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Bachmann-Preis für Ferdinand Schmalz

Tage der deutschsprachigen Literatur Bachmann-Preis für Ferdinand Schmalz

Diesmal gewinnen tatsächlich die Favoriten: Bei den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur geht der Bachmann-Preis an de österreichischen Dramatiker Ferdinand Schmalz, der Amerikaner John Wray erhält den erstmals vergebenen Deutschlandfunkpreis. Und einen besten Juror gibt es auch.

Die Preisträger am Sonntag in Klagenfurt: (v.l.n.r.): John Wray (Deutschlandfunkpreis), Gianna Molinar (3sat-Preis), Ferdinand Schmalz (Bachmann-Preis), Karin Peschka (Publikumspreis) und Eckhart Nickel (Kelag-Preis).

Quelle: Puch Johannes

Leipzig. Der erste Name macht schon die Runde, als die Autoren noch beim Sonntagsfrühstück sitzen: Klaus Kastberger ist der beliebteste Bachmann-Juror. Zum dritten Mal. Ermittelt wird das in einer nicht repräsentativen Abstimmung im literaturcafe.de, die wiederum Zeugnis dafür ablegt, dass es bei den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt auch immer um das Drumherum geht. Dazu gehört unbedingt die öffentliche Text-Kritik der Jury – performt im ORF-Theater, verfolgt im Saal, im Garten, im Livestream.

Erst am Ende zählt allein der beste Text und damit der Gewinner des mit 25 000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preises. Es ist: Ferdinand Schmalz mit „mein lieblingstier heißt winter“. Der Dramatiker, 1985 in Graz geboren, muss sich in einer Stichwahl gegen John Wray durchsetzen. Womit es tatsächlich die beiden Favoriten des Wettbewerbs in die letzte Runde geschafft haben. John Wray bekommt den erstmal vergebenen Deutschlandfunk-Literaturpreis, dotiert mit 12 500 Euro. Der in Brooklyn lebende Amerikaner, Jahrgang ’71, hat zwar schon einige Romane veröffentlicht, doch zum ersten Mal in einer Sprache geschrieben, die nicht seine Muttersprache ist, sondern die Sprache seiner Mutter.

Die besten Geschichten?

Vier Tage voller Geschichten, Diskussionen, Urteile. Nach der Eröffnung mit einer Rede des Schriftstellers Franzobel am Mittwochabend übertrug 3sat von Donnerstag bis Samstag alle Lesungen live. Eine halbe Woche, die sich angefühlt hat wie eine Entschädigung für die ansonsten im deutschen Fernsehen halbherzig präsentierte literarische Unterhaltung. Manche Beiträge wirkten aber auch wie eine Erklärung für dieses Manko.

Alle sieben Juroren dürfen je zwei Kandidaten vorschlagen, die sie für preiswürdig halten, in deren Texten sie Potenzial sehen, die sprachlich und mit einer guten Geschichte überraschen oder zumindest überzeugen. Kurz: Die besten Beispiele der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur sollen es sein, Antworten auf gestellte oder ungestellte Fragen im Spiegel der Wirklichkeit. So ist es nicht immer.

Das Publikum kürt seinen Sieger online unter allen Teilnehmern – den insgesamt sieben Autorinnen und sieben Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Jury setzt nur die Hälfte auf die sogenannte Shortlist, um unter ihnen vier Auszeichnungen zu vergeben, zur Wahl stehen dann noch Urs Mannhart, Barbi Markovic, Gianna Molinari, Eckhart Nickel, Ferdinand Schmalz, Jackie Thomae und John Wray.

Bester erster Satz

Karin Peschka ist nicht dabei. Ihr Beitrag über die Schutzlosigkeit eines „Wiener Kindl“, über die Brüchigkeit einer auseinanderfallenden Welt gefällt dafür dem Publikum am besten. Mit diesem Votum hat selbst die 1967 in Linz geborene Peschka nicht gerechnet. „Ich geh leer aus – was heißt das?“, habe sie noch kurz vor der Bekanntgabe in ihr Notizbuch notiert, gewonnen hätte sie ohnehin in den Tagen zuvor, nämlich: Selbsterkenntnis.

In seinem Schlusswort betont der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels „den Eigenwert der Literatur“. Einen Wert, der die Welt auf eine andere Weise und von einer anderen Seite sehen lässt, als es die Politik beispielsweise vermag. So wie bei Eckart Nickel, geboren 1966 in Frankfurt am Main. Er wird nicht nur inoffiziell für den besten ersten Satz geehrt („Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.“), sondern offiziell mit dem Kelag-Preis (10 000 Euro), weil es ihm gelinge, das deutsche Leiden an der Gegenwart und seine Auswüchse deutlich zu machen, wie Juror Michael Wiederstein in seiner Laudatio sagt.

Einige der 14 Geschichten haben sich mit Migration befasst, aber nur eine gilt als gelungen: „Loses Mappe“ von Gianna Molinari; sie bekommt den 3sat-Preis (7500 Euro). Die Schweizerin (Jahrgang 1988) hat 2012 in Leipzig den ersten wie auch den Publikumspreis des inzwischen begrabenen MDR-Literaturwettbewerbes gewonnen. Ein Jahr, bevor Ferdinand Schmalz hier den 2. Preis mit nach Hause nahm.

„Leerstellen, in denen ein Geheimnis ruht“

Schmalz’ Stücke „am beispiel der butter“ und „der herzerlfresser“ wurden am Schauspiel Leipzig uraufgeführt, derzeit arbeitet er an „jedermann (stirbt)“, einem Auftragswerk fürs Wiener Burgtheater. „In der Schmalz-Sprache herrscht das perfekte Chaos, das bis ins kleinste Detail gearbeitet ist“, würdigt Jurorin Sandra Kegel ihren Autor, lobt dessen „großartig gezeichnete Figuren“, sein feines Gespür für das vermeintlich Randständige und „für jene Leerstellen, in denen das Geheimnis ruht“.

Sie spricht von einer „von gammliger Erhabenheit getragenen Schauergeschichte“ mit drei Männern, zwei Todesfällen und einem Eisschrank. Nicht zu vergessen das Rehragout, das für Klaus Kastberger „ein sprechendes Rehragout“ war. So etwas gibt es nur in Klagenfurt.

Autoren, Texte, Diskussionen: bachmannpreis.eu

Von Janina Fleischer

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