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Anders gut: das neue Silly-Album "Kopf an Kopf"

Anders gut: das neue Silly-Album "Kopf an Kopf"

Das Erscheinen des Albums "Alles Rot" darf zu den wichtigsten Ereignissen der deutschen Popszene im Jahr 2010 gezählt werden. 15 Jahre waren vergangen, seit der Tod von Tamara Danz das erste Kapitel der Silly-Geschichte geschlossen und den Verbliebenen den bitteren Triumph nicht erspart hatte, infolge des einsetzenden Medienrummels zum ersten Mal nennenswerte Chartplatzierungen im geeinten Deutschland zu erzielen.

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Ritchie Barton (Keybord), Anna Loos (Gesang), Uwe Hassbecker (Gitarre) und Hans-Jürgen Reznicek (Bass, v.l.) sind Silly.

Quelle: dpa

Mit Anna Loos hatten sie dann nach langer Suche einen Treffer gelandet. Als Sängerin verbindet die Schauspielerin Authentizität und Präsenz zu einer stimmigen und gewinnenden Performance. Ein Segen auch, dass ihre Stimmlage zwar einiges erlaubt, aber Versuche, Tamara Danz zu imitieren, von vornherein ausschließt. Die kreative Dichte und der überwältigende Erfolg von "Alles Rot" hatten die Messlatte für den Nachfolger in beachtliche Höhen geschoben.

Gleichwohl schien das musikalische Konzept noch einige Alben im gleichen Duktus vertragen zu können. Silly haben der Versuchung widerstanden, sich selbst zu kopieren. In einem Punkt wiederholen sie auf "Kopf an Kopf" die eigene Geschichte: Wie zu Beginn der 90er wird Erfolgtexter Karma in den Hintergrund geschoben, die Sängerin textet zunehmend selbst. Das präsentiert die Band als Einheit und führt zur Verschiebung der inhaltlichen Gewichtung. Anna Loos singt von sich selbst, das Ganze wird emotionaler, persönlicher, privater.

Die Auswahl der ersten Single war da nur konsequent: "Deine Stärken" ist ein rückhaltlos ehrliches Liebeslied. Der eigene Partner steht im Mittelpunkt, vor allem die eigenen Schwächen, wenn sie ihn um Verzeihung dafür bittet, dass sie oft nicht die richtigen Worte findet (und sucht), ihm zu sagen, wie wichtig er ihr ist. Ein wenig Geschmäckle hat das, weil die hier subjektiv thematisierte Beziehung eine der populärsten des Landes ist.

Aber Kalkül darf wohl ausgeschlossen werden, zu berührend sind diese Songs in ihrer Offenheit. Etwa die streicherschwere Ballade am Schluss: "Ohne Dich" beschreibt die Vorstellung der Sängerin von der Welt, wie sie wäre (unendlich trist und leer nämlich), träte ein, was der Titel andeutet. Ein paar Texte steuerte Karma noch bei. Es ist gar nicht leicht, sie ohne Blick auf das Cover beim ersten Hören herauszufiltern, was für das lyrische Talent von Anna Loos spricht. Einer indes ist schnell zu erkennen: "Vaterland" setzt sich plakativ mit einem boomenden Industriezweig unserer stolzen Exportnation auseinander, der dafür sorgt, dass begehrte Präzisionsmaschinen Made in Germany auf der ganzen Welt dabei sind, wenn in großem Umfang getötet wird.

Generell folgt der Gestus der Musik der textlichen Grundstimmung. Die Songs sind im Rahmen einer ausladendem dynamischen Gesamtbreite insgesamt fragiler, sensibler, leiser. Wer die satten Gitarrensounds von "Alles Rot" liebt, steigt am besten mit "Spring" ein, dieses Stück könnte die ideale Brücke zum neuen Album sein; es würde auf beide passen.

"Kopf an Kopf" ist anders als sein Vorgänger, anders gut. Es ist mit wunderbaren Einfällen gespickt und verführt erneut mit drei oder vier absolut zwingenden Melodieschleifen. Belanglos können Hassbecker und Barton gar nicht. Warum allerdings keiner bemerkte, dass sie ausgerechnet beim Refrain des Titelstücks so unüberhörbar nah an Kate Bushs "Running Up That Hill" gerieten, bleibt unklar. Ein kleiner Wermutstropfen, mehr nicht. Lars Schmidt

 

 

Silly spielen am 21. Juni auf der Parkbühne im Leipziger Clara Zetkin Park; Karten (34,05 Euro) gibt es unter der gebührenfreien Tickethotline 08002181050

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.03.2013

Peter Matzke

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