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Kultur 300 Jahre und ein paar Kilometer: Leipziger Autor Schimunek mit Familienbüchern
Nachrichten Kultur 300 Jahre und ein paar Kilometer: Leipziger Autor Schimunek mit Familienbüchern
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21:21 01.12.2015
Der Leipziger Autor Uwe Schimunek. Quelle: Christian Schirmer
Leipzig

Die erste Gemeinsamkeit seiner zwei neuen Bücher ist offensichtlich. Uwe Schimunek adressiert beide an Familien. Der Leipziger Schriftsteller schreibt sonst vor allem äußerst lesenswerte historische Regionalkrimis und auch gelegentlich für die Leipziger Volkszeitung über die Musikszene der Stadt. Nun hat aber der Leipziger Lychatz-Verlag Schimuneks erstes Kinderbuch „Balduin und das Geheimnis des weißen Goldes“ veröffentlicht. Und der Berliner Jaron-Verlag den Stadtführer „Leipzig mit Kindern“, den der 46-Jährige mit seiner Frau, der Hörfunk-Journalistin Ine Dippmann, zusammengestellt hat.

Eine zweite Gemeinsamkeit erschießt sich beim Lesen der Bände. Beide ermöglichen erlebnis- und lehrreiche Reisen, für die man weder viel Geld investieren noch weite Wege zurücklegen muss. Da wäre einmal das Abenteuer Balduins, der die Werkstatt seines Opas eigentlich gar nicht verlässt – abgesehen davon, dass er ins Jahr 1709 zurückreist. Der Zeichner Thomas Leibe hat liebevoll illustriert, wie der vielleicht zehnjährige Junge aus einer Gegenwart aufbricht, in der Porzellan nur ein obskures Material aus dem fernen China ist. Balduin landet mitten im Dresdner Labor Johann Friedrich Böttgers, der – so weiß es Opas sprechender und nerdig verschrobener Lerncomputer Zusius – daran scheitern wird, selbst Porzellan zu entwickeln, was 1712 zu seiner Hinrichtung führen soll.

Die Sicht eines Zehnjährigen auf die Welt

Wäre da nicht Balduin. Mit beeindruckendem Gespür für die Sicht eines Zehnjährigen auf die Welt erzählt Schimunek die Geschichte zwar nicht in der Ich-Form, aber doch aus der Perspektive des Jungen. Der findet es beispielsweise komisch, dass Oma Opa „Opa“ nennt, obwohl er ja nicht ihr Großvater sei. Schimunek ist selbst Vater einer elfjährigen Tochter und eines siebenjährigen Sohns – die auch das erste Publikum des Abenteuers waren. „Sie haben mir wichtige Hinweise gegeben“, sagt er und lacht. „Wie so ein Lerncomputer zu sein hat zum Beispiel.“

Nachdem Balduin durch Opas neue Erfindung, durch ein Zeitfenster, in die Vergangenheit gestiegen ist, fällt ihm auf, dass Böttger spricht „wie Balduins Deutschlehrer, wenn er alte Gedichte vorträgt“. Einen Nachmittag und eine Nacht im Jahr 1709 und gut 300 Jahre später in Balduins eigentlicher Epoche  hat sich die Gegenwart frei nach „Zurück in die Zukunft“ in einigen wesentlichen Details verändert. Nebenbei lernt der Leser ein paar Dinge: dass Skrupel und Quentchen vormetrische Maßeinheiten waren beispielsweise.

Buchcover von „Balduin und das Geheimnis des weißen Goldes“. Quelle: Thomas Leibe / Lychatz-Verlag

Als ebenso lehrreich, zumindest jedoch überaus anregend stellt sich Dippmanns und Schimuneks Leipzig-Stadtführer heraus. Elf Touren entwirft das Ehepaar, und so manche davon eignet sich, um vor der eigenen Haustür den Horizont zu erweitern. Ein Zeitungsjunge namens Leo, gezeichnet von Thomas Hofmann, trägt kindgerecht Wissenswertes zu den einzelnen Stationen bei. Etwa, dass man im Friedenspark gut skateboardfahren kann, warum das Rosental so heißt, obwohl dort kaum Rosen wachsen (der Name komme vom slawischen Wort für Tiefe „Rozdot“), und dass einmal im Monat unter der Überschrift „Ich zeig’s euch!“ Kinder die Gäste durchs Bildermuseum führen.

An den eigenen Kindern getestet

Lageskizzen erleichtern die Orientierung, Rätsel zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten tragen eine weitere Motivation bei, die Stadt zu erkunden. Die Fragen – etwa nach den Figuren am Neuen Rathaus oder den Fischen im Elsterflutbecken – sind knifflig, aber mit geringem Frustpotenzial. „Wir haben alle Aufgaben an unseren eigenen Kindern getestet“, so Schimunek.

Ein detailreicher Service-Teil bietet neben Adressen, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr noch hilfreiche Kurzbeschreibungen. „Die Stücke des Hauses sind sehr lustig“, steht da über das Theater Fact. Die Ausstellungen im Panometer werden treffend als „Wimmelbilder in XXL!“ charakterisiert.

Krimi-Fans müssen jedoch nicht um die Aufklärungsraten im frühen 20. Jahrhundert bangen: Zwar entlässt Schimunek seinen Oberst-Lieutenant von Gontard und den LVZ-Reporter Konrad Katzmann in den Ruhestand. Aber dafür schickt er bald einen neuen Ermittler auf Verbrecherjagd. Dass auch Balduin nicht die letzte Zeitreise unternommen hat, liegt ebenso auf der Hand. Nach der Rückkehr aus dem Jahr 1709 gibt er seinem Opa ein Ehrenwort: „Wenn wir jemals wieder durch das Zeitfenster steigen, dann zusammen.“

Von Mathias Wöbking

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