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„Wir haben eine sehr stabile und gut verteilte Versorgung“

15. Sächsische Apothekertag „Wir haben eine sehr stabile und gut verteilte Versorgung“

Am Wochenende fand in Dresden der 15. Sächsische Apothekertag statt. Kammerpräsident Friedemann Schmidt spricht im Interview über die wirtschaftliche Situation sächsischer Apotheken sowie die Konkurrenz durch den Onlinehandel.

Friedemann Schmidt, der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer.

Quelle: obs/ABDA/Peter van Heesen

Leipzig. Unter dem Motto „Für mehr Durchblick – Prophylaxe und Therapie von Augenerkrankungen“ hat am Wochenende in Dresden der 15. Sächsische Apothekertag stattgefunden. Im Interview zieht der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer Friedemann Schmidt (52), zugleich Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), ein Resümee und spricht über die aktuelle wirtschaftliche Situation der Apotheken in Sachsen sowie die Konkurrenz durch den Onlinehandel.

LVZ: Wie lautet Ihr Resümee zum sächsischen Apothekertag?

Schmidt: Aus unserer Sicht war es ein überaus erfolgreicher Tag. Mit insgesamt 300 Beteiligten haben wir eine sehr hohe Teilnehmerzahl erzielt. Dabei dürfte es sich sogar um einen neuen Rekordwert handeln.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der sächsischen Apotheken?

Wir haben in Sachsen eine sehr stabile und gut verteilte Versorgungslandschaft mit etwa 980 Apotheken und weit über 5000 Mitarbeitern. Wie in den anderen Bundesländern auch, stehen wir aber vor einigen großen Herausforderungen.

Und die wären?

Zum einen ist da der Nachwuchsmangel, insbesondere in den ländlichen und abgelegenen Gegenden. Soll heißen: Sowohl im akademischen Bereich als auch bei den pharmazeutisch-technischen Assistenten fehlt es an jungen, heranwachsenden Kräften. Zwar haben wir in Sachsen zukünftig wieder rund 50 Abschlüsse pro Jahr. Dennoch muss gerade das Pharmaziestudium an den Hochschulen unbedingt gestärkt werden. Hinzu kommt, dass die Apotheken unter einer wachsenden Bürokratielast sowie einer unzureichenden Sicherstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse leiden.

Sie sprechen von einer sehr stabilen Versorgungslandschaft. Geht der Trend zu Apotheken-Schließungen etwa an Sachsen vorbei?

Das nicht. Auch hier hat die Zahl der Einrichtungen seit den vergangenen zwei Jahren abgenommen. Allerdings noch in einem überschaubaren Umfang. Auf die gesamte Bundesrepublik bezogen setzte der Rückgang bereits 2010 ein. Neben dem demografischen Wandel ist der bereits angesprochene Nachwuchsmangel ein wesentlicher Grund dafür. So bestehen vielerorts große Schwierigkeiten bei der Neubesetzung von Apothekenleitungen. Das hat wiederum mit veränderten Wertvorstellungen und Lebenssituationen zu tun. Es sind ja primär junge Frauen, die in Apotheken tätig werden. Und die überlegen sich aus Gründen der Familienplanung genau, wo sie sich niederlassen.

Seit 2004 ist der Versandhandel mit sämtlichen Arzneimitteln in Deutschland erlaubt. Wie bewerten Sie die Konkurrenz durch Onlinehändler?

Dieser Umbruch ist nicht zu unterschätzen – auch in Sachsen nicht. Insbesondere im Bereich der Selbstmedikation ist der Wettbewerb härter geworden. Der Versandhandel hat hier einen scharfen Preiskampf entfacht. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind die Erfolge der Onlinehändler hingegen noch gering. Das hängt damit zusammen, dass sie bislang keine Preisvorteile anbieten dürfen. Durch das neue EuGH-Urteil drohen aber auch hier Veränderungen zuungunsten der Apotheken. Wir be­obachten die Entwicklung mit großer Sorge.

Friedemann Schmidt

Friedemann Schmidt (52) kehrte nach dem Pharmaziestudium in Greifswald wieder in seine Heimatstadt Leipzig zurück, wo er seit 1990 eine eigene Apotheke betreibt. Neben dieser Tätigkeit wirkt Schmidt in vielerlei Gremien mit. Unter anderem ist er Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, gehört zudem der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) an – von 2005 bis 2012 als Vizepräsident, seit Januar 2013 an deren Spitze stehend. Der Leipziger Apotheker ist verheiratet und hat drei Kinder.

Aber wird es für Patienten dadurch nicht günstiger?

Das ist zu kurzsichtig gedacht. Patienten sollten sich gut überlegen, ob sie durch den Rückgriff auf Versandhändler nicht ihre Apotheker in der Nähe gefährden. Denn die werden sie irgendwann einmal brauchen. Spätestens wenn sie am Freitagabend dringend ein Medikament benötigen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) strebt weiterhin ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtiger Arznei an. Glauben Sie, dass es dazu kommen wird?

Wir sind sehr dankbar, dass der Minister an diesem Vorhaben festhält. Für uns besteht keine andere wirksame Option, als diese Lösung voranzutreiben. Allerdings wird die Zeit in der laufenden Legislaturperiode sehr knapp wegen des komplizierten Verfahrens. Wir werden unsere Forderung deshalb auch in den Bundestagswahlkampf und in die nächste Legislaturperiode mitnehmen. Wir sind sicher, dass sich eine neue Bundesregierung wieder mit dem Problem auseinandersetzen muss.

Herrscht in sächsischen Apotheken Medikamentenknappheit?

Das ist natürlich ein Thema, das europa-, ja weltweit von Interesse ist. Im stationären Bereich sind die Engpässe hochdramatisch. Vielfach ist ein großer Mangel an Medikamenten zu beobachten, speziell in der Krebsbehandlung. Hintergrund ist, dass sich die Produktion der Substanzen global nur noch auf wenige Anbieter konzentriert. Im ambulanten Bereich wird die Versorgung mit Arzneimitteln ebenfalls zunehmend schwieriger. Die Apotheken unternehmen zwar, was sie können. Bei bestimmten Therapien kann eine kontinuierliche Behandlung aber nur unter großer Anstrengung gewährleistet werden. Auch hier sehen wir Handlungsbedarf.

Interview: Matthias Klöppel

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