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"Eigentlich mag ich keine Katzen"

Interview mit "Warrior Cats"-Autorin Victoria Holmes "Eigentlich mag ich keine Katzen"

Vor 14 Jahren wurde mit "In die Wildnis" der Meilenstein für die weltweit beliebteste Tierfantasy-Reihe der Gegenwart gelegt. Die Rede ist von den "Warrior Cats"-Büchern. LVZ-Jugendredakteurin Stefanie Ziegler interviewte Victoria Holmes, den kreativen Kopf des Autorinnenteams.

Quelle: Stefanie Ziegler

Dresden. Bei den inzwischen über 60 "Warrior Cats"-Bänden handelt es sich um die Abenteuer von vier Wildkatzen-Clans, die zusammen in einem fiktiven Wald leben. Zur "Warrior Cats"-Lesetour 2014 traf Jugendredakteurin Stefanie Ziegler den kreativen Kopf des Autorinnenteams, Victoria Holmes (43), zum Interview. Zur Seite stand ihr der Schauspieler Marian Funk (34), der Holmes seit vier Jahren auf Deutschlandtour begleitet und für die Fans ins Deutsche übersetzt.

Mrs. Holmes, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bücher über Katzen zu schreiben, wo Sie doch Hundeliebhaberin sind?

Ich bin nicht selber auf die Idee gekommen, sondern wurde von meinem Verlag Harper Collins gefragt, ob ich über Katzen schreiben könnte. Sie sind deshalb auf mich zu gegangen, weil ich schon andere Bücher und Serien über andere Tiere wie Pferde geschrieben habe. Auch wenn ich Katzen nicht wirklich mag, kenne ich ihre Verhaltensweisen gut, weil ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin.

Erin Hunter ist das Pseudonym für Sie und drei weitere Autorinnen, die an den WarriorCats-Büchern arbeiten. Cerith Baldry, Kate Cary und Tui Sutherland. Schreiben Sie als kreativer Kopf des Teams auch an den Geschichten mit oder überlassen Sie das ganz Ihren Kolleginnen?

Zu allererst mache ich natürlich die Story Lines, aber auch während die anderen das Buch zu Ende schreiben, bin ich sehr daran beteiligt. Ich bin immer mit der jeweiligen „Erin“, die gerade an dem Buch schreibt im E-Mail Kontakt. Und hinterher korrigiere ich das Buch noch einmal auf Fehler oder mache Anpassungen. Ich bin immer an dem ganzen Prozess beteiligt. Die andere „Erin“ arbeitet nie komplett für sich allein.

Wer hilft Ihnen bei der Inspiration oder kommen Ihnen die Ideen für die Bücher einfach zugeflogen?

Es ist tatsächlich komplett meine eigene Welt, meine eigene Inspiration. Die Antwort kann jetzt ein wenig verängstigend rüberkommen, wenn man sich überlegt, was alles so in den Büchern passiert und was ich so für Geschichten im Kopf habe. (lacht)

Wie lange brauchen Sie und Ihr Team meistens, um eines der Bücher zu schreiben?

Grundsätzlich sind es immer sechs Monate. Wenn ich alleine schreibe, dann bestehen die ersten zweieinhalb Monate daraus, dass ich irgendetwas mache, nur nicht schreiben. Dann rückt der Abgabetermin näher. Ich bekomme wahnsinnig schlechte Laune und schreibe für zwei Wochen so 10.000 Wörter am Tag und dann sollte man mir besser aus dem Weg gehen. (lacht)
Wenn ich mit einer der „Erins“ zusammenschreibe, dann habe ich zwei Monate Zeit für die Story Line. Die jeweils andere „Erin“ arbeitet drei Monate daran, das Buch zu Ende zu schreiben. Danach mache ich die Endabnahme und lektoriere es, was einen weiteren Monat in Anspruch nimmt.

Wie schaffen Sie es, die Spannung in ganzen 6 Büchern pro Staffel beizubehalten?

Das Geheimnis ist, beim Schreiben selber die Anspannung des Lesers zu spüren. Wenn ich selber beim Schreiben gelangweilt bin, werden es auch die Leser sein. Deswegen muss ich immer sicher stellen, dass auf jeder Seite irgendetwas Interessantes passiert. Denn nur dann werden es auch sechs spannende Bände.

Muss das nicht manchmal schwer sein, die Bücher mit so viel Text zu füllen, dass es am Ende eine durchdachte und nachvollziehbare Handlung ergibt?

Über die Jahre hinweg habe ich mir angewöhnt, die Länge einer Geschichte im Vorhinein abschätzen zu können. Wenn ich also mit einer Geschichte anfange, dann weiß ich: Ok, das werden so ungefähr 30.000 Wörter. Wenn das Buch am Ende fertig ist, weiß ich genau, dass es die richtige Länge hat und auch so gefüllt ist, dass da keine Lücken sind oder keine Szenen, die irgendwie etwas verschweigen. Ich habe über die Jahre einfach ein Gefühl für die richtige Länge entwickelt.

