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Kultur Absurdistan in der Straßenbahn
Nachrichten Kultur Absurdistan in der Straßenbahn
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20:01 30.09.2016
Der Autor Erkan Dörtoluk belauscht mit Vorliebe die Gespräche seiner Mitreisenden. Quelle: dpa
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Hannover

Manchmal ist es schlichtweg zum Fremdschämen. Da sitzt man frühmorgens in der Bahn, schlaftrunken, einen lauwarmen Kaffee in der Hand und muss mit anhören, wie manch einer seine Betriebstemperatur hochfährt. Der Schnabel will gar nicht mehr still stehen. Es sind diese Menschen, deren (Intim-)Leben einem nach 20 Minuten Bahnfahrt komplett zu Füßen liegt – nackt und schmutzig.

Vermutlich liegt es einzig und allein an der Faszination des Schaurigen, die einen trotzdem immer weiter hinhören lässt. In „Du hast mir das Kind gemacht, nicht ich“, hat Autor Erkan Dörtoluk diese Perlen der Straßenbahnphilosophie zusammengetragen. Was dabei rausgekommen ist, treibt einem in der Tat die Schamesröte ins Gesicht und – noch viel besser – die Tränen in die Augen. Hier die Top 10 der schönsten Straßenbahn-Ergüsse:

– “Ich arbeite bei einer Premium-Agentur. Wir machen nur geile Sachen.“

– „Was kann er denn?“ „Nichts.“ „Dann schieb ihn doch rüber zu Social Media.“

– “Bei Vanessa auf der Arbeit haben die ein Klo, da kannst du richtig geile Selfies machen. Das baut die sich jetzt zu Hause nach.“ “Ich kenn das Klo auf der Arbeit von Vanessa. Da hab ich auch schon Fotos gemacht. Hatte ich hinterher immer nen neuen Freund.“

– “Dennis hat Angst vor Horrorfilmen, der ist für Security überhaupt nicht geeignet.“

– “Mehr Verantwortung ist aber nichts für’n Richard. Da bekommt der nur wieder Durchfall von.“

– “Wenn du bei der Arbeit Tarnfarbe trägst, kannst du aufs Klo gehen, so viel du willst, weil du fällst halt echt nicht auf.“

– “In Koran steht, du darfst nichts in die Zigarette reintun.“ “Ich darf, Alter, ich war gerade bei Arbeitsamt.“

– “Wir haben gleich das Meeting, wo wir unsere Gefühle mit Smileys ausdrücken müssen.“

– “Die sind doch alle verweichlicht heute! Zwanzig Jahre lang hab ich gearbeitet, ohne dass ich mit irgendeinem Kollegen auf derselben Wellenlänge war! Da hat mir weder der Kopp wehgetan noch der Arsch!“

– “Sebastian hat jetzt einen neuen Job. Weißt du, was er jetzt macht?“ „Was?“ „Titten-Vertreter.“ „Wie bitte?“ „Titten-Vertreter. Der arbeitet im Vertrieb für Silikon-Implantate und fährt durch Deutschland, besucht die ganzen Arztpraxen und verkauft denen Brüste. Er verkauft Silikon-Implantate, und sein bester Freund ist Schönheitschirurg.“ „Bekommt er die Dinger zum Einkaufspreis?“ „Ja.“ „Haben die Freundinnen?“ „Du bist wie meine Mutter, Mia!“

„Du hast mir das Kind gemacht, nicht ich“ – Mitgehört im öffentlichen Nahverkehr, Erkan Dörtoluk, Taschenbuch, 224 Seiten, Piper-Verlag, 7,99 Euro.

Von RND/caro

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