Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Alternatives Völkerschlacht-Gedenken mit Millennium Front Theater auf Jahrtausendfeld

Alternatives Völkerschlacht-Gedenken mit Millennium Front Theater auf Jahrtausendfeld

In der Bauwagen-Siedlung am Karl-Heine-Kanal ist das längst keine neue Erkenntnis mehr: Wenig Fläche reicht zum Wohnen völlig aus. Doch über die One-Person-Surviving-Boxes nicht weit von den illegalisierten Dauer-Campern entfernt würde selbst Chuck Norris staunen.

Voriger Artikel
Der Phoniater Michael Fuchs über den Wagner-Gesang: "Außergewöhnliche Belastung"
Nächster Artikel
Theater der Jungen Welt kümmert sich ums "Suchen" - acht Neuinszenierungen

Frank Heuel, René Reinhardt, Annika Ley und Elisabeth Schiller (von links) vom Millenium Front Theater.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit Sonntag hausen hier die Autoren und Schauspieler des Millennium Front Theaters. Jeder von ihnen auf nur sechs Quadratmetern.

David Jeker, Mitglied des 2011 gegründeten Schaubühnen-Ensembles, weiß selbst noch nicht so genau, was ihn in Phase zwei des Projekts "Völkerschlachten" von Schaubühne und Fringe Ensemble erwartet. "Ich stelle mir das Ganze wie einen Fronteinsatz vor: in die Bresche springen und schauen, was passiert", sagt er beim Pressegespräch auf dem Jahrtausendfeld. Im Oktober 2012 traf sich ein internationales Team aus Autoren und Schauspielern zum vorbereitenden Workcamp in Leipzig. Jetzt soll die Gruppe drei Wochen lang unter dem Motto "Wo ist die Front?" Texte und Spielszenen erarbeiten und vor Publikum präsentieren.

"Jede Aufführung ist anders", sagt Frank Heuel, der schon vor der ersten Vorstellung heute Abend wie der geborene Front-Theater-Chef aussieht: olivgrüne Tarnjacke und weißes Rambo-Stirnband. Er verspricht sich von der wöchentlich wechselnden Besetzung eine möglichst differenzierte Sicht auf das Thema Völkerschlachten. Die Betonung liegt dabei ganz klar auf "en", denn sein Projekt will eine Alternative zum gängigen Völkerschlacht-Gedenken sein: kein ausschließlicher Fokus auf 1813, sondern eine künstlerische Auseinandersetzung mit der "Kontinuität des Kriegerischen".

Das Jahrtausendfeld ist dafür der ideale Ort. Nicht nur, dass genau hier einst die Melder und Vortrupps der verfeindeten Völkerschlacht-Truppen aufeinandertrafen. 50 Jahre später begann dort mit dem Pionier Karl Heine der Kampf um die Industrialisierung. Und heute? Tobt eine Schlacht um die Zukunft des Jahrtausendfelds. Sollen hier bald schicke Stadthäuser entstehen oder doch lieber eine neue Schule für den Plagwitzer Nachwuchs?

René Reinhardt sähe es lieber, wenn der geschichtsträchtige Ort auch weiterhin für künstlerische Projekte wie "Völkerschlachten" genutzt werden könnte. Die drei Hektar große Industriebrache ist momentan nicht mehr als eine riesige Hundewiese. Außer am Ufer des angrenzenden Karl-Heine-Kanals, wo eine Bauwagen-Siedlung um die Akzeptanz bei Anwohnern und Stadt kämpft. Seit einer Woche nun wird in der Mitte des Jahrtausendfelds gebaggert, gemäht und gegraben, damit die Gäste des Millennium Front Theaters sich wie im Kriegscamp fühlen.

Im Zentrum steht ein Fahnenmast, drumherum die neun One-Person-Survival-Boxes. Sogar einen Schützengraben gibt es, der während der Aufführungswochen mit Wasser gefüllt sein wird. Daneben ein Bunker, von dem ab heute mehr als nur das Gerüst stehen soll. Die Zuschauer sitzen nicht fest an einem Ort, sondern erkunden mit den Schauspielern das ganze Gelände. Jetzt müssen sie nur noch dem Schlachtruf von Schaubühne und Fringe Ensemble folgen.

iDas Millennium Front Theater zieht vom 28. Mai bis 15. Juni immer Dienstags, Mittwochs, Freitags und Samstags ab 20 Uhr in die multinationale Textschlacht auf dem Jahrtausendfeld (Karl-Heine-Straße 86), Eintritt 9/7 Euro, Dreierkarte 20/15 Euro, aktuelle Infos vom Frontgeschehen auf www.voelkerschlachten.net.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2013

Verena Lutter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr