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Jugendredaktion Eine Reise in die Zeit des Kalten Krieges
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17:31 02.12.2015
Ganz schön karg: Im Falle eines Dritten Weltkrieges wäre der Bunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Zufluchtsort für hochrangige Bundespolitiker. LVZ-Jugendredakteur Hannes Klein begab sich dort auf einen Rundgang. Quelle: Hannes Klein
Leipzig

In den Herbstferien war Hannes Klein von der LVZ-Jugendredaktion mit seinen Eltern bei seiner Tante, seinem Onkel und seinem Cousin im Rheinland. Bei einem Spaziergang in den Weinbergen bei Dernau, beschließt die Familie zum Regierungsbunker nach Bad Neuhenahr-Ahrweiler zu fahren.

Im Falle eines Atomkrieges wäre der fast 20 Meter lange Betonbunker die Zuflucht der Bundesregierung gewesen. In den 1960er-Jahren entstand er tunnelartig. Mit vollem Namen hieß der Bunker: "Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit".

Der Ort Ahrweiler wurde 1960 gewählt, da dieser nicht weit entfernt von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn war. Er wurde streng geheim gehalten, weswegen er den Pseudonym-Namen "Rosengarten" oder "Dienststelle Marienthal".

Der "Rosengarten" blickt auf eine lange Vorgeschichte zurück. Im Deutschen Kaiserreich plante man, eine Eisenbahnlinie zwischen Elsaß-Lothringen und dem Rheinland zu errichten, um die geförderten Erze schnell und sicher zur Weiterverarbeitung zu bringen.

Erste Arbeiten am Tunnel während des Ersten Weltkriegs

Im Ersten Weltkrieg begann man damit, den Bunker zu bauen. Jedoch erlahmte das Interesse der Deutschen Reichsbahn und die Bauarbeiten wurden eingestellt. Der Tunnel blieb somit unvollständig.

Zwischen 1930 und 1939 wurde dort mit der Champignonzucht begonnen. Der Import französischer Pilze sollte somit vermieden werden. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Zucht eingestellt.

Im Jahr 1944 wurde in Dernau das Lager "Rebstock", ein Außenstandort des Konzentrationslagers Buchenwald, eingerichtet. Kriegsgefangene aus Polen, Tschechien, Italien und aus den Niederlanden mussten unter unmenschlichen Bedingungen, das Startbehör der Vergeltungswaffe "V2" montieren. Diese Raketen sollten zur Bombardierung Englands verwendet werden. Wie viele Menschen bei dem Montieren ums Leben kamen, ist nicht bekannt.

Nachdem das Lager durch amerikanische Bombenangriffe geräumt wurde, suchten in den letzten Monaten des Krieges im Jahre 1945 Menschen Zuflucht vor Bombenangriffen.

Ab den 1960ern wächst das Interesse wieder

1960 ließ die Bundesregierung den unterirdischen Tunnel ausbauen. Es dauerte zwölf Jahre und kostete rund drei Millionen Euro. Eine immense Summe, wenn man bedenkt, dass er nie benutzt wurde.

Der Tunnel ist 17,3 Kilometer lang. Leider sind heute nur noch 200 Meter begehbar. Der Rest wurde 1997 auf Wunsch der Bundesregierung zurückgebaut.

Auf den noch vorhandenen 200 Metern wurde der Bunker detailgereicht nachgebaut. Pro Sektor war Ausrüstung für 30 Tage vorhanden, so dass die Regierungspolitiker einen Monat lang darin überlebt hätten. Jeder Bereich verfügte über genügend Nahrungsvorräte und Schlafräume für Bundeskanzler, das Kabinett und den Bundespräsidenten.

Insgesamt gab es 897 Büro- und 936 Schlafräume. Zudem noch 25.000 Türen. Auf Knopfdruck konnte der Bunker komplett von der Außenwelt abgeschnitten werden.

Bunker ist heute Weltkulturerbe

Der Bunker zählt heute zum Weltkulturerbe. Seine Einrichtung ist sehr rustikal und simpel. Dass hochrangige Persönlichkeiten in soch einfachen, engen Verhältnissen leben würden, hätte Hannes Klein nicht vermutet. Er ist überrascht und überwältigt davon.

Zum Glück wurde der Bunker nie benutzt, weil der Kalte Krieg erkaltete, denn sonst würde die Menschheit heute vermutlich nicht mehr existieren.

Von Hannes Klein

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