Gab es mal einen Moment, wo Sie und Ihr Team überhaupt nicht wussten, wie es in der Handlung weitergehen soll?

Also den anderen "Erins" passiert das nicht, die halten sich ja nur an die Story Line, die ich schon vorgeschrieben und vorgegeben habe. Die müssen also keine Abwägungen nehmen, sondern einfach nur meinem Weg folgen. Mir selbst passiert das andauernd, dass ich irgendwo hängen bleibe oder nicht weiß, wie es weitergehen soll. Wenn das passiert, dann weiß ich, es ist das Beste, den Computer einfach zuzuklappen, mein Arbeitszimmer zu verlassen und auf meinem Pferd zu reiten oder Brownies zu backen oder irgendetwas anderes zu machen, wie mit dem Hund spazieren zu gehen, um den Kopf frei zu kriegen. Dann geht es normalerweise weiter.

Wie sind Sie denn eigentlich zum Schreiben gekommen?

Ich habe mein ganzes Leben lang schon Geschichten geschrieben. Als ich 7 Jahre alt war, hat meine Klasse die Hausaufgabe aufbekommen, eine Geschichte zu schreiben. Ich habe über eine Hexe geschrieben. Als die Aufsätze wieder ausgeteilt wurden, bekam ich meinen nicht wieder. Stattdessen musste ich ins Büro des Direktors. Ich war sehr nervös, hatte große Angst, weil ich nicht wusste, warum und was mich erwartet. Aber der Direktor war ganz freundlich und offen. Er wollte nur wissen, ob ich diese Geschichte irgendwo abgeschrieben habe, was ich aber verneinte. Daraufhin meinte er, dass aus mir mal eine Autorin werden würde. Danach habe ich angefangen, an Nachwuchsautoren-Wettbewerben für Kinder und Jugendliche teilzunehmen und Geschichten einzuschicken, die ich auch eigentlich immer gewonnen habe. Dabei habe ich schon gemerkt, dass das etwas ist, was ich mir vorstellen könnte, zu machen. Doch erst einmal habe ich viele andere Dinge gemacht. Ich war Englischlehrerin, professionelle Reiterin und dann Lektorin. Wirklich selber Autorin geworden, bin ich erst mit 30.

Inzwischen gibt es so unendlich viele Namen in den Büchern, die man wahrscheinlich gar nicht mehr zählen kann. Wie finden Sie und Ihr Team immer wieder neue Namen, die Sie in Ihren Büchern verwenden können?

Ich bin die Einzige von den "Erins", die sich die Namen für die Katzen ausdenkt. Das Prinzip, nach dem ich das mache, ist, dass ich immer nach Dingen Ausschau halte, die aus der direkten Umwelt der Katzen kommen und diese meiner Meinung nach am besten beschreiben. Federschweif hat zum Beispiel einen sehr buschigen Schweif, also, dass der so ganz fluffig ist. Oder Sandsturm zum Beispiel hat sandfarbenes Fell, aber auch stürmisches Temperament. So versuche ich, jeder Katze einen Namen zu geben, die sie irgendwie beschreiben kann.
Die Namen wurden übrigens gezählt. Aktuell sind es 490. Aber inzwischen ist es sehr schwierig für mich geworden, mir neue Katzennamen auszudenken. Deswegen mache ich das teilweise gar nicht mehr selber, sondern gehe online in die RPG-Spiele (Role Play Game) des amerikanischen WarriorCats-Forums und lasse mich dort von neuen Namen inspirieren.

Viele der Katzen sind Gefährten und haben Nachkommen bzw. sind anderweitig miteinander verwandt. Wie behalten Sie da den Überblick, damit es nicht zu Fehlern in den Büchern kommt?

Ich benutze dafür das englische WarriorCats-Wiki. Ich habe zwar auch selber Listen auf meinem Computer oder auch ausgedruckt oder geschrieben. Doch das Wiki ist inzwischen viel verlässlicher, viel detaillierte als meine eigenen Listen. Deswegen hole ich mir die Hilfe oft von dort.

Diese Frage ist Ihnen bereits so oft von Fans gestellt worden, aber wer ist Ihre Lieblingskatze aus den Büchern?

"Rußpelz", die Heilerin des WaldClans. Sie ist so eine smarte Katze, hat viel Humor, ist wahnsinnig mutig und hat vor allem auch ein aufbrausendes Temperament. Sie besitzt einfach eine tolle Persönlichkeit, weil sie ihr Schicksal mit der Verletzung angenommen hat und stattdessen Heilerin geworden ist, um ihrem Clan zu dienen. Natürlich sie ist auch in eine Katze aus den Clans verliebt, verrät aber nie, wer es ist, sodass wir die Frage immer umdrehen und die "Warrior Cats"-Fans antworten lassen, die in den meisten Fällen mit "Feuerstern" antworten. (lacht)

"Häherfeder", "Löwenglut" und "Taubenflug", um die es nun in Staffel 3 und 4 geht, besitzen besondere Kräfte, mit denen sie "die Macht der Sterne in ihren Pfoten halten". Was hat Sie dazu bewogen, gerade diese Kräfte für die drei Katzen auszuwählen?

Der erste, bei dem das mit der Begabung anfing, war "Häherfeder". Ich wollte unbedingt mal über eine blinde Katze schreiben und dann habe ich mir gedacht, ob es nicht cool wäre, wenn diese Katze in ihren Träumen sehen könnte und dadurch tatsächlich mehr sehen kann, als die sehenden Katzen. Bei Löwenglut passte es einfach irgendwie zu seiner Persönlichkeit und zu seiner Geschichte, dass er eben unverletzbar ist, weil er so stark und so ein großer, mächtiger Krieger war. Bei Taubenflug war es tatsächlich am schwierigsten und da habe ich am längsten überlegt. Aber ich fand die Idee so schön, dass man als drittes eine ganz stille Katze hinzufügt und die auf den ersten Blick gar nicht so besonders ist, einfach nur still ist und zuhört, und zwar so gut zuhört, dass sie mehr hört als alle anderen. Somit war es dann eine schöne Kombination aus drei sehr unterschiedlichen Fähigkeiten.

Gab es noch weitere Ideen für die Kräfte der drei?

Nein. Es gab keine weiteren. Es war schon schwer genug, die Kräfte für die drei zu finden und ich war froh, als ich die drei hatte und nicht mehr darüber nachdenken musste. Es hat gereicht. (lacht)

Die vierte Staffel neigt sich nun langsam dem Ende zu. Ich habe gelesen, dass es nach der 5. Staffel, in denen es um die Anfänge der Katzen-Clans geht, eine 6. Staffel geben soll, in der die Geschichte nach der 4. Staffel weiter erzählt wird. Doch ohne Sie und nur noch mit Kate Cary und Cerith Baldry.
Ist das wahr?

Ja, das stimmt. Es gab Gründe dafür. Meine Entscheidung war es aber nicht. Schon an der fünften und sechsten Staffel habe ich nicht mehr mitgearbeitet.

Was wollen Sie in Zukunft machen, wenn Sie nicht mehr an der WarriorCats-Ära beteiligt sind?

Ich schreibe nach wie vor als "Erin Hunter" bei den "Seekers" mit und ich arbeite an drei neuen WarriorCats-Kurzgeschichten pro Jahr, die in England einzeln für den E-Book Reader rauskommen und dann gemeinsam als ein Buch gedruckt werden. In Deutschland kommen sie nicht als E-Book raus, aber es gibt die erste Kurzgeschichte, nämlich "Wolkensterns Reise", in dem Taschenbuch-Schuber der 1. Staffel zu kaufen. Da ist der Band als kleines Extra mit drin. Jetzt arbeite ich auch an anderen Projekten, allerdings nicht mehr unter dem Namen Erin Hunter, sondern ich schreibe unter anderen Pseudonymen wie Daisy Meadows, Lauren Brooke oder Lucy Daniels an einer Buchserie über Meerjungfrauen und an einer über Dinosaurier.

Wenn Sie ihre Bücher noch einmal lesen würden, gäbe es etwas, was sie sehr gerne ändern würden wollen?

Die ganze Zeit. Es gibt ständig Geschichten oder auch Stellen, die ich noch einmal neu schreiben würde. Jede Menge. Deswegen lese ich meine Geschichten auch nicht so oft. Die einzige große Ausnahme bildet "Blausterns Prophezeiung", da würde ich bis heute kein Punkt, keine Silbe und auch kein Satzzeichen ändern. (lacht) Es ist mein bestes Buch. Ich habe so lange dafür gebraucht, weil ich noch einmal in die 1. Staffel springen musste, damit die damals erzählte Geschichte mit der "Blausterns" übereinstimmt.

Haben Sie Tipps, wie junge Nachwuchsautoren ihren Schreibstil verbessern können?

Alles lesen, was man in die "Pfoten" bekommt, weil das der beste Weg ist, zu lernen, wie man schreibt. Man muss Bücher lesen, die man liebt, Bücher die man nicht mag und darüber nachdenken, warum man sie nicht gut fand. Zeitungsartikel, Gedichte, Beipackzettel von Kopfschmerztabletten. Lesen, lesen, lesen. Und dann schreiben, und zwar alles. Alle Arten, alle Stile. Gedichte, Theaterstücke, Artikel für die Zeitung. Alles Mögliche. Schreiben. Das ist wie ein Muskeln, den man trainieren muss. Lesen und Schreiben ist das Ein und Alles. Nur so kann man auch selber besser werden.

Stefanie Ziegler

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