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Au revoir, Leipzig: Irie Révoltés sagen mit ihrem (fast) letzten Konzert Adieu

Werk 2 Au revoir, Leipzig: Irie Révoltés sagen mit ihrem (fast) letzten Konzert Adieu

Weil ihr eigentliches Leipziger Abschiedskonzert am 14. Oktober so schnell ausverkauft war, hat die Heidelberger Band Irie Révoltés am Montag mit einer Zusatzshow vorab schon mal jenen Fans Lebewohl gesagt, die beim Kartenkauf nicht schnell genug gewesen waren.

Hüpffreudige Brüder: Mal Éléve und Carlito mit den Bandkollegen im Werk 2.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. In einem LVZ-Interview anlässlich ihres Auftritts beim Highfield-Festival im August kündigten Irie Révoltés an, dass sie beim letzten Gig in Leipzig noch mal richtig Gas geben, sich für Geschichten Zeit nehmen und auch viele ältere Stücke spielen würden. Nach 145 kurzweiligen Minuten am Montagabend im Werk 2, die sogar mit einer Explosion endeten (dazu später mehr) muss man sagen: Sie haben ihr Versprechen gehalten.

Wobei das Konzert in der gut gefüllten Halle A genauer gesagt nur die Zusatzshow für den bereits seit Monaten ausverkauften allerletzten Leipziger Auftritt des Heidelberger Nonetts in zehn Tagen ist. Nichtsdestotrotz liegt auch schon am Montag eine gewisse Melancholie über der doch meist so fröhlichen Musikmischung aus Ska, Reggae, Rap und Punk. Unzählige Male haben Irie Révoltés in ihrer 17-jährigen Bandgeschichte die Messestadt beehrt und dabei vom Conne Island über den Richard-Wagner-Platz bis zum Störmthaler See alle möglichen Bühnen bespielt. In Leipzig spürten sie immer eine besondere Energie, erklärten die Frontmänner – die Brüder Carlito und Mal Élevé – in besagtem Interview.

Dass das kein leeres PR-Gerede ist, zeigt sich im Werk von der ersten Minute an. In Connewitz haben die Badener ein Heimspiel und sind mit dem Publikum komplett auf einer Wellenlänge. Zum Beispiel, als es in „Stopper“ darum geht, sich nicht von den „Bullenschweinen“ stoppen zu lassen – wie es der Band laut eigenen Angaben erst kürzlich beim G20-Gipfel in Hamburg passiert ist.

Ins Französische gehüllt, klingen solche Texte auch gleich viel netter. Früher sangen die deutsch-französischen Frontbrüder komplett im Idiom des Nachbarlandes, was sich auf dem letzten (im wahrsten Sinne des Wortes) selbstbetitelten Album zugunsten des Deutschen deutlich geändert hat. Ein Zugeständnis an den Mainstream?

„Wenn ich sage ‚AfD’, sagt ihr ‚Fuck off’.“

Jedenfalls gibt Carlito zur Mitte des Konzerts schon einen Ausblick auf die Zukunft. Der Musiker, bürgerlich Carlos Charlemoine, wird nämlich solo weitermachen und spielt nun zwei Stücke von seiner Erstlingsplatte – als Weltpremiere. Während sein Bruder Pablo von der Bühne stapft, schlägt Carlito deutlich akustikgitarrenlastigere Töne an, die mehr nach Lagerfeuermusik klingen. Den ersten Song bricht er aber schon nach dem ersten Refrain ab, weil er ihm „zu langsam“ ist. Beim zweiten wird noch klarer, wohin die Reise geht: in Richtung aktuellen deutschen Poprap. Der neue Carlito hört sich an wie ein Casper ohne Reibeisenstimme. Das Publikum ist noch skeptisch und Carlitos Fazit nach den ersten Sologehversuchen lautet: „Das ist wie vor 17 Jahren mit Irie Révoltés, man muss erstmal reinkommen.“

Mal Élevé kehrt zurück, und einer dieser älteren Songs, „La paix“, wird angestimmt. Wie auch bei anderen frühen Liedern ist das Thema heutzutage nicht veraltet, denn der Waffenhandel, der Konflikte in aller Welt anheizt, ist immer noch ein Problem, wie sich etwa im Nahen Osten zeigt.

Zu fast jedem Track gibt es eine Ansage, vor „Jetzt ist Schluss“ etwa erklärt Carlito: „Natürlich sitzt der Schock der Wahl noch tief, aber es nützt nichts, jetzt zu resignieren.“ Und zu „Antifaschist“ kündigt er an: „Wenn ich sage ‚AfD’, sagt ihr ‚Fuck off’.“ Dazu werden Flaggen der „Antifaschistischen Aktion“ und mit der Aufschrift „Refugees welcome“ gehisst.

Dann verabschiedet sich die diesmal zu siebt angetretene Kapelle, doch es ist klar, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Nun mit weißen Kapuzenpullis bewaffnet, kommen Irie Révoltés nur Sekunden später aus der Zugabenpause. „Leipzig, spürt ihr diese Ruhe?“, fragt Mal Élevé, „das ist die Ruhe vor dem Sturm.“ Aus dem Bandlogo im Hintergrund ist ein „Irievoir“ geworden, aber noch heißt es nicht „Au revoir.“ Auch wenn es draußen den ganzen Tag wie aus Eimern geschifft hat, wird mit „Il est là“ erstmal noch der Sommer abgefeiert. Und schließlich folgt noch „Explosion“, der obligatorische Rausschmeißer bei Irie-Révoltés-Konzerten mit einem lauten „Boum“ im Refrain.

Doch selbst danach ist noch nicht Schluss, denn Carlito lädt alle Besucher ein, rüber in die Halle D zu kommen. Dort spielen Johnny Mauser und Captain Gips ihren „Still not loving“-Gig. Ehrensache für Irie Révoltés, dort mitzujammen. So ganz können sie sich wohl einfach nicht von Leipzig trennen.

Von Christian Dittmar

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