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Athletisch, archaisch, atemberaubend: Trommler aus Japan "Yamato" gastieren in Leipziger Oper

Athletisch, archaisch, atemberaubend: Trommler aus Japan "Yamato" gastieren in Leipziger Oper

Schweißperlen fliegen durch die Luft, gleißen im Gegenlicht der Scheinwerfer. Auf der Bühne der Oper Leipzig dampfen die Leiber der Über-Trommler aus Japan Yamato, Masa Ogawas Mitstreiter-Dutzend drischt in enthemmter Körperlichkeit auf ihre Taikos ein, als würden sie nie etwas Anderes machen.

Leipzig. Im Grunde ist es auch so: Yamato, die Über-Trommler aus Japan, leben in beinahe mönchischer Gemeinschaft zusammen, essen gemeinsam, treiben gemeinsam Sport, trommeln den Rest des Tages - und bringen auf der ganzen Welt die Menschen zum Staunen. Seit gestern und noch bis einschließlich Sonntag auch wieder in Leipzig.

Seit gut zwei Jahrzehnten tourt Yamato bereits um die Welt, 20 Jahre, die sich widerspiegeln im aktuellen Jubiläums-Programm, das gestern Abend in der gestopft vollen Oper Leipzig-Premiere feierte: "Rojyoh - The Beat on the Road". Man könnte es als eine Art Best-of vergangener Yamato-Shows bezeichnen.

Aber das würde der geschmeidigen Spontaneität nicht gerecht, mit der sich "Rojyoh" über rund zwei Stunden entfaltet, wie Energie und Kraft der Instrumente sich da immer weiter verdichten, explodieren, sich wieder entspannen in Episoden zarter Poesie, auch in solchen ausgelassener Komik, ja Albernheit. Nur um erneut anzuschwellen zum gewaltigen, manchmal auch gewalttätigen Tableau aus Rhythmus und Kraft, den man im Publikum mehr noch mit dem ganzen Körper spürt als nur hört.

Masa Ogawa sagt es so: "Yamato ist wie das Leben als Tier oder Wolke: Stärke sammeln, Energie aufbrauchen, essen, wachsen, atmen, sich füllen, dahinschwinden." Man könnte es auch profaner ausdrücken: Yamato ist großes Entertainment. Entertainment, das alle Emotionen anspricht mit seiner einzigartigen Mischung aus der uralten Trommelkunst Japans und der perfekt bedienten Dramaturgie eines großen Rock-Konzerts.

In der Tat haben die Nummern, die Ogawa als künstlerischer Kopf von Yamato für sich und seine Mistreiter und Mitstreiterinnen entwickelt, nicht viel mit der klassischen japanischen Musik zu tun. Der ist die treibende Motorik dieser Show weitgehend fremd. Nur die Instrumente sind traditionell: Die Taiko-Trommeln etwa, deren größte, die monströse Odaiko, 1,70 Meter durchmisst. Die, mit der Yamato durch die Welt reist, ist 400 Jahre alt, ihr Klangkörper ist aus einem einzigen Baum herausgeschnitzt, ihr Fell aus dickem Pferdeleder.

Ihr Klang durchdringt in gewaltigen Wellen den ganzen Körper, derweil ihr Spieler sie mit Prügeln im Baseball-Schläger-Format traktiert. Dazwischen näselt immer wieder anders eingefärbt die Bambusflöte Shakuhachi, flirren bemerkenswert vielfarbig und wandelbar die Cymbeln im Quidditch-Pingon. Dazu röhrt rau und kehlig der japanische Gesang, meist verknappt auf einzelne Silben. Gern wird ein zünftiges "Hai!" genommen", oft auch ein "Ho!".

Aus diesen für unsere Ohren so fremdartigen Klängen baut Yamato eine musikalische Welt, die auch dem westlichen Hörer bald vertraut erscheint. Wohl, weil die Urinstinkte, an die dieses grandiose Spektakel appelliert, universell sind.

Diese atemberaubende rasante, athletische, kraftvolle Show befriedigt unsere Schaulust und Unterhaltungwut ebenso wie das Bedürfnis nach Fremdheit und Tiefe. Sie speist sich aus uralten Quellen, schlägt ihre Wurzeln in jene kultischen Bereichen, in denen fast alle japanische Musik ihren Ursprung hat. Und dass Yamato auch in "Rojyoh" wieder, bei aller Kurzweil, aller Rasanz, aller Akrobatik, allem Witz die sakralen Ursprünge dieser einzigartigen Kunst nicht beschädigt, macht einen Großteil der Besonderheit dieser Show aus.

Weil "Rijyoh" sich wieder fast ausschließlich auf die Anfänge zurückzieht, aufs Trommeln in seiner existenziellen Wucht, ist Yamato diesmal besonders archaisch und heutig, elegant und animalisch, sportlich und zart.

Und Yamato lässt mit "Rojyoh" niemanden, der sich einmal darauf eingelassen hat, wieder vom Haken: Das bunt gemischte Publikum in der Oper Leipzig reißt die Begeisterung beim neuen Gastspiel wieder von den Stühlen. Es klatscht nicht erst im Zugabenblock wacker im Takt und sich danach und dazwischen die Finger wund. Staunend, wie schnell zwei Stunden vergehen, wenn jahrtausendealte Traditionen sich vermischen mit Unterhaltung.

Yamato in der Oper Leipzig: Bis Freitag jeweils 20 Uhr, Samstag 15 und 20 Uhr, Sonntag 14 und 18 Uhr. Karten gibt's im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen und unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050 oder unter 0341 1261261 sowie an der Opernkasse.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2014

Korfmacher, Peter

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