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Aktivität als Tarnung für Müßiggang: Elektro-Pionier Dieter Meier am Dienstag im UT Connewitz

Aktivität als Tarnung für Müßiggang: Elektro-Pionier Dieter Meier am Dienstag im UT Connewitz

Als ob er sonst nichts zu tun hätte: Mit 69 Jahren legt Dieter Meier, unter anderem Winzer, Rinderzüchter, Restaurantbetreiber, Investor, Konzeptkünstler und Sänger des Elektropop-Duos Yello, mit "Out of Chaos" sein erstes Solo-Album vor.

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Erste Solo-Platte mit 69: Yellow-Sänger Dieter Meier.

Quelle: Staatsakt

Und zwar ein großartiges. Ein Gespräch über Weltfluchten und Bergbesteigungen, Rohrkrepierer und Musik.

Es lässt sich nicht ganz problemlos an, Dieter Meier zum Interview ans Telefon zu bekommen. Kurz vor Beginn der "Out of Chaos"-Tournee, die am Dienstag im UT Connewitz startet, hat Meier noch einiges zu tun. Unter anderem viel telefonieren. Hat man dann aber den Mann mal an der Leitung, klingt der so entspannt und freundlich, als würde sein Tag in schönster Gelassenheit dahin fließen. Und auch deshalb mag man sich einer alten Aussage Meiers erinnern, bezüglich eines Jura-Studiums, das er als junger Mann nur betrieben habe, um damit seinen "Müßiggang sozial zu tarnen".

Aktivität als Tarnung für Müßiggang also. Wie bitte soll das denn gehen? Er müsse da erst mal etwas einschränken, antwortet Maier. Das Wort "Müßiggang", sei ungenau formuliert gewesen, um seinen damaligen Zustand zu beschreiben: "Denn statt dem Müßiggang hab ich mich doch in diesen Jahren eher der Weltflucht-Arie des Pokerspiels hingegeben. Eine pervertierte, aber recht gut funktionierende Art der Sinnstiftung. Allerdings eine, die die Frage nach Sinn im Sein erfolgreich ausblendet."

Und dennoch sei in gewisser Weise etwas dran, an der Sache mit dem Müßiggang. Er ist auch als Künstler nie einer gewesen, der etwas mit Ehrgeiz betrieben habe in dem Sinne, dass man "täglich ins Atelier gehe und sein Werk vorantreibt", gesteht Meier: "Ich habe mich nie um etwas rasend bemüht, ebenso wie es für mich nie diese Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gab."

Über all den verschiedenen Sachen, die sein Leben über die Jahrzehnte definieren, stehe immer ein "Es ist mir passiert", und alles sei ("Passen Sie auf, das müssen Sie getrennt schreiben", sagt Meier) ein Zu-Fall, also etwas ihm lediglich Zu-Gefallenes.

Na, was für ein Glückskind, mag man da ironisch, oder auch neidvoll denken. Und tut es nicht. Weil das bei Meier eben nicht nach dieser immer etwas nervig-kokettierenden und auch verdächtigen Bescheidenheitsmasche klingt. Was freilich auch mit diesem Tonfall zu tun hat, in dem Maier spricht. Ein Tonfall, zu dem passt, wie sich diese Zu-Fall-Gedankengänge in recht schweizerischer Ironie fortspinnen: "Wissen Sie, die Berge, auf die ich hinaufklettere, zu denen geh ich nicht hin, die kommen ja auf mich zu", sagt da Meier, wie der helvetische Prophet, zu dem die Berge dann also tatsächlich kommen. Allerdings: "In der Wand dann, da gibt es Zweifel, Angst, Unsicherheit."

Und Abstürze, oder "Rohrkrepierer", wie Meier sagt, gebe es natürlich auch, und er erzählt von dem Mega-Investitions-Flop mit digitalen Mischpulten, produziert im Silicon Valley: "Phantastisches Gerät, hochangesehen, aber finanziell ein absolutes Desaster." Und hört man da kurz sogar ein leises Auflachen?

Meier: "Scheitern ist eine Angelegenheit nach außen. Wegen des Spotts, der Verachtung und derlei. Aber das sind keine Kriterien für mich. Mir fehlt dafür der Opportunismus. Was das alles angeht, möchte ich tatsächlich mal den Wanderprediger aus Nazareth zitieren: Werdet wie die Kinder!" Aha, also doch Prophet, der Meier. Frage: "Sind Sie gläubig, Herr Meier?" Antwort: "Ich bin ein nicht einmal praktizierender Atheist."

Zu dem dann, sagen wir einfach gottlob, noch der Berg kam, der auf musikalischen Solopfaden erklommen werden wollte und von dem herab Meier so gut singt und klingt, als hätte er ewig schon darauf gewartet, da hinauf zu kraxeln. Und auch wenn dabei eine ganze Reihe formidabler Musiker und ein versiertes Produzententrio (Nackt, Ben Lauber, T.Raumschmiere) entschieden mithalfen, ist die Musik auf "Out of Chaos" selbst in ihren Film-Noir-Posen und ironischen Maskeraden eines alternden Melancholikers ganz und gar das, was man eine "persönliche" Platte nennen kann. Oder wie sagt es Meier so schön ausweichend und bestätigend zugleich: "Man ermöglichte mir, als Gast in meine eigenen Lieder einzutauchen." Wie so was aussieht und klingt - am Dienstag ist es zu erleben.

Dieter Meier, Dienstag, 20 Uhr, UT Connewitz (Wolfgang-Heinze-Straße 12a), Vorverkauf 34,25 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2014

Steffen Georgi

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