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Auf der Flucht: Robert Redford und sein grandioser Film "Die Akte Grant"

Auf der Flucht: Robert Redford und sein grandioser Film "Die Akte Grant"

Er war bereits jenseits der 30, als seine Karriere ins Laufen kam. Mitte der 70er stieg Robert Redford dann zum bestbezahlten, populärsten Hollywood-Star auf. "Zwei Banditen", "Jeremiah Johnson", "Der Clou", "So wie wir waren", "Die drei Tage des Condor", "Die Unbestechlichen" - kein anderer legte so eine Serie hin.

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Der 76-jährige Robert Redford als Anwalt Jim Grant, der auf der Flucht ist, in "The Company You Keep - Die Akte Grant", der am Donnerstag im Kino startet.

Quelle: Concorde Filmverleih

Leipzig. Jede der Produktionen ist heute ein Klassiker. Nun ist Robert Redford zum Geist jener Zeit zurückgekehrt.

Vor allem zu "So wie wir waren" und "Die Unbestechlichen". Das eine ist jene bittersüße Romanze um eine jüdische Marxistin und einen unpolitischen Sonnyboy von den 30ern bis in die 60er Jahre, das andere die Jagd der zwei Washington Post-Journalisten nach der Wahrheit hinter dem Watergate-Einbruch im Präsidentschaftwahlkampf 1972. An beide erinnert "The Company you keep - Die Akte Grant", den Robert Redford als Regisseur und Hauptdarsteller Ende 2011 in der kanadischen Provinz British Columbia und um Vancouver herum gedreht hat.

Auf den ersten Blick ein Politthriller von der Art der Politthriller des New Hollywood der 70er. Jener Dekade, in der das traditionelle Studiosystem zusammenbrach und junge Regisseure unter dem Eindruck der französischen nouvelle vague ein völlig anderes amerikanisches Kino machten - von "Bonnie und Clyde" bis "Heaven's Gate".

An den Aufbruch, der in den 80ern dann verloren ging, erinnert Redfords grandiose "Akte Grant". Er ist der Anwalt Grant, der Ende der 60er mit einer linksextremistischen Gruppe eine Bank überfiel. Ein Wachmann wurde getötet, seitdem sucht das FBI die Mitglieder der Weathermen. Die sind alle in gutbürgerliche Berufe untergetaucht, bis Sharon Solarz verhaftet wird.

Der Reporter einer Provinzzeitung hängt sich an die Geschichte und enttarnt den Anwalt Grant, der flieht und bei Leuten aus jenen Jahren nach der Wahrheit sucht. So beginnt eine melancholische Reise in eine verlorene Vergangenheit, in Werte, die vergessen wurden, eine Moral, die kaputt gegangen ist, zu Angepassten, Anarchisten und Aufrechten. Da gibt es einige der klügsten Dialoge, die seit Jahren im Kino zu hören waren. Da ist dem beunruhigten Demokraten Robert Redford mit seiner neunten Regiearbeit ein ganz großer Wurf gelungen. "Als Künstler widmet man sich Dingen, die einem wirklich wichtig sind", sagt Robert Redford, "und für mich sind das eben Geschichten über das Leben in Amerika. Für mich ist das ein großartiges Land, aber wir müssen auch einen Blick auf die Grauzonen werfen."

Das hält Robert Redford seit seinem Regiedebüt "Eine ganz normale Familie" (1980, Oscar) so. Eine private Geschichte über den Zerfall jener heilen Familie, die das Hollywood-Kino so gern mit pastellfarbenem Quast malt. In "Quiz Show" (1994) geht es um den Skandal einer Fernsehshow, in "Von Lämmern und Löwen" (2007) ging es um den Krieg gegen den Terror und in "Die Lincoln-Verschwörung" (2010) um die Mutter des Lincoln-Attentäters, die den Verschwörern in ihrem Wirtshaus Unterschlupf gewährt hatte. Ihr Verteidiger ist ein Held des Bürgerkriegs.

Der Demokrat Redford taucht in die Geschichte ein und sucht nach Moral und Gerechtigkeit jenseits der Paragrafen. So wie sein Literat Turner, der für den CIA Romane auswertet und auf unbegreifliche Weise auf eine Mordliste gerät ( "Die drei Tage des Condor").

Allerdings hängt Redford sein politisches Engagement in der Zeit der Anti-Vietnamkriegs-Proteste tief: "Man wollte nicht in einem Krieg kämpfen, an den man nicht glaubte, deshalb rebellierte man dagegen. Ich teilte die Absichten dieser Leute, aber selbst engagiert habe ich mich nicht." So lehnte er auch die Rolle des Captain Willard in Coppolas "Apocalypse now" ab - wie Steve McQueen, Al Pacino, Jack Nicholson. Die spielte dann Martin Sheen.

Dafür gründete Robert Redford 1980 in seiner Wahlheimat Utah das Sundance Institut zur Förderung unabhängiger Filmemacher, aus dem 1984 ein Filmfestival hervor ging, das zu den einflussreichsten in der Welt gehört.

"Die Akte Grant" ist eine Reise zurück in eine Zeit politisch-moralischer Entscheidungen. Über 40 Jahre später geht Robert Redford zu den Akteuren von einst und fragt nach Reue und Gerechtigkeit, nach Beichte und Buße, Opportunismus und Opfer. "Es gibt sehr viele unterschiedliche Gefühle", sagt Robert Redford, "mich faszinierte, wie sie sich gegenseitig beeinflussten." Das da lauter kantige, wirkliche, lebensechte Charaktere auftauchen, macht diesen Politthriller so spannend.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2013

Norbert Wehrstedt

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