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Kultur Aus dem Schlafzimmer gebloggt: Eine Internetseite erzählt "Leipziger Bettgeschichten"
Nachrichten Kultur Aus dem Schlafzimmer gebloggt: Eine Internetseite erzählt "Leipziger Bettgeschichten"
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17:53 22.08.2014
Über den Dächern von Leipzig: Eric Kemnitz (links) und Martin Neuhof mit den Models Anja (links) und Denise. Quelle: Wolfgang Zeyen

Die fröhlichen Studentinnen haben bereits ihr Bett aufs Dach getragen, halsbrecherisch in Einzelteilen, und dort in der Nachmittagssonne wieder zusammengebaut. Am schwersten sei die Matratze gewesen, sagen sie.

Wozu der ganze Aufwand? Weil der Vierer jetzt und hier eine "Leipziger Bettgeschichte" produziert.

Eric und Martin veröffentlichten bislang 40 davon - in ihrem Blog leipziger-bettgeschichten.de. Es geht ihnen um Menschen von nebenan und um deren Schlafzimmer. Gezeigt werden jeweils die Wohnungstür, das Bett mitsamt seiner Nutzer sowie ein charakteristisches Detail.

Im November letzten Jahres begannen sie mit den Vorbereitungen, seit Februar ist die Sache im Netz, erzählt Eric und sagt: "Mindestens ein Jahr lang wollen wir das durchziehen."

Dann positioniert er das Bett auf dem Dach neu, weg von der Giebelwand, hin zu einer Stelle, von der man bis in die Innenstadt schauen kann. Wenn man sich umdreht beinahe auch bis zur Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, an der die heutigen Modelle Betriebswirtschaftslehre studieren, das ihrer Meinung nach "schönste Fach der Welt". Und genau deshalb wohnen Anja aus Grimma und Denise aus Rudolstadt seit Sommer 2011 in dieser WG in der Leipziger Südvorstadt.

Eric und Martin wiederum betreiben ein Fotostudio in der Funkenburgstraße. Dort dachten sie vergangenes Jahr über ein Folgeprojekt von Martins "101 Helden" nach. Bei denen sei die größte Schwierigkeit gewesen, potenzielle Mitwirkende unvermittelt auf der Straße anzusprechen. Jetzt laufe die Akquise über Bewerbungen, Dreh- und Angelpunkt dafür ist die Internetpräsenz der "Leipziger Bettgeschichten".

"Wird sich überhaupt jemand melden?", fragten sich die beiden Macher zu Beginn ihrer Aktion. Aber es funktionierte und funktioniert. Dennoch suchen sie immer - und zwar Leipziger jeden Alters, sie wollen Vielfalt zeigen. "Mal ein älteres Ehepaar wäre cool", meint Martin, außerdem hätten sie noch niemanden aus Grünau oder Mockau im Blog.

Im Gegensatz dazu seien die Südvorstadt und ihre Altersgenossen, die 20- bis 30-Jährigen, überproportional stark vertreten. Die bis heute ungewöhnlichste Begegnung für die Fotoblogger war die mit einer Drag Queen mitsamt ihres Visagisten - "da haben wir einfach dokumentiert".

Eric stammt aus Mölkau, Martin aus Gohlis, beide sind Leipziger von Geburt an, hier großgeworden und nie längere Zeit weggewesen. Dementsprechend kommen ihre Bettgeschichten ausschließlich aus der Messestadt und dem nahen Umland. Normalerweise kennen sie die Leute und Schlafzimmer, die sie aufsuchen, vorher nicht. Gerade das mache es spannend.

Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Bildern - kein Wunder bei zwei Fotografen. Und sie wollen Neugier wecken und Neugier stillen, einschließlich der eigenen. Hierbei helfen die Antworten der Abgelichteten auf die vorbereiteten Fragebögen.

An manchen Tagen entstehen so vier Geschichten, an anderen eine, im Blog zu sehen sind zwei in der Woche. "Pro Folge brauchen wir im Durchschnitt eine Stunde", erklärt Eric, "manchmal nur 20 Minuten, manchmal aber auch drei Stunden." Denn ab und zu "verquatschen" sie sich mit ihren Gastgebern beim Bier in der Küche. Diesmal aber müssen sie los, zwei weitere Termine warten, noch einer in der Südvorstadt sowie einer in Gohlis.

Anja und Denise wollen nach der Aufregung das Bett oben stehen lassen und auf dem Dach übernachten, Fußball geguckt und gefeiert haben sie hier schon.

www.leipziger-bettgeschichten.de; www.101helden.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.08.2014

Bert Hähne

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