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Wieder Razzia bei Unister in Leipzig – Vorwurf: Betrug bei mehr als 60.000 Lufthansa-Flügen

Wieder Razzia bei Unister in Leipzig – Vorwurf: Betrug bei mehr als 60.000 Lufthansa-Flügen

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der ersten Razzia steht bei Unister in Leipzig erneut die Polizei vor der Tür. Dutzende Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) durchsuchten am Dienstag die Büros des Online-Reiseunternehmens.

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Ein Jahr nach der ersten Razzia sind sächsische Ermittler erneut in den Geschäftsräumen von Unister zu einer Durchsuchung aufgetaucht.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Unister soll zehntausende Lufthansa-Tickets durch Betrug zu günstigen Konditionen erworben und auf seinen Seiten wie fluege.de überteuert verkauft haben. Insgesamt stehen mehr als 70 Mitarbeiter unter Verdacht – ermittelt wird auch wegen Steuerhinterziehung.

Die Razzia begann am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr: Ermittler der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) durchsuchten sechs Büros des Unternehmens mit mehr als 1600 Beschäftigten in Leipzig, darunter auch die Zentrale im Barfußgäßchen. Laut der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden waren bis in die Abendstunden fast 90 Ermittler im Einsatz, darunter fünf Staatsanwälte, 22 Steuerfahnder und rund 60 Polizisten.

Unister-Mitarbeiter sollen an Flugsystem mitverdient haben

„Im Zuge unserer Ermittlungen, bei der Auswertung bereits beschlagnahmter Daten, sind weitere Verdachtsmomente wegen Computer- und Steuerbetrugs aufgekommen“, begründete Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, die Durchsuchungen gegenüber LVZ-Online. Bei der Razzia seien erneut Festplatten, Rechner und zahlreiche Aktenordner beschlagnahmt worden. Auch an einem weiteren Firmensitz fanden laut Klein Durchsuchsuchungen statt, die am Mittwoch noch andauerten. Um diese nicht zu gefährden, wollte Klein hierzu keine weiteren Angaben machen. In Leipzig war am Dienstag auch eine Wohnung durchsucht worden.

Der Vorwurf der Ermittler: In zehntausenden Fällen soll das Unternehmen Flüge der Lufthansa zu Unrecht mit Rabatten erworben und diese mit Aufschlägen auf Online-Portalen wie fluege.de an seine Kunden weiterverkauft haben. „Man hat sich nicht als Buchungsportal ausgegeben sondern als Reiseveranstalter und ist durch unwahre Angaben an günstigere Tarife gekommen“, erklärte Klein. Im Verdacht stünden mehr als 70 Mitarbeiter, die teilweise an den „möglicherweise illegalen Einnahmen“ beteiligt gewesen sein sollen.

Die Billig-Tickets sind in der Branche üblicherweise für Pauschalpakete mit Hotels vorgesehen – nicht jedoch, um sie als Einzel-Flugscheine weiterzuverkaufen. Die Staatsanwaltschaft spricht von etwa 60.000 Fällen und damit auch getäuschten Kunden. „Es besteht der Verdacht, dass die Preisvorteile nicht an die Endverbraucher weitergegeben, sondern einbehalten worden sind“, so Klein.

Unister von Razzia überrascht – Lufthansa reagiert

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Unister-Sprecher Konstantin Korosideszeigte sich überrascht von der Razzia, versicherte aber die Ermittler „konstruktiv" zu "unterstützen“.

Quelle: Christian Nitsche

Bei Unister reagierte man am Mittwoch überrascht über die erneute Razzia. Die Vorwürfe müssten zunächst geprüft werden, hieß es. Laut Sprecher Konstantin Korosides habe auch das Unternehmen „Interesse an der Rechtsfindung der Integrierten Ermittlungseinheit INES“ und werde diese „konstruktiv unterstützen“. Aus Unister-Kreisen verlautete, dass sich an den kritisierten Praktiken seit Jahren nichts geändert habe und die Zusammenarbeit mit der Lufthansa stets reibungslos abgelaufen sei.

Bei der Zentrale der Airline in Frankfurt hörte sich das am Mittwoch anders an. „Wir haben Maßnahmen ergriffen, um diese Art, Buchungen zu manipulieren, zu verhindern“, sagte Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky gegenüber LVZ-Online. Den möglicherweise durch Unister entstandenen Schaden konnte er noch nicht beziffern. Rechtliche Schritte gegen das Unternehmen würden derzeit jedoch geprüft, so Ogursky. Auch ein Ende der Zusammenarbeit schloss er nicht aus. Den Kunden versicherte die Lufthansa: Die erworbenen Tickets seien in jedem Fall gültig.

Keine Umsatzsteuer für Serviceentgelte gezahlt?

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Beim neuen Unister-Geschäftsführer Peter Zimmermann hatte die Staatsanwaltschaft erst im November eine Durchsuchung durchgeführt.

Quelle: André Kempner

Auch wegen angeblicher Steuerhinterziehung werden von der Staatsanwaltschaft neue Vorwürfe erhoben. Auf kassierte Serviceentgelte soll Unister teilweise keine Umsatzssteuer gezahlt haben. Ermittelt werde deshalb gegen fünf Beschuldigte aus der Führungsetage, sagte Generalstaatsanwalt Klein. Ob darunter auch Geschäftsführer Peter Zimmermann ist, wurde nicht bekannt. Der 38-Jährige war als Sprecher der Staatskanzlei in Thüringen von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) trotz neuen Jobs nach Leipzig in den vorzeitigen Ruhezustand versetzt worden. Wegen Untreue-Ermittlungen waren zuletzt Ende November die Firmenräume von Unister durchgeführt worden.

Bereits bei der ersten Razzia vor einem Jahr war Unister, das Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de betreibt, wegen angeblichen Steuerbetrugs ins Visier der Staatsanwaltschaft gerückt. Damals ging es um Reiserücktrittsversicherungen und nicht gezahlte Versicherungssteuern. Unister hatte den Vorwurf der Steuerhinterziehung stets zurückgewiesen und auf eine strittige Rechtsauslegung verwiesen.

Am 11. Dezember 2012 waren drei Manager des Unternehmens festgenommen, wenig später aber wieder auf freien Fuß gekommen. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf unerlaubten Verkauf von Versicherungsprodukten, Steuerhinterziehung, illegalen Adresshandels und Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht seien noch immer nicht abgeschlossen, sagte Klein.

Robert Nößler

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