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Amarcord begeistert beim Benefiz-Konzert in der Leipziger Thomaskirche

A-cappella für Unicef Amarcord begeistert beim Benefiz-Konzert in der Leipziger Thomaskirche

Geschmack, Können Stil: Ensemble Amarcord singt in der Leipziger Thomaskirche für Unicef Weihnachtliches aus Mittelalter und Renaissance.

Ensemble Amarcord
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Das Weihnachtskonzert von Amarcord hat Tradition und ist keine Selbstverständlichkeit mit seinem anerkennenswert guten Zweck: Der Konzerterlös geht an Unicef. In der Thomaskirche erstrahlte am Freitagabend der Altarraum von oben in sanften Rubinfarben, und froh gestimmt war das zahlreich erschienene Publikum. Zum künstlerischen Ereignis gelang das Heimspiel der fünf Vokalsolisten mit dem enormen Repertoire dann aber dank ihrer Selbstbescheidung und der sehr bedachten Programmgestaltung.

Andere a-cappella-Ensembles werden mit den Jahren extrovertierter im künstlerischen Ausdruckswillen und oft marktkonformer. Die fünf Amarcord-Herren dagegen entscheiden sich klar und deutlich für einen anderen Weg. Sie agieren bei Auftritten als untereinander eingeschworene Gemeinschaft. In der Thomaskirche sind sie damit spürbar am für sie mental wichtigsten Bezugspunkt – trotz vieler prominenter Gastierorte von Hamburg bis Florenz.

Mit Freude an Genauigkeit und Reinheit der Intonation eröffnet Amarcord hier einen langen Strom Ambrosinanischer Hymnen und Antiphone aus dem Mittelalter und der Renaissance, mit Orlando di Lasso und zwei Weihnachtsevergreens. „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ und „In dulci jubilio“ kommen ganz ohne Effekt-Kalkül, dafür im originären Kontext polyphoner Strukturen.

Wolfram Lattke, Robert Pohlenz (verhältnismäßig neu dabei seit 2013), Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause beginnen auf der Orgelempore, ziehen dann durch das Hauptschiff, stehen am Altar und verweilen auch im Mittelgang. Das Erstaunliche dabei: Das ist kein Showeffekt, sondern ganz selbstverständlicher Umgang mit den Echowirkungen im Kirchenraum. Die Akustik passt dazu bei dieser kultivierten Schlankheit des Tons.

Egal was Amarcord in pausenlosen 90 Minuten an kleinen und größeren musikalischen Wunderfakturen von Jacobus Gallus, Johanne Ecardus und anderen aus Mittelalter und Renaissance zu Gehör bringt: Nichts klebt an den heute als Reizharmonien empfindbaren Quart- und Quint-Kombinationen oder überwuchert den Gehalt als ausgestelltes Kolorit. Die Homogenität, das einander zugewandte Lauschen, das stimmliche Aufgehen und Innehalten kurz vor dem sinnlichen Selbstzweck zeugen von Geschmack, Können, Stil. Die Stimmen widerstehen Verführungen zu reißerischen Koloraturen oder zur vokalen Wilderei. Es zählen immer alle fünf zusammen in den Lichtungen der Harmonien. Solistische Tonfolgen sind in jeder Sekunde im Gesamtklang verblendet, keiner trumpft auf. Virtuosität ist bei amarcord Schlichtheit mit Selbstbewusstsein.

Das Ensemble agiert rundum geschlossen, fokussiert und ausgeglichen. Höhen- und Tiefenregister der Stimmen bleiben – außer in den tenoralen Spitzenregionen – immer in den männlichen Farben der Mittellage. Die Diktion ist klar, kommt ohne Übertreibung von Konsonanten oder verhauchenden Vokalen aus. Die Zurückhaltung in der musikalischen Beredsamkeit zeugt von der inneren Haltung des Ensembles zu sakraler Musik: Berührung ja, Verführung nein.

Am Ende sehr ehrlicher Applaus, als sei dieser ein sinnierender Nachhall zum Gehörten. amarcord schaffte hier eine kleine Quadratur des Kreises: Ein Konzert für die, denen der dekorative-kommerzielle Überschwang dieser Tage zu viel ist und die sich von Advent und Weihnacht dennoch nicht verabschieden wollen.

Von Roland H. Dippel

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