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Kultur 12.000 beim Rockharz-Festival - Besucherrekord im Schatten des Brocken
Nachrichten Kultur 12.000 beim Rockharz-Festival - Besucherrekord im Schatten des Brocken
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12:22 14.07.2013
Sami Hinkka von den Viking-Metalern Ensiferum. Quelle: Susanne Richter
Ballenstedt

Thorsten Kohlrausch trägt an diesem Wochenende ein besonders breites Grinsen. "Wahnsinn, es ist einfach Wahnsinn. Vielen Dank, Leute", ruft der Rockharz-Veranstalter am Abschlussabend von der Rock-Stage bei den 12 000 Besuchern, die dem Festival abermals einen neuen Rekord beschert haben.

Ballenstedt. Es war eine ganze besondere Geburtstagsfeier: Das Rockharz-Festival in Ballenstedt (Sachsen-Anhalt) tanzte drei tolle Tage lang sein 20-Jähriges - und markierte mit 12 000 Besuchern nicht nur einen neuen Zuschauerrekord, sondern kam am Sonntagmorgen zum ersten Mal auch trockenen Fußes durch die Ziellinie.

Genau dieser Dank von Thorsten Kohlrausch, begleitet von einem ungläubigen Schütteln seines blonden Langhaars, bringt das Sympathische des Festivals auf den Punkt: Die ehrliche Freude der Macher, die eine Veranstaltung quasi von Fans für Fans auf die Beine stellen. Nicht umsonst gilt das Rockharz als ein Familientreffen der etwas anderen Dimension.

Ein Blick auf das Line-Up beweist, weshalb das Festival nun endgültig in der deutschen Open-Air-Profiliga angekommen ist: Das Rockharz bietet eine Vielfalt, die quasi für jeden Liebhaber von Stromgitarren akustische Schmeckerchen in petto hat. Während beispielsweise The Resistance, Vader und Unearth zum Auftakt eher die Tinitus-Fraktion bedienen, tröten und leiern sich Subway To Sally - von Tausenden umjubelt - mit einer Melange aus Mittelalter-Markt und Rock-Event durch die Zeit.

Daneben demonstrieren Audrey Horne und Mono Inc. in all ihrer Unterschiedlichkeit, wie tanzbarer Metal heute sein kann: Die einen zocken deftigsten Rock'n'Roll in den Ballenstedter Sommernachtstraum, die anderen sind so düster-lieb, dass das Wippen beinahe zur Nebensache gerät. Dazu stehen Bands wie Delain und Van Canto für die weibliche Seite des ehemals männlich dominierten Geschäfts.

Kreator im Schatten des Brocken

Den Höhepunkt des ersten Tages markieren schließlich Kreator: Die Thrash-Institution aus dem Ruhrpott, um  Riffgott Mille Petrozza, ist im Schatten des Brockens über jeden Zweifler erhaben. Einer Legende wird schließlich am zweiten Tag gehuldigt: Accept. Mit neuem Sänger und alter Spielfreude bescheren die Mittfünfziger um Saitenmeister Wolf Hoffmann nicht wenigen Metallern an diesem Abend einen feuchten Schritt. Und nicht zu vergessen Tobias Sammet: Der Edguy-Macher spielt am dritten Tag der Geburtstagsfeier satte zwei Stunden mit seinem "Projekt" Avantasia - und wird für den einzigen Open-Air-Auftritt des Jahres bejubelt, als gebe es kein Morgen mehr.

Es wäre müßig, alle 49 Bands dieser drei festlichen Tage aufzuzählen. Kurz und richtig gut: Das Rockharz bietet - im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Veranstaltungen - nahezu für jeden Geschmack etwas. Was 1994 in Osterode, im Westharz, als "Rock gegen Rechts" mit nicht einmal hundert Besuchern begann, hat eine Entwicklung vollzogen, die beispielhaft für die härtere Musikszene in Deutschland ist: Das Rockharz zog aus Kapazitätsgründen vor fünf Jahren in den Osten; nach Ballenstedt, zehn Kilometer von Quedlinburg entfernt - und die Fans zogen nicht nur mit, es kommen jedes Jahr immer neue hinzu. 

Besucherzuwachs um 20 Prozent

Auf 12 000 Besucher bringt es dieses in seiner Anmutung immer noch kleine und feine Festival bereits - was einen Zuwachs um knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet und  wieder einmal ein Zuschauerrekord ist. Damit erreicht das Rockharz endgültig die deutsche Profiliga der Open-Airs. Unter den Metal-Festivals ist das dreitägige Gezocke auf dem Flugplatz Ballenstedt inzwischen die Nummer vier, nach dem unschlagbaren Wacken, nach dem With Full Force (Nordsachsen) und dem Summer Breeze (Mittelfranken).

Macht mal ne typische Handbewegung ... die Pommesgabeln recken sich in den Abendhimmel von Ballenstedt. Quelle: Susanne Richter

"Wir sind jetzt an der Obergrenze. Das Festival soll vor allem Spaß machen und nicht in Gigantonomie ausarten. Die Leute sollen sich bei uns wohlfühlen", macht Festival-Sprecher Jens Martin Baumgartner klar. Allerdings nimmt das Rockharz gegenwärtig noch nicht einmal die Hälfte der zur Verfügung stehenden 70 Hektar in Beschlag. "Wir müssen uns aber gründlich überlegen, ob wir tatsächlich noch wachsen wollen. Zunächst muss diese Größe erstmal optimiert werden."

Eine Entwicklung, die auch von der regionalen Wirtschaft wohlwollend wahrgenommen wird. "Festivals wie das Rockharz sind mittlerweile für das Image einer Region sowohl touristisch als auch wirtschaftlich interessant", erklärt Ingo Böhlert vom Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt, das sich rund um das Rockharz engagiert und diesmal sogar mit einer eigenen Verbrauchermesse auf dem Festivalgelände präsentiert. Daneben wird das Rockharz von zwei Forschungsprojekten der Frauenhofer-Institute begleitet, die vom Bund gefördert werden. "Es geht darum, wie Festivals dieser Größenordnung noch ökologischer und anspruchsvoller gestaltet werden können, damit die Besucher noch mehr Spaß haben können", erklärt Ingo Böhlert diese weitere ungewöhnliche Seite des Rockharz.

Andreas Debski

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