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An der Dresdner Semperoper wird "Daphne" zu Sophie Scholl

An der Dresdner Semperoper wird "Daphne" zu Sophie Scholl

Richard Strauss' "Daphne" kehrt am Samstag an die Dresdner Semperoper und damit an die Stätte ihrer Uraufführung zurück. Damals hatte sie Publikum und Kritik entzückt.

Dresden. "Daphne - ein einziges Musikwunder", titelte der Dresdner Anzeiger am 17. Oktober 1938: "Unsere Staatsoper erlebte am Sonnabend einen der seltensten Tage ihrer Geschichte. Superlative reichen nicht aus, das Ereignis zu kennzeichnen." 1950 und 1957 folgten weitere Inszenierungen. Ob der Jubel nun genauso üppig ausfällt, steht in den Sternen. Regisseur Torsten Fischer (52) macht Daphne zur politischen Figur. "Ich erzähle mit dieser Oper die Geschichte der Sophie Scholl."

Fischer kennt auch andere Deutungen des Stoffs. Claus Guth hat ihn im Frühjahr 2010 in Frankfurt/Main als Missbrauchsdrama inszeniert. Peter Konwitschny ließ die Akteure 1999 in Essen in Schafskostümen kopulieren. "Das geht natürlich auch", sagt Fischer und fügt dem ein "mehr oder weniger" hinzu. Nur eine Sache geht für Fischer nicht:

"Daphne wird oft fälschlicherweise als Autistin dargestellt, als sexuell verklemmte Frau, die sich in die Botanik flüchtet - das ist lächerlich." Dabei versteht sich der Berliner keineswegs als Provokateur. "Ich bin ein redlicher Geschichtenerzähler. Ich erzähle die Musik."

Für Fischer ist "Daphne" eine Oper mit toller Musik und miserablem Libretto. Der Text habe keine dramatische Kraft. Das hatte auch Strauss schon so empfunden und dem ersatzweise engagierten Texter Joseph Gregor ordentlich eingeheizt. Doch als das Angebot aus Dresden kam, sagte Fischer zu - auch wegen der besonderen Beziehung von Strauss zur Elbestadt. Fischer suchte nach einer Figur, die zugleich etwas über die Entstehungszeit dieser Oper im Nationalsozialismus aussagt. In einem Brief Sophie Scholls, in dem sie über die Schönheit der Natur schrieb, wurde er fündig. "Das war wie von Daphne geschrieben, wie ein besserer Text aus der Oper."

Bei der Beschäftigung mit dem Stoff entdeckte Fischer viele Berührungspunkte zwischen der mythologischen Gestalt Daphne und Sophie Scholl, die wegen ihres Engagements in der Widerstandgruppe „Weiße Rose“ im Februar 1943 in München hingerichtet wurde. In Bedrängnis verwandelt sich Daphne am Ende in einen Baum. Scholl habe sich in höchster Not gewünscht, die "Rinde eines Baums" zu sein, erzählt Fischer. In seiner Inszenierung agiert die Titelfigur als Freiheitskämpferin. Daphne wirft Flugblätter wie einst Sophie Scholl. Fischer geht es um die Verführbarkeit eines Volkes. Apollon, Gott des Lichtes, wird zum Faschisten.

"Für mich ist das der einzige Weg, wie ich das Stück inszenieren kann", sagt Fischer. Bei manchen Regisseuren komme am Ende „ein Bonsai in einer schönen weißen Villa“: "Mir ist völlig unbegreiflich, dass man keine Lust verspürt, in dieser großartigen Musik etwas zu suchen, was einen Sinn macht." An eine mögliche Ablehnung durch das Publikum denke er nicht. Natürlich könne man grundsätzlich etwas gegen seine Sichtweise haben. "Theater muss umstritten sein." Bei seinen Protagonisten habe er aber viel Interesse gespürt, einige hätten sich von ihm die neueste Scholl-Biografie ausgeborgt.

Jörg Schurig, dpa

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