fertigungsende der edlen Limousine Mitte März verordnete die VW-Zentrale im fernen Wolfsburg der Maufaktur eine Neuausrichtung, auf die sie in Dresden unter diesen Umständen wohl lieber verzichtet hätten. Doch inmitten der größten Krise der Unternehmensgeschichte gilt das Motto „Sparen auf Sicht“, wie Vorstandschef Matthias Müller schon vor Monaten sagte. Am Ende zog die VW-Führung nicht direkt wegen der weltweiten Diesel-Krise die Reißleine. Die drohenden Milliardenkosten infolge des Skandals beschleunigten aber das Aus für das Modell, das ohnehin mit einem chronisch schwachen Absatz unter den Erwartungen blieb.

In der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden werden keine Autos mehr montiert. Stattdessen dient die futuristisch anmutende Fabrik zunächst auf unbestimmte Zeit als „Erlebniswelt“, als Schaufenster für Elektromobilität und Digitalisierung. Teil des Konzepts sind rund 50 interaktive Exponate und Autos - darunter Elektrofahrzeuge, Multimediastationen und ein Fahrsimulator. Auch Probefahrten mit Elektro- und Hybridwagen werden angeboten. Fotos: dpa

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Daran will am Freitag in Dresden aber niemand denken. Immerhin soll ein Neuanfang gefeiert werden. Eine für eine VW-Fabrik ungewöhnliche Situation, denn einen Produktionsersatz für den Phaeton kann niemand präsentieren. Angeblich sollen hier in etwa eineinhalb Jahren wieder Autos gebaut werden. Nur welche, und von wem?

Knapp 400 der zuletzt rund 500 Mitarbeiter sind längst auf andere Werke im Land verteilt. Einige haben geholfen, die Hallen zu einer neuen „Erlebniswelt“ umzubauen. Die Feiergäste - unter ihnen der Chef von VW-Sachsen, Siegfried Fiebig, und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) - sind bemüht, Optimismus auszustrahlen. Doch die Stimmung ist gespalten. „Die Ungewissheit ist das Schlimmste“, sagt einer der verbliebenen 100 Mitarbeiter. Wie zu Zeiten des Phaeton sind sie nicht im üblichen VW-Blaumann gekleidet, sondern tragen den für Dresden obligatorischen weißen Kittel. Die Kollegen, die zu anderen Werken wie etwa nach Zwickau gingen, hätten zumindest weitere klare Aufgaben, betont ein VW-Mann. In der Manufaktur heiße es nun: Organisation statt Produktion. „Wenn man wüsste, wohin die Reise geht, wäre das alles leichter“, sagt er.

Die Gläserne Manufaktur in Dresden

Die Gläserne Manufaktur in Dresden galt lange Zeit als Prestigeprojekt von Volkswagen. 2001 wurde das futuristische Gebäude im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) eröffnet. Der VW-Konzern investierte rund 187 Millionen Euro in den Bau, in dem nichts Geringeres als das Luxus-Flaggschiff von Volkswagen montiert wurde: Der Phaeton.

Für Autofreunde und die solventen Kunden der Luxuslimousine hatte das Werk zudem eine Besonderheit parat - vor ihren Augen wurde der Wagen aus vorgefertigten Teilen von Hand montiert. Inmitten der Glasfronten wurde die Halle seither auch als Veranstaltungsort für Konzerte und andere Events genutzt.

Bei voller Auslastung sollte das Montagewerk einmal 800 Mitarbeiter beschäftigen, kurz vor der Schließung im März waren es knapp 500. Insgesamt wurden mehr als 84.000 Phaeton gebaut. Aus Konzernkreisen ist zu vernehmen, dass man in 18 Monaten in Dresden auch wieder Autos bauen möchte. Welche genau und wie, weiß derzeit aber niemand.

„Die Manufaktur hat sich dramatisch verändert in den letzten Tagen“, fasst ihr Sprecher Carsten Krebs die Situation zusammen. Zehn Tage habe der Umbau gedauert. Entstanden ist nun eine Ausstellung zu den Themen Elektromobilität und Digitalisierung. Aus der ehemaligen Luxus-Fabrik im Herzen Dresdens ist damit eine Werbeplattform für die Marke VW geworden. Denn in Wolfsburg werden genau in diesen Bereichen die Weichen für eine erfolgreiche Zeit nach der Diesel-Krise gesehen.

„Der Elektromobilität gehört die Zukunft, aber Geld lässt sich damit heute noch nicht verdienen“, sagte Müller im vergangenen Oktober bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Digitalisierung, Vernetzung und das automatisierte Fahren böten riesige Chancen, bedeuteten aber auch einen finanziellen Kraftakt. Schließlich, so die Dresdner Hoffnung, könnte der Phaeton als edle Elektro-Limousine zurückkehren.

Aber einstweilen sieht die Realität in Dresden anders aus. Zwischen den Exponaten und Multimedia-Stationen erinnert ein Phaeton-Modell an die produktive Vergangenheit. Auf den Fließbändern aus edlem Holz, wo einst die Karossen montiert wurden, stehen nur Ausstellungsfahrzeuge. Dahinter leere Hallen, verdeckt durch bedruckte Stellwände. Alles wirkt etwas provisorisch. Krebs spricht von Übergangslösung: „Wir wollen so schnell wie möglich wieder mit der Produktion beginnen.“

Eine Entscheidung über die Zukunft soll laut Fiebig spätestens bis zum November fallen: „Wir werden hier wieder Fahrzeuge im Manufakturstil fertigen.“ Das klingt gut. Doch der Applaus der Mitarbeiter fällt gering aus. Sie glauben nur noch, was sie sehen.

LVZ

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