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Axl Rose bei AC/DC - „Seine Stimme passt einfach zu uns“

Konzert in Leipzig Axl Rose bei AC/DC - „Seine Stimme passt einfach zu uns“

AC/DC mit Axl Rose auf dem „Highway To Hell“ – das konnten sich Fans der Aussie-Rocker bis vor kurzem nicht vorstellen. Doch der Ersatzmann kann durchaus überzeugen. Vor dem Konzert am 1. Juni in Leipzig sprach Olaf Neumann mit Bandgründer Angus Young (61) und Bassist Cliff Willams (66).

Angus Young (links) und Axl Rose.

Quelle: dpa

Leipzig. War es naheliegend, Axel Rose zu fragen, als Sie einen Ersatzmann für Brian Johnson suchten?

Angus Young: Eigentlich nicht. Als wir von Brians schweren Hörproblemen erfuhren, wussten wir zuerst nicht, wie es weitergehen sollte. Aber dann erzählte uns jemand, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten, dass Axl Rose uns gerne dabei helfen würde, diese Tour zu Ende zu bringen.

Also hat Axl Rose Sie angesprochen?

Young: Ja. Er war sehr enthusiastisch, was uns betrifft und stand praktisch in den Startlöchern.

Was befähigt ihn, bei AC/DC zu singen?

Young: Nun, er hat vor allem eine enorme stimmliche Bandbreite. Guns N’Roses haben bei ihren Konzerten immer auch ein paar Songs von uns gespielt. Von daher wusste ich, dass Axl dazu in der Lage ist.

Williams: Er singt diese Songs wirklich sehr gut. Seine Stimme passt einfach zu uns.

Bei Ihrer ersten gemeinsamen Show in Los Angeles musste Axl Rose aufgrund einer Verletzung im Rollstuhl sitzen. Wie war das?

Young: Axl hatte sich am Fuß verletzt, als er mit Gun N’Roses eine Clubshow spielte. Aber als er sich bei uns vorstellte, stand er noch aufrecht! Axl ist ein extrem disziplinierter Mensch, er kam direkt nach seiner Operation zu den Proben.

Williams: Obwohl er im Rollstuhl saß, hat er sich den Arsch abgesungen. Beeindruckend! Aber es geht ihm von Show zu Show besser, er kann inzwischen wieder laufen.

Angus Young beim Konzert in Bern.

Angus Young beim Konzert in Bern.

Quelle: dpa

Haben Sie dank Axl Rose jetzt mehr Optionen? Sie spielen bei dieser Tour ja auch Songs, die Sie seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst haben.

Williams: „Touch Too Much“, „If You Want Blood“ oder „Rock’n’Roll Damnation“ waren allesamt Vorschläge von Axl. Es ist toll, in den eigenen Backkatalog einzutauchen. Erfrischend sowohl für uns als auch für das Publikum.

Machen Sie gerade eine Verjüngungskur durch?

Young: Das liegt an den besonderen Umständen. Sogar Axl sagt, dass es eigentlich nichts zu feiern gibt, denn Brian war ein großartiger und wichtiger Teil dieser Band. Nichtsdestotrotz findet Axl es aufregend, diese Songs zu singen gemeinsam mit den Leuten, die sie geschrieben haben.

Ist das ein neuer Anfang für AC/DC oder lediglich eine Interimslösung?

Williams: Axl Rose ist für uns eine tolle Möglichkeit, diese Tour zu Ende zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber dieser Kerl ist und bleibt herausragend.

Und wie geht es Brian Johnson?

Williams: Es geht ihm gut. Er arbeitet intensiv an seinem Gehör gemeinsam mit einem Spezialisten, der in seiner Stadt lebt. Brian muss jetzt sein Gehör schützen und alles dafür tun, es zu verbessern.

Was werden Sie tun, wenn die Ärzte ihm davon abraten, jemals wieder aufzutreten?

Young: Axl machen diese Shows riesigen Spaß, aber wie es danach mit AC/DC weitergeht, wissen wir nicht.

Haben Sie jemals in Betracht gezogen, ganz aufzuhören?

Young: Aufhören? Diese Entscheidung würde mir persönlich extrem schwer fallen.

Rente ist im Rock’n’Roll-Geschäft keine Option?

Young: Keine Ahnung. Man macht es halt, solange man sich dabei gut fühlt. Du weiß ja nicht, was morgen passiert. Ich spiele jedenfalls weiter und Cliff auch.

Williams: Und es ist großartig!

Axl Rose und Angus Young.

In den letzten Monaten hat die Musikwelt etliche große Stars verloren: Lemmy, David Bowie, Prince. Wie möchten Sie eines Tages abtreten?

Young: Wenn ich eines Tages Goodbye sage, dann tue ich das hoffentlich mit einem guten Gefühl. Ich möchte einen schönen Abgang haben. Die Vorstellung, von einem Bus überfahren zu werden, finde ich schrecklich. Das macht bestimmt keinen Spaß.

Ist AC/DC Ihr Schicksal?

Young: Also meines auf jeden Fall. Ich bin ja der letzte von der Originalbesetzung. Aber auch Cliff hat einen großen Batzen seines bisherigen Lebens mit AC/DC verbracht. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich mit 61 noch in einer Schuluniform rumlaufen würde. Aber hier bin ich. Und sie passt immer noch!

Können wir irgendwann auf ein neues Album von AC/DC hoffen?

Young: Keine Ahnung. Wenn wirklich alles gut läuft, dann hoffe ich ja.

Schreiben Sie bereits neues Material?

Young: Wenn ich auf Tour eine gute Idee habe, schreibe ich sie natürlich auf. In Amerika zum Beispiel sind mir ein paar schöne Sachen eingefallen.

Neigen Sie dazu, jede neue Idee automatisch mit Ihren größten Erfolgen zu vergleichen?

Young: Nein, damit würde ich mich bloß einschränken. Als erstes denke ich immer: Ist das ein guter Song? Das ist das einzige Kriterium. Aber manchmal denke ich: „Das ist eine gute Idee, aber es geht noch besser“. Auf diese Weise fordere ich mich selber heraus.

Wer beeinflusst Sie heute?

Young: Ich höre heute immer noch dieselben Sachen, die ich bereits in jungen Jahren gehört habe. Taylor Swift ist für einen Rockmusiker nicht besonders spannend.

Williams: Aber sie sieht sehr gut aus!

Wer ist eigentlich Ihre Lieblingsband aus Deutschland?

Young: Da muss ich einen Moment drüber nachdenken. Wahrscheinlich sind es die Scorpions. Ich kenne Klaus (Meine, die Red.) sehr gut. Die Scorpions gibt es ja auch schon eine ganze Weile. Sie haben Geschichte geschrieben und sind immer noch sehr populär. Das muss man sagen.

Interview: Olaf Neumnann

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