Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"20 Jahre sind genug" - MDR-Intendant Reiter hört vorzeitig auf

"20 Jahre sind genug" - MDR-Intendant Reiter hört vorzeitig auf

Schon lange gab es Vermutungen, dass MDR-Intendant Udo Reiter (67) vor dem Ende seiner Amtszeit im Jahr 2015 zurücktreten wird - nun ist es Gewissheit. Am Donnerstag informierte er die MDR-Direktoren und die Spitzen des Verwaltungs- und Rundfunkrats.

Voriger Artikel
Budapesterin wird Galerie-Direktorin in Leipzig - Zólyom tritt 2012 Nachfolge Steiners an
Nächster Artikel
Neo Rauch: "Ich habe mich nie nach dem Markt gereckt"

Noch-MDR-Intendant Udo Reiter

Quelle: dpa

Leipzig. „20 Jahre sind genug“, teilte er ihnen mit. Er wolle noch in diesem Jahr sein Amt niederlegen.

Manch einer soll versucht haben, ihn umzustimmen. Denn mit Reiters Abschied geht eine Ära zu Ende. Der dienstälteste ARD-Intendant gibt sein Amt auf. Nun wird der MDR-Verwaltungsrat über das Verfahren der Nachfolge entscheiden.

Reiter hatte zuletzt vor allem mit dem Ki.Ka-Betrugsskandal zu tun, bei dem ein Schaden von mehr als acht Millionen Euro entstanden ist. Sein Name wird aber vor allem mit einer gigantischen Aufbauleistung verbunden bleiben. Reiter ist seit 1991 im Amt, anfangs wurde die Dreiländeranstalt als „Volksmusiksender“ verspottet. Doch Reiter machte daraus eine wichtige „Stimme des Ostens“ und das erfolgreichste Dritte Programm in seinem Sendegebiet.

Prägend sind die „Tatort“-Krimis zunächst mit Kommissar Ehrlicher (Peter Sodann) und den Nachfolgern Simone Thomalla und Martin Wuttke sowie der „Polizeiruf 110“ mit Hauptkommissar Schmücke (Jaecki Schwarz). Erfolgreich sind Serien wie „In aller Freundschaft“ und „Tierärztin Dr. Mertens“ und das Politikmagazin „Fakt“.

Beim Aufbau des MDR hatte Reiter allerdings eine Riesen-Portion Glück. Als er merkte, dass er doppelt so viel Geld braucht wie zur Verfügung steht, kam er auf eine kreative Methode der Mittelbeschaffung: Der MDR investierte kräftig in Moskauer Stadt- und argentinische Staatsanleihen. Ergebnis war, dass die Anschubfinanzierung von 560 Millionen Mark mehr als verdoppelt wurde. Reiter räumt ein, dass das am Rande der Legalität war. „Es hätte auch schiefgehen können, das wäre mein Ende gewesen“, sagte er einmal. „Aber es ging gut und der MDR musste keine Schulden aufnehmen.“ Das sei seine größte Leistung gewesen.

Der Ki.Ka-Skandal hat ihn schwer getroffen, soll aber nicht Auslöser seines Rückzugs sein. Vor wenigen Tagen sagte Reiter in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, dass er die MDR-Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen abgesagt habe. „Das passt jetzt nicht in die Landschaft. Ich war mit dem Ki.Ka immer besonders verbunden. Der Betrug hat mich persönlich getroffen. Da ist einem nicht nach großen Feiern zumute.“

In seiner Abschiedsbegründung nimmt Reiter darauf Bezug, dass er schon seit 45 Jahren im Rollstuhl sitzt. Er wurde 1944 in Lindau am Bodensee geboren und hatte während seines Germanistik-Studiums die Aufnahme zur Pilotenausbildung bei der Lufthansa bestanden. Doch 1966 kam er kurz darauf mit dem Auto auf Glatteis ins Rutschen und wurde aus dem Wagen geschleudert. „An den Unfall selbst kann ich mich nicht erinnern, aber angeschnallt war man damals ja nicht.“ Während Reiter seither gelähmt ist, hatte sein Mitfahrer nur ein paar blaue Flecken.

Reiter stürzte damals als 22-Jähriger in ein Tief und ging dann ohne große Begeisterung zum Bayerischen Rundfunk. Dort blühte er auf. Reiter arbeitete in der Wissenschaftsredaktion. Danach leitete er den Familienfunk und wurde Hörfunk-Chefredakteur. Bei vielen galt er als Statthalter der CSU, Reiter betont aber: „Das war ich nicht. Ich bin in keiner Partei und schätze meine Unabhängigkeit.“

Als seine „beste Tat“ nennt er die Einführung des bundesweit ersten Nachrichtensenders „B5 aktuell“ Ende der 80er Jahre. „Das habe ich bei France Info abgeschaut“, berichtete er einmal völlig uneitel. Nebenbei entdeckte er Thomas Gottschalk für die ARD. Als er einmal im Auto lustige Verkehrsnachrichten auf Bayern 3 hörte, erkundigte sich Reiter nach dem Sprecher. Es war der damalige Student Gottschalk, der daraufhin mehr als nur Staumeldungen vorlesen durfte. 

Rolf Westermann, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Die Ausstellung "DDR-Comic Mosaik - Dig, Dag, Digedag" ist ab sofort dauerhaft im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr