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Fack ju Göhte 2: Schulkomödie ohne Tiefe

Von debilen Schülern und coolen Gangstern Fack ju Göhte 2: Schulkomödie ohne Tiefe

Schon der erste Teil von "Fack ju Göhte" war 2013/14 ein Kassenschlager: 7,4 Millionen Besucher sahen den Film im Kino. Doch der zweite Teil wird in dieser Hinsicht vermutlich überholen. Ob sich der Kinobesuch lohnt, erzählt Jungredakteurin Michelle Malisev.

Kommt auch im wahren Leben gut bei den Teenies an: Elyas M'Barek zur Filmpremiere von Fack ju Göhte 2 im Cinestar Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Schauspieler Elyas M'Barek alias Zeki Müller ist wie im ersten Teil der Schulkomödie immer noch als unechter Lehrer in der Goethe-Gesamtschule angestellt; inzwischen aber vom Job eher genervt als erfüllt. Als Müller erfährt, dass ein inzwischen toter Komplize von ihm damals bei einer Flucht im Tank die Klunker in seinem Auto versteckte, ist er wieder Feuer und Flamme und findet den Schatz auch rasch.

Müller fängt nun an, Pläne zu schmieden, um aus dem öden Lehrerjob zu fliehen und eine eigene Bar zu starten. Versteckt in einem Kuscheltier landen die Diamanten aber durch seine ungeschickte Lebensgefährtin Elisabeth Schnabelstedt, gespielt von Karoline Herfurth, in einem Spendencontainer des Schillergymnasiums, der direkt nach Thailand verfrachtet wird. Müller muss natürlich sofort hinterher reisen. Unter dem Vorwand einer Fahrt mit der Umwelt-AG des Schillergymnasiums, angeführt vom überengagierten Lehrer Hauke Wölki (Volker Bruch), macht er sich auf nach Pannam in Thailand.

Wie schon im ersten Teil von Fack Ju Göhte sieht der Zuschauer den amüsanten Umgang zwischen Schülern und Lehrern. Und mittendrin die kriminellen Machenschaften von Zeki Müller. Das entlockt der etwas seichten Schulkomödie tatsächlich einige lustige Situationen. Bestes Beispiel dafür ist der "Drogentrip" der Rektorin in der Toilette, herrlich gespielt von Uschi Glas, die sich dabei von den Stimmen Chantals (Jella Haase) und Dangers (Max von der Groeben) ziemlich verwirren lässt. In der Halbzeit des Films werden nicht so viele Themen angesprochen und das bleibt auch weiterhin so.

Alle Charaktere wie Frau Schnabelstedt, die zur weiteren Handlung kaum oder überhaupt nicht gebraucht werden, werden in Deutschland gelassen. Der Rest fliegt nach Thailand. Nach Ankunft in Bangkok fahren die Schüler des Goethegymnasiums mit einer Eierkiste von Bus, weil die luxuriöse Variante natürlich für die Schillergymnasiasten aus der Umwelt-AG-Leute reserviert ist. Der Weg zur Partystraße ist von sinnlos lauter Popmusik und noch sinnloseren visuellen Verschnitten unterlegt. Statt die Szene unnötig in die Länge zu ziehen, hätte der Regisseur doch auch einige Witze zur Szene rundherum einbauen können: Zum Beispiel als die Jugendlichen ohne Zeki Müller, der gerade schläft, versuchen, Euro in Bhat, die thailändische Währung, umzutauschen oder wie die Schüler mit Einheimischen versuchen, Bekanntschaft zu machen oder thailändisches Essen probieren. Schade, dass solche Möglichkeiten nicht besser genutzt wurden.

Ähnlich ist es bei den Figuren: Regisseur Bora Dağtekin wollte Karikaturen von bestimmten Typen erschaffen, was ja eigentlich gut ist und im ersten Teil auch noch klappte. Aber im zweiten Teil bekommen sie, besonders die neu eingeführten Charakter wie Etienne, ein Junge mit Asperger-Syndrom, oder Cedric, der Anführer einer nach dem Tsunami 2004 entstandenen Waisenkinderbande, nicht die benötigte Tiefe. Auch die Schauspieler können dies nicht glattbügeln. So sind sowohl Autismus, das Waisenproblem und auch eine offensichtlich alkoholabhängige Mutter Themen, die man als guter Drehbuchautor auch in einem Jugendfilm würdig einbauen könnte.

Stattdessen beschleicht den Zuschauer die leise Ahnung, dass die Krankheit des Asperger-Syndroms lediglich zu Comedyzwecken genutzt oder das Leben von Waisenkindern romantisiert wird. Die mittellosen Kinder geben sich schon mit Fastfoodgutscheinen und einer Party, bei der Bier für so circa Dreizehnjährige verteilt wird, zufrieden. Naja.

Nervig war auch das allgegenwärtige Product Placement, weil es nicht gerade dezent platziert wurde, sondern so, dass es jedem sofort ins Auge springt. Seien es die Orangina-Flasche, die Dickmanns-Schachtel, der von einem der Gruppen nach Thailand mitgenommene (??) PS4-Karton. Das McDive am Strand ist dagegen noch witzig, der Rest wirkt einfach nur plump und berechenbar.

Gegen Ende gibt es eine ganz unerwartete Wendung: Mit der "Wir sind über uns gewachsen, obwohl wir Deppen sind und haben das wirklich Böse besiegt"-Moral geht es mit Schatz zurück nach Deutschland. Ganz zum Schluss, im Abspann, kommt noch eine unnütze Szene mit Nackedei M'Barek im Snackautomaten. Die anschließenden Outtakes sind aber sehr lustig.

Fazit:

Fack Ju Göhte 2 ist ein unterhaltsamer Jugendfilm mit vielen Ekelthemen wie Genitalien, Drogenmillieu und mit eindimensionalen Charakteren ohne besondere Komplexität. Der Film schafft sich eine Parallelwelt mit unheimlich debilen Gymnasiasten, coolen Gangstern und bösen Schnöseln, die in manchen Momenten funktioniert, in manchen aber eben auch nicht. Lässt sich nur hoffen, dass kein dritter Teil heraus kommt, sonst sehen wir in zwei Jahren wieder einen oberkörperfreien Elyas M'Barek als Gangstertürke an jeder Litfaßsäule. Yeah.

Von Michelle Malisev

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