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Wirtschaftsexperten geben Sachsen gute Chancen im Aufholprozess

Ökonomen diskutieren über Freistaat Wirtschaftsexperten geben Sachsen gute Chancen im Aufholprozess

Der Freistaat ist nach Ansichten von Ökonomen auf einem guten Weg, den wirtschaftlichen Aufholprozess gegenüber dem Westen fortzusetzen. Ein Problem sind aber die Firmenübernahmen: Bis 2018 brauchen 5300 Unternehmen einen neuen Chef.

Wirtschaftsexperten sehen Sachsen auf einem guten Weg (Symbolbild).

Quelle: dpa

Halle . Sachsen hat beste Chancen, den Aufholprozess fortzusetzen. „Die Wirtschaft ist breit aufgestellt, das Land hat viele Tüftler und Erfinder“, sagt Ulrich Blum (63), Wirtschaftsprofessor an der Martin-Luther-Universität Halle. Der Freistaat habe seit der Wende „wenig Brüche in der industriellen Mentalität erlebt“. Davon profitiere das Wirtschaftsklima, so der frühere Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das sei neben einer hohen Investitionsquote des Landes einer der Gründe, warum die Wirtschaft in Sachsen laufe, in Sachsen-Anhalt dagegen weitgehend stagniere, meinte Blum auf einer Veranstaltung des Industrie- und Marketingclubs Halle.

Nach Ansicht des gebürtigen Münchners, der von 1991 bis 1994 Gründungsdekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Technischen Universität Dresden war, hat Sachsen allerdings ein spezielles Problem: die Unternehmensnachfolge. Allein bis 2018 suchen 5300 Firmen einen neuen Chef. Damit liegt Sachsen in Ostdeutschland an der Spitze. „Hier muss dringend etwas getan werden“, sagte Blum. Er schlug vor, die Förderpraxis zu ändern. „Anstatt Zuschüsse für Betriebserweiterungen zu geben, sollten Firmenübernahmen unterstützt werden.“ Auf diese Weise könnten größere Betriebe formiert werden. Das würde die Wertschöpfung erhöhen und die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stärken. „Wir brauchen größere Firmen, die dann mehr Forschung betreiben“, so Wolfgang Topf (67), Präsident der Industrie- und Handelskammer Leipzig.

Dulig: Arbeitslosenquote halbiert

Sachsen hat seit der Jahrtausendwende nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Martin Dulig (42, SPD) eine positive Entwicklung genommen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf habe sich bis Ende vorigen Jahres auf drei Viertel des gesamtdeutschen Durchschnitts erhöht. Die Arbeitslosenquote sei halbiert worden, die Bruttolöhne hätten um gut 30 Prozent zugelegt. Auch bei der Produktivität holt der Osten auf. Sie hat sich nach Berechnungen des IWH im vorigen Jahr um 0,8 Punkte an das West-Niveau angenähert und liegt nun bei 81 Prozent.

Blum sagte, er glaube nicht, dass in absehbarer Zeit der Osten zu 100 Prozent das West-Niveau erreichen wird. „Von dieser Vorstellung sollte man sich verabschieden.“ Möglicherweise seien 90 Prozent im Jahr 2040 erreichbar, meinte Clemens Fuest (47), Präsident des Münchner Ifo-Instituts. „Es wird nie eine vollständige Angleichung geben“, ergänzte Joachim Ragnitz (55) aus der Dresdner Ifo-Niederlassung. Einzelne Regionen könnten aber den Westen überholen. Ragnitz verwies darauf, dass die Wirtschaftsleistung im Bayerischen Wald um 40 Prozent unter der im Großraum München liege.

„Regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft sind normal. Kein Land ist völlig ausgeglichen“, heißt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die in den neuen Ländern von 1990 bis 2013 Kredite von insgesamt 185 Milliarden Euro zugesagt hatte. Auch müssen nach Blums Auffassung die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten einkalkuliert werden. So seien die Mieten in den wirtschaftlich starken West-Städten extrem hoch. Blum: „Nach Stuttgart ziehen zu müssen, ist ein enteignungsgleicher Zustand.“

Ulrich Milde

Halle 51.49698 11.968803
Halle
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