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Irrungen, Wirrungen am Heiligen Abend

Weißwürste und kein Geschenk Irrungen, Wirrungen am Heiligen Abend

Jedes Jahr vor Weihnachten werden die Menschen schrecklich nervös und gucken ständig auf den Kalender, wie viel Zeit ihnen noch bleibt, um Geschenke zu besorgen. LVZ-Jugendredakteurin Jessica Fleckenstein weiß wovon sie spricht, denn ihre Mutter vergisst die Präsente jedes Mal.

Schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen? Manche Menschen sind derzeit fieberhaft auf der Suche. (Symbolbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ich war gerade noch beim Geschenke einpacken, da kam meine Mutter rein, total aufgelöst und Tränen in den Augen: „Mist, Jessica… Ich habe dein Geschenk vergessen", erklärte sie zu mir. Ich dachte, es sollte ein Scherz sein und machte mich darüber lustig, bis ihr eine Träne über die Wange lief und sie sagte: „Jessica es tut mir so leid, wir gehen morgen in die Stadt und kaufen dir dein Geschenk, ja?"

Völlig verwirrt, konnte ich mich gerade noch zusammenreißen. Ich meine, welche Mutter vergisst, das Geschenk ihres eigenen Kindes zu kaufen. Na gut, zugegeben, bei sieben Kindern... Trotzdem ist das keine Entschuldigung. Das Einzige, was ich heraus brachte war: „Morgen ist Feiertag." Was hätte ich auch anderes sagen können? Mein Weihnachtsgeschenk…

Das Essen stand auf dem Tisch und ich hatte mich beruhigt. Es gab wie jedes Jahr davor, und wie wahrscheinlich auch die nächsten Jahre, Brezel und Weißwurst. (Meine Familie besteht aus eingefleischten Bayern und da man dort am Heiligabend Weißwurst und Brezel isst, gibt es das auch bei uns.)

Ich setzte mich an den Tisch, und beobachtete, wie sich meine Geschwister, Eltern, Tanten und Onkel über das Essen hermachten. Meine Eltern hatten selbst vergessen, dass ich Vegetarierin bin. Sollte ich mir den Magen mit trockenen Brezeln vollschlagen, um dann mit voller Freude mein nichtvorhandenes Geschenk auszupacken?

Und da es nicht schon schlimm genug war, sagte meine Schwester auch noch: „Iss doch deine Wurst." Ich sprang auf und rannte wutentbrannt in mein Zimmer. Draußen hörte ich Gelächter. Das war mit Abstand das schlimmste Weihnachten, das ich je hatte.

Nach paar Minuten öffnete sich die Türe und meine Mutter streckte den Kopf in die Tür und kam mit dem Rest der Familie im Gänsemarsch herein. Sie sangen „Fröhliche Weihnachten". Meine Mutter hatte ein Geschenk in der Hand und stellte es lachend ab.

Sie hatten mich verascht - kacke. Aber nächstes Jahr wird es anders sein: Mal sehen, wer nächstes Jahr von der „ach so witzigen Familie" lacht, wenn der Gänsebraten anstatt im Ofen zu brutzeln, draußen herum rennt. Fröhliche Weihnachten - würde ich sagen!

Von Jessica Fleckenstein

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