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Ausstellung zur Zeitschrift "Gartenlaube" - einem Phänomen auf der Spur

Ausstellung zur Zeitschrift "Gartenlaube" - einem Phänomen auf der Spur

Die Idee wurde hinter Gittern geboren: Verleger Ernst Keil (1816-1878), ein Vormärz-Revolutionär, der mit der Zensur in Konflikt geriet, saß gerade im Gefängnis, als er "Die Gartenlaube" entwickelte.

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Hannelore Schneiderheinze bereitet die Ausstellung "Illustrierte Idylle?" in der Deutsche Nationalbibliothek vor, die morgen Abend öffnet.

Quelle: André Kempner

Diesem Massenblatt widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Nationalbibliothek eine Sonderschau, die am Donnerstag öffnet.

 "Illustrierte Idylle?" ist die kleine Kabinettschau im so genannten Tresor der Deutschen Nationalbibliothek überschrieben. Als der Leipziger Verleger Keil vor 160 Jahren die erste Ausgabe seiner Zeitschrift ankündigte, ahnte er sicher nicht, dass er damit quasi den Grundstein für die Entwicklung moderner Boulevardmagazine legte. Gemeinsam mit dem "Pfennig-Magazin" (1830) sowie der "Illustrirten Zeitung" (1843)wurde so der Beginn der illustrierten Massenpresse im 19. Jahrhundert eingeleitet. "Als Ratgeber und Unterhalter fand die Zeitschrift in vielen Bücherschränken ihren Platz", erklärt Hannelore Schneiderheinze, die die Ausstellung erarbeitete. Die Schau will ihren Besuchern einen kleinen Einblick in die Herstellungstechniken und verschiedenen Gesichtern des Massenblattes bieten.

 "Die Gartenlaube" hat damals zwar den Zeitgeist getroffen, steht aber auch als Synonym für eine rührselige und idyllische Bildwelt. "Dabei hat sie auch viel zur Aufklärung des Bürgertums beigetragen. Keil hatte viele namhafte Wissenschaftler als Autoren gewonnen, die in leicht verständlicher Form neueste Erkenntnisse vermitteln", so Schneiderheinze. Dazu gehörten unter anderem Roßmäßler und Brehm sowie der Reiseschriftsteller Gerstäcker. 1875 hatte die Zeitschrift immerhin eine Auflage von 382 000 Exemplaren. "Es war keineswegs ein unpolitisches Blatt. Auf aktuelle politische Themen wurde aber nicht offensiv eingegangen", so die Expertin.

 Nach dem Tod Keils verkaufte seine Witwe den Verlag an die Gebrüder Kröner aus Stuttgart, die zwar Bewährtes beibehielten, das Blatt aber national-konservativ ausrichteten. 1916 wechselte "Die Gartenlaube" in den Hugenberg-Konzern. Seitdem wurde sie durch Berichte über Staatsfeierlichkeiten und Kriegsereignisse, über die glitzernde Filmwelt oder triviale Fortsetzungsromane geprägt. 1933 erfolgte schließlich die Instrumentalisierung durch die nationalsozialistische Propaganda. 1938 erschien nach der Umbenennung "Die neue Gartenlaube", die 1944 ihr Erscheinen einstellte.

 

 

Eröffnung ist am Donnerstag um 19 Uhr, danach Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.11.2013

Mathias Orbeck

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