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Kultur Bamberger Barbaren: Der Film „Die Seelen im Feuer“ erzählt von der Hexenverfolgung
Nachrichten Kultur Bamberger Barbaren: Der Film „Die Seelen im Feuer“ erzählt von der Hexenverfolgung
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23:00 01.03.2015
Nino Böhlau (l) als Hansi Moorhaupt und Axel Milberg als Dr. Herrenberger bei Dreharbeiten in Bamberg Quelle: David Ebener
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Anders als die meisten jener Bestseller, die Spätmittelalter und frühe Neuzeit als exotischen Hintergrund für ein Melodram nutzen, geht es in dem Roman der Historikerin Sabine Weigand um die Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert – und das ist ein Kapitel der deutschen Geschichte, über das bislang seltsamerweise kaum Filme gedreht worden sind.

Zunächst jedoch erinnert die Verfilmung des Buches mit dem Titel „Die Seelen im Feuer“ (Regie: Urs Egger) an viele vergleichbare Werke, die vor lauter Authentizitätszwang wie ein filmisches Freilichtmuseum anmuten. Erzählt wird die Geschichte, wie der Wiener Mediziner Cornelius Weinmann im Jahr 1630 in seine Heimatstadt Bamberg gerufen wird; sein Vater liegt im Sterben. Er will das rückständige Städtchen umgehend wieder verlassen, doch zuvor muss er den örtlichen Fürstbischof Fuchs von Dornheim (Paulus Manker) von einem Blasenstein befreien. Und dann soll er an der Examination von Menschen teilnehmen, die der Hexerei beschuldigt werden.

Der Schauspieler Mark Waschke macht Weinmann mit seinen markanten Gesichtszügen zur perfekten Identifikationsfigur: Gemeinsam mit dem fortschrittlichen Arzt wird der Zuschauer fassungslos Zeuge barbarischster Vorgänge. Dass der Medikus im Folterkeller auch seiner Jugendliebe (Silke Bodenbender) begegnet, einer Apothekerin und Kräuterkundlerin, erhöht naturgemäß die emotionale Spannung. Kirchenfürsten wie Fuchs von Dornheim, den Manker mit exakt jener Dekadenz versieht, die das Klischee vorschreibt, nutzten den Hexenglauben, um ihre im Zuge der Reformation schwindende Macht zu stabilisieren.

Spiritus Rector des Fürstbischofs ist Weihbischof Förner, ein finsterer Intrigant, der die Hexenjagd nutzt, um politische Gegner wie etwa den Bürgermeister (Richy Müller) aus dem Weg zu räumen; eine Rolle wie geschaffen für Alexander Held. Gruselig ist Axel Milberg als unerbittlicher Hexenkommissar. Sabine Weigand hat für ihren Roman umfangreiche Recherchen betrieben. Mit Ausnahme des Arztes und seiner Geliebten haben die wichtigsten Figuren tatsächlich gelebt. Viele Dialoge

stammen aus den akribisch verfassten Verhörprotokollen, was die Vorgänge im Folterkeller noch ungeheuerlicher macht.

Die Drehbuchautorin Annette Hess verweist auf die Parallelen zum gleichfalls mit buchhalterischer Gründlichkeit dokumentierten deutschen Massenmord 300 Jahre später. Der Mechanismus, eine unterlegene Gruppe zu Unheilsbringern zu erklären, um auf diese Weise leichtgläubige Menschen zu verängstigen und aufzuwiegeln, erinnert sie zudem an die Pegida-Bewegung. Die Bildgestaltung des mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Kameramanns Holly Fink („Dresden“, „Mogadischu“) ist herausragend. Die Lichtchoreographie, für die sich Fink durch die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts (allen voran Jan Vermeer) inspirieren ließ, ist eine Kunst für sich. Die Aufklärung jedoch – sie brauchte noch eine Weile, bis sie die Herrschaft der Bamberger Barbaren beendete.

„Die Seelen im Feuer“ | ZDF, Historisches Drama mit Axel Milberg und Mark Waschke

Montag, 20. 15 Uhr

Tilmann P. Gangloff

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Auf den ersten Blick wirkt „Die Seelen im Feuer“ wie eine weitere jener Historienfilme, in denen mutige Menschen die Finsternis erleuchten wollen und einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Beschränktheit ihrer Zeitgenossen führen.

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