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Kultur Auf der Suche nach neuen Chefs für Chor und Orchester
Nachrichten Kultur Auf der Suche nach neuen Chefs für Chor und Orchester
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16:38 17.04.2018
Geht 2018: MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi Quelle: dpa
Leipzig

„Über 100 Konzerte geben unsere Klangkörper pro Jahr in den drei Ländern unseres Sendegebiets“, sagt MDR-Programmdirektorin Nathalie Wappler zur Vorstellung der Saison 2018/19 von MDR-Orchester, -Chor und -Kinderchor. Und es schwingt mehr als ein bisschen Stolz mit, dass der Mitteldeutsche Rundfunk damit zu den großen Musik-Anbietern in der Region zählt. Allerdings ist dieser große Anbieter in der kommenden Spielzeit künstlerisch kopflos. Denn Kristjan Järvi, seit 2012 Chefdirigent bei der Dreiländeranstalt, hört mit dem Ende dieser Saison auf. Darum steht die kommende auch für Wappler „im Zeichen der Suche nach einem neuen künstlerischen Leiter“. Denn nach Järvi, der das Orchester „modern, experimentierfreudig und dennoch traditionsbewusst hinterlassen hat, brauchen wir nun einen Dirigenten oder eine Dirigentin mit einem künstlerischen Konzept für das 21. Jahrhundert“.

Folglich sind viele der zahlreichen Gastdirigenten der kommenden Saison nicht einfach Gastdirigenten, sie sind Kandidaten. Wobei Klangkörper-Chef Heiner Louis großen Wert auf die Feststellung legt: „Wir haben keinen Favoriten, und das muss auch so sein. Denn wir möchten ja auch mit den Dirigenten, die nicht Chef werden in Zukunft noch zusammenarbeiten können.

Also kommt Simone Young, Jahrgang 1961 und einst Chefdirigentin und Intendantin der Oper in Hamburg, als Gast ans Pult, (27. Januar, Werke von Widmann und Schumann), schauen der Gewandhausorchester-erprobte Alexander Shelley (38, 14.10., Debussy, Mozart, Brahms; 3.11., Holst, Braunfels, Stephan, Barber) und Robert Trevino (35, 23.9., Bruch, Mahler) vorbei oder Andris Poga (37, 13.4., Ravel, Mussorgski/Ravel) und und und.

Nicht in die Kandidaten-Kategorie fallen dagegen die Pult-Granden Dennis Russel Davies (74, 10.3., Bruckner; 17.3., Ellington, Dauner, Davis) und Marek Janoswski (79, 28.10., Bruckner, Messiaen; 10.11., Brahms, Schubert), die wohl eher aus Gründen der Orchester-Hygiene eingeladen wurden. Und auch nicht Risto Joost (37).

Der steht zwar gleich sieben Mal vor dem MDR-Chor, dessen Chef er seit 2015 ist und/oder dem Rundfunksinfonieorchester. Aber auch er ist auf dem Sprung: Sein 2019 auslaufender Vertrag wird nicht verlängert, weil „Risto sich“, sagt Louis, „künftig mehr auf das sinfonische Repertoire konzentrieren will“. Das hat er in Leipzig auch in den vergangenen Jahren schon ausführlich getan und wird es weiter tun. Vom Abgang Kristjan Järvis beispielsweise profitiert er dadurch, dass er am 1. September in Suhl den Musiksommer mit Pärt und Schubert beenden und am 16. September im Gewandhaus die neue Saison eröffnen darf – mit Mahlers Auferstehungs-Sinfonie.

Seinen Leipziger Mendelssohn-Schwerpunkt führt er überdies weiter mit dessen Einrichtung der Matthäus-Passion (30. März Dresden, 31. März Gewandhaus). Am 1. (Erfurt) und 2. Februar (Gewandhaus) dirigiert er neben Werken von Pizzetti und Debussy Strawinskys großartigen „Oedipus Rex“, dazu kommen Chorkonzerte in Peterskirche und Paulinum.

Durch seinen bevorstehenden Weggang sind folglich auch die Gastdirigenten beim MDR-Rundfunkchor potenzielle Nachfolger: Gijs Leenars (u.a. Nachtgesang am 28. September), Florian Helgath (25. Januar) und Martina Batic (24. Mai). Fest steht dabei: Der Joost-Nachfolger, die Joost-Nachfolgerin soll wieder mehr die eigentliche Chorarbeit in den Focus seiner/ihrer Bemühungen stellen.

Das tut Alexander Schmitt, sei Januar Chef des MDR-Kinderchors, ohnehin. Die kommende Saison ist die erste, die komplett unter seiner Verantwortung steht, und sie verspricht einige Neuigkeiten. Ein neues Weihnachtsmärchen zum Beispiel („Bübchens Weihnachtstraum“ von Engelbert Humperdinck, 16. Dezember Gewandhaus) mit dem großen Sinfonieorchester oder „Musikalische Märchen aus 1001 Nacht“, die am 16. Juni 2019 im UT Connewitz den Kinderchor mit einem orientalischen Instrumentalensemble zusammenbringen.

Apropos zusammenbringen: „Künftig wollen wir versuchen“, sagt Chormanagerin Claudia Zschoch, „wenigstens einmal pro Spielzeit alle drei Klangkörper gemeinsam musizieren zu lassen“. In der kommenden geschieht dies am Ende: Am 6. Juli 2019 dirigiert Christoph Gedschold, Leipzigern bestens bekannt aus der Oper, in Suhl Orffs Carmina burana mit MDR-Kinderchor, -Chor- und -Sinfonieorchester.

Bis dahin werden, sagt Orchestermanagerin Karin Kopp, „die Repertoire-Schwerpunkte etwas verschoben. Es gibt einen klaren Fokus auf die Klassik, vor allem auf Haydn, ein in den letzten Jahren ein wenig vernachlässigtes Repertoire. Dazu setzen wir zwei inhaltliche Schwerpunkte zum 100. Bauhaus-Geburtstag im nächsten und 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs in diesem Jahr.“

Die gesamte Spielzeit gibt’s unter www.mdr.de; Karten und Abos u.a. in der Ticketgalerie in der Hainstraße sowie unter www.ticketgalerie.de

Von Peter Korfmacher

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