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Augen-Blicke machen Musik Junge Dirigenten beim Operetten-Workshop in der MuKo

Augen-Blicke machen Musik Junge Dirigenten beim Operetten-Workshop in der MuKo

In der Musikalischen Komödie beginnt das Jahr am Samstag mittlerweile schon traditionell mit dem Abschlusskonzert des Operetten-Workshops Junger Dirigenten. In 2014 bereiten sich sechs außergewöhnliche Talente auf die Leitung des Orchesters vor, so Roland Seiffarth.

Leipzig. Sie reißt die Augen weit auf, wirft ihren Blick nach links. Die beiden Operettensänger stimmen im Duett romantische "Rosenknospen" an. Die Lider von Giedré Šlekyté senken sich über die blauen Iriden. Ihre Brauen ziehen sich zu einer fast geschlossenen Welle zusammen. Während das Orchester dem ruhig-eleganten Schwung des Taktstocks der jungen Leipziger Studentin folgt. Das Zusammenspiel mit dem 40-köpfigen Orchester der Musikalischen Komödie und den Sängern scheint zu funktionieren. Die Anspannung weicht für einen Moment aus dem Blick. Ein Lächeln zeichnet sich im ganzen Gesicht der 24-Jährigen ab. Der Körper spielt ihr Instrument - das Orchester - und in Augen-Blicken spiegelt sich auch die Stimmung der Musik.

Bis Roland Seiffarth von der Seite des Proberaums in der Leipziger Oper regelrecht hereinspringt und fast das Dirigieren übernimmt. Dann unterbricht der MuKo-Ehrendirigent. "Da dia, da dia dia, so muss es sein", sagt der 73-Jährige. Šlekyté zieht die Brauen hoch. "Das muss erst hier", erklärt der Leiter des Operetten-Workshops für Junge Dirigenten. Die Studentin lächelt und nickt. Freundlich bittet sie das Orchester um einen neuen Versuch, bei Takt 52 des Stücks von Franz Lehár aus "Die lustige Witwe".

"Auch wieder so ein schweres Stück, warum habe ich gerade das rausgesucht", fragt Seiffarth halblaut, als er sich wieder auf seinen Stuhl setzt. Auf dem der Vollblut-Operetten-Dirigenten nie ruhig bleiben kann. Mit jeder Faser seines Körpers geht er bei jedem Takt mit. Die schweren Stücke hat er vermutlich gewählt, weil er hier die besten Nachwuchstalente vor sich hat. "Die sechs Teilnehmer des Dirigentenforums sind aus über 60 Bewerbern ausgewählt worden", wie die Assistentin für Projektleitung des Deutschen Musikrates, Esther Klose, sagt.

Dabei sind längst nicht mehr alle Studenten. Mihhail Gerts etwa ist bereits Kapellmeister an der Nationaloper Estlands. "In diesem Jahr sind es sechs ganz wunderbare junge Dirigenten", sagt Seiffarth. Die ganz unterschiedlich begabt und in ihren Persönlichkeiten seien - aber alle "sehr gut". Obwohl der Operetten-Workshop mittlerweile im 17. Jahr stattfindet, diese Talente hob der Fachmann hervor.

Die Dirigenten im Alter zwischen 22 und 29 Jahren haben ihren Lebensmittelpunkt im deutschsprachigen Raum. Das ist Voraussetzung, um als Stipendiat ins Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen zu werden. Das hat sich die Förderung junger Dirigenten zur Aufgabe gemacht und vergibt zusammen mit der Oper Leipzig in diesem Jahr den 6. Deutschen Operettenpreis im Rahmen des Abschlusskonzerts. Zudem lässt die Leipziger Volkszeitung einen Publikumspreis wählen. "Manchmal deckt sich das Urteil von Fachjury und Zuhörern, manchmal auch nicht", so Klose vom Deutschen Musikrat.

Das Konzert, mit dem der Operetten-Workshop abschließt, ist inzwischen zur Institution an der MuKo gewachsen. "Das ist wichtig. Die jungen Dirigenten haben bei ihrer heutigen Ausbildung kaum die Chance, Operette zu lernen", betont Seiffarth, der sich seit über 50 Jahren mit dem Genre befasst. Dabei ist es gerade die Operette, die viele junge Dirigenten häufig gleich beim Einstieg in die Arbeitswelt spielen müssten.

So selten eine Gelegenheit, desto intensiver wird sie genutzt - wie diese vier Tage. Die sechs Teilnehmer sind begeistert, beraten sich untereinander, gehen bei jedem Stück mit. "Es ist faszinierend, wie Roland Seiffarth gleich spürt, wenn etwas nicht stimmt", sagt Šlekyté, die an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater studiert. Es bringe etwas auf lange Sicht, denn in so kurzer Zeit, könne gar nicht alles aufgenommen werden.

Die Herausforderung der Operette ist groß. Doch das Orchester kennt fast schon das ganze Programm - im Gegensatz zu den jungen Dirigenten. Der Vorteil: Wenn ein Takt zu schnell vorgegeben wird, dann unterstützen auch die Musiker der MuKo mit freundlichen Rat. Manchmal einfach mittendrin mit einem Blick. "Beim Konzert müssen die Augen mitspielen - auf jeden Fall", sagt Šlekyté. Es sind die Augen(-)Blicke die Musik machen.

iAbschluss-Konzertgala: morgen, 19.30, Uhr, Musikalische Komödie Leipzig. Restkarten (12-33 Euro) an der Abendkasse oder unter Tel. 0341 1261261. MDR Figaro überträgt live

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.01.2014

Mathias Pöls

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