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Atemberaubende Chuzpe: Tino Standhaft spielt im Krystallpalast-Varieté die Stones

Atemberaubende Chuzpe: Tino Standhaft spielt im Krystallpalast-Varieté die Stones

Das kleine, fesche Theater ist buchstäblich bis auf den letzten Platz im zweiten Rang ausverkauft. Tino Standhaft, Paradiesvogel des Rock'n'Roll aus Leipzig, und seine Band habenam Montagabend im Krystallpalast-Varieté Hits der Rolling Stones gespielt.

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Mick Jagger und Keith Richards in einem. Mindestens. Tino Standhaft (51) im Krystallpalast-Varieté, im Hintergrund Shir-Ran Yinon.

Quelle: André Kempner

Weiteres Konzert am heutigen Dienstagabend.

Gleich am Anfang macht der Meister klar, dass dies kein Abend für Jagger/Richards-Puristen wird. Hier wird nicht nachgespielt, sondern neu und sehr eigen interpretiert: Sie spielen "Let's Spend The Night Together" und verzichten dabei ebenso kühn wie komplett auf das berühmteste "Bababdadab ... Yeah" der Popgeschichte. Das muss sich erst mal einer trauen. Aber diese Band wagt, bestens aufgelegt, instrumental perfekt besetzt und lückenlos aufeinander eingegroovt, noch viel mehr. Die Bühnenkonstellation - alle immer sitzend - deutet zunächst auf ein klassisches Unplugged-Konzert hin. Tatsächlich aber greift der Meister sehr oft zur E-Gitarre nebst Amp und Verzerrer - und seine Mitsaiter sowieso. Auch der durchweg exzellente Drummer Björn Kerstan verwendet nur selten Besen - und agiert selbst dann alles andere als zurückhaltend.

Beim dritten Stück "Goodbye Ruby Tuesday" greift die Bratsche der bezaubernden Shir-Ran Yinon aus Israel stilprägend ins Geschehen ein. Zwei Songs später kommt "Under My Thumb", da haben sie sich richtig eingespielt und das Publikum mitgenommen. Es folgt die Ballade "Wild Horses" von legendären "Sticky Fingers"-Album. Sie interpretieren das durchaus anders, als die Stones das gemacht haben, aber mit dem gleichen langen Atem. Bei "Sympathy For The Devil" bringt sich das Rund dann völlig ein und intoniert willig (und ausdauernd bis zum Schluss des Konzerts, wenn mal Pause ist): "Hu Hu!"

Wie üblich bei Standhaft lebt das Ganze von den perfekt abgestimmten beiden Gitarreros, die links und rechts der Bühne platziert sind. Standhaft lässt es zu, dass sein kongenialer Klampfen-Partner Norman Dassler aus der Rolle der Nummer zwei nach dem Chef heraustreten und ein Filigran-Solo nach dem anderen spielen darf. Unglaublich, was der Mann mit dem blonden Endloshaar handwerklich drauf hat.

Ansagen gibt es wenige vom Chef, wenn, dann launig, ungeprobt und amüsant pointiert. Schwache Stellen gibt es gleichfalls nicht. Das ist natürlich auch dem exzellenten Ausgangsmaterial geschuldet, das seinen Weg durch das gnadenlose Rüttelsieb der Zeit in Richtung Evergreen längst durchlaufen hat. Höhepunkte dafür werden viele geboten. "Jumping Jack Flash" etwa, wo Standhaft in seiner Eigenbearbeitung Keith Richards eigentlich sakrosantes Riff mit einer atemberaubenden Chuzpe komplett umstellt. Oder - nicht unerwartet - das kompositionsdramatisch unschlagbare "Gimme Shelter", bei dem sich Frau Yinon in charismatischer Weise stimmlich überhebt. Weil dieses Stück genau das braucht.

Fazit: Das begeisterte Publikum hat sein bestes Stones-Konzert ohne Satis­faction und die Stones erlebt. Am Ende der zweiten (nicht letzten) Zugabe erklingt der irgendwie bewegendste Song des Abends, von der Menge lautstark gefeiert. Er heißt "Second Chance". Der aber ist gar nicht von den Rolling Stones, sondern von Tino Standhaft aus Leipzig. Warum eigentlich immer in die Ferne schweifen -

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2014
Lars Schmidt

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