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All die schönen Ideen - Sebastian Hartmanns Vision hat sich in Leipzig nicht erfüllt

All die schönen Ideen - Sebastian Hartmanns Vision hat sich in Leipzig nicht erfüllt

Jetzt ist es also heraus: Sebastian Hartmanns Intendanz am Leipziger Schauspielhaus wird nur ein fünfjähriges Intermezzo sein. Seine Vision für ein neues Stadttheater ist hier nicht auf fruchtbaren Boden gefallen, die Leidenschaft der ersten Stunden verflüchtigte sich zusehends.

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Noch-Intendant Sebastian Hartmann (r.)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Chance, die sich mit seiner Intendanz verband, wurde nicht genutzt.

Deutschlandspektakel zum Abschluss der Spielzeit 2010/11, Intendanzbüro. Sebastian Hartmann sorgt im Kumpelton dafür, dass jeder Besucher einen Sitzplatz findet, ehe er aus den Tagebüchern seines Großvaters vorliest. Jedes Mal, wenn der kleine Sebastian in den Aufzeichnungen vorkommt, freut sich Hartmann, als wäre er immer noch der kleine Junge von damals. Es herrscht eine heimelige Atmosphäre, alle hängen an den Lippen des Erzählers. Ein paar Stufen weiter unten im Theaterhaus spielen Darsteller eine Kurzinszenierung vor nicht einmal einer handvoll Zuschauer, ein trauriges Bild. Diese beiden Szenen stehen sinnbildlich für die Ambivalenz der Hartmannschen Intendanz. Er konnte in manchen Momenten ganz groß sein, aber nicht verstehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Leipziger mit seinen Ideen wenig anfangen konnte.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb Hesse, und dieser Zauber war im September 2008 deutlich zu spüren. Da sang beim „Speeddating“ in der Skala ein Mann in einer Mülltonne ein Ständchen, ein anderer servierte Schnittchen zum Plausch, die Grenzen zwischen Schauspieler und Zuschauer einreißend. Da eröffnete der Hausphilosoph Guillaume Paoli seine Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck, in deren Satzung es heißt: „Die Mitgliedschaft endet mit dem Tod oder mit dem Ende des Kapitalismus.“ Dass sich ein ganz anderes Ende schon drei Jahre später ankündigen würde, hatte damals niemand geahnt. Am Theater eine Figur zu institutionalisieren, die mit intellektuellen Seitenhieben sowohl das politische als auch das künstlerische Geschehen kommentierte, ist einer dieser überraschenden Einfälle Hartmanns, zu denen auch das Erfolgs-Format „Schwarztaxi“ gehört. Eine schöne Idee geblieben ist jedoch der Wunsch, das Theater zur Kommunikationsplattform zu machen. Das Weiße Haus etwa, das als Minispielstätte an der Gottschedstraße für eine Vermischung von Freisitz- und Theaterpublikum sorgen sollte, ist als ungenutzte Hülle ein Symbol für die nachlassende Motivation der letzten Spielzeit, auch bedingt durch finanzielle Einschränkungen.

Man mag von Hartmanns Theater halten, was man will, aber eines steht fest: Miefiges Stadttheater hat er nie gemacht, mit überregionaler Ausstrahlung eine Marke geschaffen, die sich als Leipziger Handschrift in die Fachpresse einschrieb. Und es wird schwer werden, einen Nachfolger zu finden, der ähnlich viel wagt und schlüssig Visionen mit Stadttheater verbindet. Damit tat sich Hartmann schwer.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Printausgabe der Leipziger Volkszeitung vom 15. September 2011 oder im E-Paper!

Spielzeitauftakt am 22.9., 19.30 Uhr, mit Sebastian Hartmanns Inszenierung von „Fanny und Alexander“ nach dem Drehbuch von Ingmar Bergman im Centraltheater, Karten unter 0341 1268168, www.schauspiel-leipzig.de

Nina May

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