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Die Kunst der Versöhnung im Schülercamp

Streitschlichter-Workshop Die Kunst der Versöhnung im Schülercamp

Geht es beim Schlichten eines Streits darum, einen Schuldigen zu finden? Sich auf eine Seite zu schlagen? Nein! Es geht darum, wieder Frieden zu schließen. Jessica Fleckenstein, Jugendredakteurin von LVZ.de hat sich im Streitschlichter-Camp auf der Frohburg bei Borna umgeschaut.

Gemeinsam an Lösungen feilen: Bei zahlreichen Aufgaben im Streitschlichter-Camp müssen die Jugendlichen starke Nerven im Team beweisen.

Quelle: Jessica Fleckenstein

Borna. Als Schul-Streitschlichter lernt man, den Streit zu schlichten, den Mitschüler untereinander auf dem Pausenhof haben. Diese Methoden werden sogar in großen Firmen, wie BMW angewendet. Wenn die Jugendlichen das Vorbereitungscamp erfolgreich absolviert haben, werden sie sich bei den Fünftklässlern ihrer Schulen vorstellen. Den kleinen Streithälsen ist es dann überlassen, ob sie freiwillig an dem Schlichtungsangebot teilnehmen.

Seit elf Jahren organisieren Lehrer des Kepler-Gymnasiums und der Oberschule Gohlis sowie der Oberschule Paunsdorf gemeinsam mit Jugendlichen ein jährliches Streitschlichter-Camp. Die Initiatoren möchten damit vermeiden, dass es noch mehr Streit, Prügeleien oder sogar Mobbing an Schulen gibt. Auch dieses Jahr machten sich wieder 40 Schüler auf den Weg zur Frohburg bei Borna.

Als wäre der Regen nicht schon genug, müssen die 13- bis 14-Jährigen gefühlte fünf Kilometer laufen. Kaum angekommen, geht es an die Arbeit. Zuerst werden die einzelnen Phasen des Schlichtens aufgeschrieben, dann wird an fiktiven Beispielen geübt. Es ist offensichtlich, dass sich die Jugendlichen der Oberschulen anfangs unwohl fühlen, wahrscheinlich weil sie keine Gymnasiasten sind – da kommt wieder das typische Klischee zum Vorschein. Auch das gehört zum Streitschlichten dazu: Unvoreingenommenheit.

Jede Phase des Streitschlichtens ist bis ins Detail geplant. Phase Eins: vorstellen und begrüßen, Phase Zwei: den eigenen Standpunkt erläutern, Phase Drei: Verständnis für das Gegenüber zeigen, auch wenn der Konflikt kompliziert scheint. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Im Gegenteil. Was Andere sagen, kann inspirierend sein.

Jeder Teilnehmer atmet also tief ein und aus, um sich mental vorzubereiten. Dann wird gestritten, dass die Wortfetzen nur so fliegen. Und die Lehrer? Die machen nichts, denn die angehenden Streitschlichter sollen lernen, den Konflikt selbstständig zu lösen. Die Lehrer stehen bei einer Aufgabe mit dem Rücken zur Wand; dazwischen liegt ein Kuscheltier, das sich die Schüler in Teams holen müssen. Die Schwierigkeit ist dabei, dass sich die Lehrer zwischendurch umdrehen und die Kinder sich dann nicht bewegen dürfen. So ähnlich wie beim Stop-Tanz.

Natürlich will jedes Team das erste sein und die Gruppenmitglieder rennen los. Aber die Lehrer wissen dies geschickt zu verhindern und drehen sich immer wieder um, sodass niemand zum Ziel kommt. So entfacht in jedem Team ein Streit darüber, welche Strategie am besten sein könnte.

Irgendwann sind alle nur noch genervt und die Lehrer stehen grinsend da. Es herrscht Funkstille, eine gefühlte Stunde lang. Doch dann fasst sich einer den Mut und eröffnet ruhig das Gruppengespräch. Unstimmigkeiten werden beseitigt. Am Ende klappt es dann auch mit dem Kuscheltier.

Ein Schlichter weiß nie, was als nächstes passiert. Einige Schüler erlauben sich während der Übungen daher kleine Fehler. Auch wenn es nicht leicht ist, bereiten die Übungen im Camp viel Spaß. Mit jeder Sekunde, Minute und Stunde steigert sich das Können. Der Streit, so lernen die Jugendlichen, gehört zum Leben dazu. Aber so belanglos er auch scheinen mag, er kann große Wirkungen haben: Wie wenn ein Teller hundert Mal zu Boden fällt und immer wieder versucht wird, ihn zusammen zu kleben. Irgendwann wird auch das nicht mehr funktionieren.

Am Ende des Streit-Schlichter-Camps in Borna kleben sich die Schüler weiße Pappteller auf die Rücken und jeder, der daran vorbei geht, kann einen netten Spruch oder eine gute Eigenschaft des Anderen darauf hinterlassen. So können alle doch noch nach dem vielen Streiten mit einem guten Gefühl nach Hause gehen – keine zerbrochenen Teller also.

Jessica Fleckenstein

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