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2009 - Der deutsche Film im Aufwind

2009 - Der deutsche Film im Aufwind

Es war nicht nur eine Feststellung, es klang wie ein Prophezeiung: „Der deutsche Film ist international geworden“, hatte Deutschlands Kulturstaatssekretär Bernd Neumann kurz vor der Oscar-Verleihung im Februar in Hollywood verkündet.

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Der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank bekam 2009 für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“ den Oscar.

Quelle: dpa

Hamburg. Und er sollte recht behalten. Zwar ging der als Favorit gehandelte „Baader Meinhof Komplex“ leer aus, dafür hielt am Ende der Berliner Regisseur Jochen Freydank für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“ die begehrteste Trophäe der Filmbranche in den Händen. Und überhaupt kam im Jahr 2009 kein internationales Festival ohne deutsche Beteiligung aus. Die Filmverleiher und Kinobetreiber freuten sich derweil über Blockbuster wie „Ice Age 3“, Harry Potter und der Halbblutprinz“ und „Madagascar 2“, die die Kassen kräftig klingen ließen.

Klare Favoriten der Kinogänger im Jahr 2009: die Familienfilme - und die möglichst computeranimiert oder noch besser in 3D - wie der Spitzenreiter „Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los“. Mehr als 8,7 Millionen Menschen sahen die neuen Abenteuer um Mammut Manni, seiner Frau Ellie und Faultier Sid. Weit abgeschlagen das inzwischen sechste Potter-Abenteuer. „Harry Potter und der Halbblutprinz“ schauten sich rund 6,1 Millionen in den Kinos an, gefolgt von dem Animationsfilm „Madagascar 2“ mit 6 Millionen Zuschauer.

Spitzenreiter unter den deutschen Filmen war bis Anfang Dezember der Streifen „Wickie und die starken Männer“ von Michael „Bully“ Herbig (knapp 4,9 Millionen Zuschauer), der damit die beliebte Zeichentrickfigur zu neuem Leben erweckte und auch die Mittdreißiger in die Kinos lockte, die dann in Kindheitserinnerungen schwelgen konnten. Allerdings könnte Til Schweiger mit seiner Beziehungskomödie „Zweiohrküken“ dem kleinen Wikinger den Rang ablaufen. Gerade mal seit Anfang Dezember in den Kinos wollten innerhalb von zwei Wochen bereits 1,8 Millionen Zuschauer die Fortsetzung von „Keinohrhasen“ sehen.

Überhaupt kann Produzent, Regisseur und Schauspieler Schweiger das zu Ende gehende Jahr als „Erfolgsjahr“ verbuchen. Zwar ging sein „Keinohrhase“ Anfang des Jahres nicht in das Rennen um den Goldenen Bären bei der Berlinale, doch knackten gleich drei seiner Filme die magische Grenze von einer Million Zuschauern. Die Komödie „Männerherzen“ (Regie Simon Verhoeven) mit Til Schweiger lockte immerhin knapp 2,1 Menschen in die Kinos, der Familienfilm „1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzlinde“ noch 1,8 Millionen. Dabei überschritten zahlreiche andere Filme mit deutscher Beteiligung die Millionenmarke - darunter „Die Päpstin“, „Der Vorleser“ (Oscar für Kate Winslet als bester Hauptdarstellerin), die „Buddenbrooks“ und „Horst Schlämmer - Isch kandidiere“.

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Die beliebtesten Filme der Deutschen 2009.

Quelle: dpa

Erstaunlicherweise schnitten die Filme, die mit großem Getöse angekündigt wurden, in der Gunst des Publikums gar nicht so gut ab. Horst Schlämmer beschäftigte zwar über Wochen und Tage Nachrichtensender und Feuilletons, war letztendlich dann aber in Spielfilmlänge doch nicht so witzig. Die beiden Blutsauger-Romanzen „Twilight - Biss zum Morgengrauen“ und „New Moon - Biss zur Mittagsstunde“ ließen Teenager in Scharen in Ohnmacht fallen ob des schnuckeligen Vampirs Edward (Robert Patterson), im Ranking aber kamen sie gerade mal auf Platz acht und neun. Den von Studio Babelsberg produzierte Tom-Cruise-Film „Operation Walküre - Das Stauffenberg- Attentat“ wollten gerade mal 1,3 Millionen Zuschauer sehen.

Oftmals waren es die stillen Filme und Schauspieler, die von sich reden machten - häufig auch mit deutscher Beteiligung. Allen voran „Das weiße Band“ von Michael Haneke. Der Regisseur und Drehbuchautor gewann nicht nur die Goldene Palme in Cannes, sondern auch den Europäischen Filmpreis, zwei der wichtigsten Auszeichnungen des Jahres. Haneke, 1942 in München geboren, ist zwar Österreicher und hat zuletzt vor allem in Frankreich gedreht, aber sein anspruchsvolles neues Werk ist eine deutsche Produktion. Mit deutschen Schauspielern an Schauplätzen in Ost- und Norddeutschland erzählt „Das weiße Band“ von den übersteigerten konservativen und christlichen Werten am Ende des Wilhelminischen Zeitalters. Sein Film ersetzt etliche Seminare in Soziologie, Geschichte und Pädagogik. Das in Schwarzweiß gedrehte Drama ist von deutscher Seite auch zur Nominierung für den Oscar vorgeschlagen worden.

Auch der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin aus Hamburg sorgte international für Furore: Er gewann für sein „Soul Kitchen“ bei den ältesten Filmfestspielen in Venedig den Preis der Jury, Tom Tykwers erster Film für ein US-Studio „The International“ eröffnete die Berlinale und Quentin Tarantino fuhr in seiner Nazi-Satire „Inglourious Basterds“ gleich mit einer ganzen Reihe von deutschen Top-Schauspielern auf: Diane Kruger, Daniel Brühl, Martin Wuttke und nicht zu vergessen Til Schweiger. Und der Österreicher Christoph Waltz, als Charakterdarsteller aus deutschen Fernsehfilmen bekannt, bekam für seine Darstellung des Obersts Hans Landa den Oscar als bester Hauptdarsteller in Cannes.

Schon vor den Jahresabschlüssen und endgültigen Zahlen rechnen die Experten mit einem Plus für die deutsche Filmwirtschaft. Die großen Kinoketten verkündeten ohnehin unlängst einen Boom dank der 3D- Technik. Dazu dürfte auch James Camerons jüngster Film „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ beitragen, der schon vor dem Kinostart in Deutschland (17. Dezember) als Meilenstein der Filmgeschichte gehandelt wurde und wohl das Kinoerlebnis revolutionieren wird. Auch Roland Emmerichs Weltuntergangsepos „2012“ dürfte weiter für Rekordzuschauerzahlen sorgen und gilt zudem als aussichtsreicher Oscar-Kandidat. Und der Neuseeländer Peter Jackson, der 2004 mit „Herr der Ringe“ elf Oscars gewann, bringt das Drama „In meinem Himmel“ nach dem Roman von Alice Sebold in die Kinos und wird ebenfalls als Favorit gehandelt.

Britta Schmeis und Karin Zintz, dpa

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