Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bachfest: Die Unmittelbarkeit des Erlebens der Vita Christi

Bachfest: Die Unmittelbarkeit des Erlebens der Vita Christi

Auferstehung und Himmelfahrt - das Oratorium gibt zugleich den Titel fürs Konzert. Logisch fügt sich der Abend in die diesjährige dramaturgische Idee des Bachfests, das unter dem Titel "Vita Christi" Stationen der Lebens- und Heilsgeschichte Jesu Christi musikalisch nachzuzeichnen versucht, mit Werken Bachs und flankierenden Kompositionen aus anderen Epochen der Musikgeschichte.

Voriger Artikel
Tierschützer protestieren in Leipzig gegen Blutspektakel - 20 Störer auch im Centraltheater
Nächster Artikel
Josef Bulvas Kreuzzug für Bohuslav Martinu

Hermann Max mit der Rheinischen Kantorei und seinem Orchester Das Kleine Konzert in der Nikolaikirche

Quelle: Wolfgang Zeyen

So am Freitagabend mit dem Oratorium "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" von Carl Philipp Emanuel Bach. Die herrliche Kantate "Halt im Gedächtnis Jesum Christ" vom Senior füllt den Abend zur Konzertlänge auf. Hier geht das Konzept auf. Denn das selten zu hörende Oratorium des Bach-Sohnes ist ein Schlüsselwerk für das Verständnis der Gattungsentwicklung.

Hört man es vor der Folie der Werke des Vaters - und wie sollte man sich beim Bachfest hiervon befreien -, sticht zunächst die abweichende Konzeption hervor. Es gibt nämlich weder Bibeltext noch Choräle. Das zweiteilige Libretto von Karl Wilhelm Ramler nähert sich der Handlung vielmehr im Modus der Nacherzählung und Interpretation - und zwar ganz in der Sprache und Gedankenwelt des 18. Jahrhunderts. Die Musik ist weniger gelehrsam und komplex, sondern sucht die persönliche Berührung mit dem Geschehen.

Die kann nur herstellen, wer Emotionen zulässt. Wie Hermann Max, der mit seinen Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert auf Unmittelbarkeit des Erlebens setzt und die kontrastreichen Farben des Werks herausarbeitet, die oft genug gar in ein und derselben Arie Platz finden. Maximale Präsenz verlangt er von Musikern wie Sängern, schießt mit seinem federnden Schlag immer wieder kleine Impulse in den Raum, lässt aber auch Linien blühen. Das Orchester zeigt sich diesem höchste Virtuosität fordernden Zugang sicher gewachsen. Auch wenn in der Intonation der Streicher und im Zusammenspiel noch Luft nach oben ist.

Der Chor lässt keine Wünsche offen, präsentiert sich lebendig und strahlend. Carl Philipp Emanuel setzt ihn eher flächig ein, die Fugenfreunde kommen aber in der einleitenden Kantate auf ihre Kosten. Die Gesangssolisten bestechen vor allem durch expressive Textausdeutung. Georg Poplutz und Matthias Vieweg greifen in den atmosphärisch dichten Rezitativen des zweiten Teils direkt ans Herz. Veronika Winters Sopran wirkt im Timbre etwas eng, im Ausdruck aber packend. Margot Oitzinger zieht sich angesichts ihrer undankbaren Aufgabe - nach zwei Rezitativen in der Kantate ist für sie Schluss - auf Sprechgesang zurück.

Die musikhistorische Bedeutung von Carl Philipp Emanuel Bach in Erinnerung zu rufen, heißt, offene Türen einzurennen. Aufführungen seiner Musik, zumal hochklassige wie diese, gibt es aber immer noch recht wenige. Vielleicht wird sich das ja 2014 ändern, wenn der 300. Geburtstag ansteht - die Musikwelt hat sich ja weitgehend geeinigt, solche Jubiläumszyklen als nützliche Vehikel anzusehen. Die "Auferstehung und Himmelfahrt" zeigt sich prädestiniert, einen wichtigeren Platz im Konzertleben einzunehmen. Von den düsteren Tönen des Anfangs bis zum strahlenden Trompetenfinale folgt man jedem Takt dieser herrlichen Musik gerne, der Truppe von Hermann Max sei Dank. Freundlicher Applaus fürs Orchester, Jubel für Solisten und Chor. Benedikt Leßmann

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.06.2013

Benedikt Leßmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr