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re:publica 2010 – Leben in Zeiten ohne Sendeschluss

re:publica 2010 – Leben in Zeiten ohne Sendeschluss

Unter dem Motto „nowHere“ findet vom 14. bis zum 16. April die re:publica 2010 in Berlin statt. Auf der dreitägigen Konferenz über Blogs, Twitter und soziale Medien diskutieren mehr als 250 Sprecherinnen und Sprecher aus über 30 Staaten in rund 160 Stunden Programm über die verschiedenen Facetten der digitalen Welt.

Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Berlin. Die vierte re:publica steht als Social-Media-Konferenz im Zeichen des Echtzeit-Web. Mit dem Motto "now

Here

" schicken die Gastgeber der Veranstaltung von newthinking communications und Spreeblick, die Besucher ins Jetzt und Hier - und Nirgendwo.

Mit Peter Glaser, Jeff Jarvis und Prof. Dr. Peter Kruse waren gleich am ersten Konferenztag die grauen Eminenzen der Web-Szene versammelt. Blogger und Bachmann-Preisträger Peter Glaser eröffnete die Veranstaltung mit seinem Vortrag über die Sehnsucht nach einem Ort, an dem wir noch nie waren, weil er nur in unserer Vorstellung betreten werden kann und „ein paar Gedanken zu der Frage: Woher kommt eigentlich die Faszination an dieser ganzen digitalen Kommunikationstechnik?“

Von der Wiege bis zur Sauna

Eine Reise von der Wiege der Menschheit bis hin zu den vernetzten Computern, den Hausaltären der Neuzeit. Von den einen als Gotteslästerung und vom Teufel besessen verdammt, von den anderen kultisch verehrt. Ein Plädoyer für einen Ausschaltknopf, einen Menschen, der sich immer für seinesgleichen interessiert, weil er gar nicht anders kann und eine aktives Er- und Begreifen des „Netzes“. Und selbst für den Journalismus sieht Glaser einen Silberstreif am wolkenverhangenen Horizont: „Journalismus,“ so Glaser „ist die zivilisierteste Form von Widerstand, und sei es nur gegen die Langeweile.“ Der ganze Vortrag ist auf Peter Glasers Blog „Glaserei“ nachzulesen.

Journalist, Buchautor und Blogger Jeff Jarvis widmete sich in seinem Vortrag „Privacy, Publicness and Penises“, dem seiner Ansicht nach übertrieben Bedürfnis der Deutschen nach einem Schutz der Privatsphäre. Wenn alle die Hosen runter lassen, ist am Ende keiner mehr nackt oder wer in die gemischte Sauna geht, sollte nicht päpstlicher als der Papst sein. Öffentliches, so Jarvis, gehört in die Öffentlichkeit. Den jarvisschen Optimismus muss nicht jeder teilen und manch einer wird ihm entgegen halten: Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, kommt darin um. Es bleibt aber immer jedem Einzelnen überlassen, wie er sich in seinem eigenen Glashaus verhält. Privatsphäre und Kontrolle dürfen nicht verwechselt werden, so Jarvis. In wessen Hände möchte man die Entscheidung legen, was öffentlich werden darf und was nicht und sind wir Bereit die Hoheit darüber aufzugeben. Dem Risiko, von einem Bus überfahren zu werden, setzen wir uns mit Verlassen unsere Wohnung täglich aufs Neue aus. Nur wenige treffen die bewusste Entscheidung, zum Schutz vor allen Eventualitäten und zur allgemeinen Lebensrisikominimierung ihr Dasein in einem Atombunker verbringen zu wollen. Aber selbst da kann der Frischluftfilter ausfallen.

Überforderung oder euphorische Akzeptanz

Der Psychologe Prof. Dr. Peter Kruse hat sich zeit seines Forscher Daseins in den Bereichen Neurophysiologie und Experimentalpsychologie, insbesondere mit den Fragen der Nutzung kollektiver Intelligenz zur Förderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse auseinandergesetzt. So auch in seinem Vortrag auf der re:publica. Kruse beschreibt einen nahezu unversöhnlichen Kampf kultureller Wertewelten, der im faktischen Diskurs praktisch nicht aufzulösen ist.

Für Kruse sind die Veränderungen durch das Internet vom System selbst bestimmt und können, außer durch ein Abschalten aller Systeme – eine Vorstellung, die den einen oder anderen tatsächlich nachts, mit einem Leuchten in den Augen, im stillen Kämmerlein umtreiben mag – nicht mehr gestoppt werden. Das Netzwerk sucht nach einem Handlungsmotiv und erhöht langfristig das Selbstbewusstsein einer Gesellschaft, die sich als machtvollen Teil des Kulturraumes Internet begreift. Ob der Mensch, gerade der Höhle entwachsen und des feuermachens mächtig, in naher Zukunft dazu in der Lage ist? Vielleicht müssen wir mehr Geduld aufbringen, als uns lieb sein mag und dafür Sorge tragen, dass sich Peter Glaser Wunsch erfüllt und Lewis Mumfords Buch “Mythos der Maschine” zur Pflichtlektüre an den Schulen wird.

Abschalten, immerhin soviel sei verraten, ist so wenig Alternative wie wahrscheinlich. Darauf kann man sich zu fortgeschrittener Stunde durchaus festlegen.

Nur noch Tageskarten

Das alle Tickets für die Veranstaltung ausverkauft sind, konnten die re:publica Macher schon vor Beginn der dreitägigen Veranstaltung, die im Berliner Friedrichstadtpalast, der Kalkscheune und im Quatsch Comedy Club stattfindet, vermelden. Im vierten Jahr der Konferenz werden über 2500 Besucher erwartet. An der Tageskasse gibt es noch Restkarten für die Veranstaltungen im Friedrichstadtpalast.

Juliette Guttmann

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