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Baroness in Leipzig: Erstes Konzert seit der Buskatastrophe der Metalband

Conne Island Baroness in Leipzig: Erstes Konzert seit der Buskatastrophe der Metalband

Ein Bremsversagen ließ den Bandbus der US-Metal-Vorreiter Baroness im August 2012 neun Meter in die Tiefe stürzen. Die Gruppe um John Baizley hat die Katastrophe, die wie durch ein Wunder alle überlebt haben, nun auf einem Album verarbeitet, das sie am Dienstag im Conne Island vorstellt.

Zumindest körperlich genesen: Peter Adams (ganz links) und John Baizley (Dritter von links) mit den neuen Baroness-Kollegen.

Quelle: Jimmy Hubbard

Leipzig. „Als wir abhoben, kreuzten sich die Blicke von mir und unserem Fahrer: Wir hatten beide den gleichen Gesichtsausdruck. Wir waren lange genug in der Luft, um das unausweichlich erscheinende Schicksal zu akzeptieren, und sahen einander mit einem schrecklich stummen ‚Adieu’ in unseren Augen an.“

Mit diesen Worten schildert der Baroness-Frontmann John Baizley auf der Homepage seiner Gruppe den Moment, als ihr Tourbus nach einem Bremsversagen am 15. August 2012 nahe der englischen Stadt Bath aus rund neun Metern von einer Brücke stürzt. Neun Personen werden bei dem Unglück verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich. Damals hängt weit mehr als nur das Fortbestehen von einer der innovativsten Metal-Formationen der Gegenwart am seidenen Faden. Doch wie durch ein Wunder überleben alle Insassen den Unfall. Und auch für Baroness stellt diese Tragödie zwar eine schmerzhafte Zäsur, aber glücklicherweise nicht das Ende dar – und das, obwohl der Schlagzeuger Allen Blickle und der Bassist Matt Maggioni die Band infolge des Schicksalsschlages verlassen.

Für Baizley und den zweiten Gitarristen Peter Adams steht hingegen schnell fest, dass die 2003 in Savannah, Georgia, gegründete Gruppe weitermacht: „Das war mir sofort klar, als ich nach der OP aufwachte und meine Finger bewegen konnte”, erinnert sich Baizley, dessen linker Arm bei dem Aufprall zertrümmert wurde, nun am Telefon vor dem Konzert seiner Band in Paris. Baroness touren derzeit mit einer neu formierten Rhythmusgruppe um den Drummer Sebastian Thomson und den Bassisten Nick Jost durch Europa, um ihre aktuelle Platte „Purple” vorzustellen.

Eine Form der Therapie

Darauf demonstriert das Quartett seine altbekannten Stärken: Durchschlagskräftiger Metal verbindet sich subtil mit Progressive-, Classic- und Psychedelic Rock-Elementen zu einem majestätischen Monolithen. Für Baizley war die Arbeit am vierten Album „eine Form der Therapie. Das Komponieren und Aufnehmen hat mir geholfen, das Geschehene zu bewältigen”.

Das gilt auch für das Designen des Platten­covers, für das der Kunsthochschulabsolvent Baizley wie gewohnt selbst verantwortlich war. Der Hüne mit dem mächtigen Vollbart möchte die Symbolik des mit Tinte und Aquarellfarben erstellten und an die Ästhetik des Jugendstils angelehnten Motivs nicht im Detail erläutern – doch vieles erschließt sich auch ohne eine Erklärung des Schöpfers: Die im Bildhintergrund versteckten Mohnkapseln können beispielsweise als Anspielung auf die Schmerzmittel verstanden werden, welche die Bandmitglieder infolge des Unglücks einnehmen mussten.

Aber nicht nur bei der äußeren Gestaltung, sondern auch inhaltlich sind Bezüge zur Bustragödie auf der neuen Veröffentlichung verborgen – insbesondere in den Texten von Stücken wie „Kerosine” oder „Chlorine & Wine”. Zusammen mit den restlichen Songs von „Purple” bilden sie den Schwerpunkt bei den aktuellen Baroness-Konzerten. „Ich genieße es total, die neuen Lieder live zu spielen. Es hat auch etwas Heilsames für mich”, verrät John Baizley. In diesem Sinne stellt die Leipzig-Show am Dienstag im Conne Island für ihn und seine Mitstreiter nicht nur eine weitere Tour-Etappe dar – sondern auch den nächsten Schritt zurück in die Normalität des Bandalltags.

Baroness, davor Closet Disco Queen und Vitamin X, Dienstag, 20 Uhr, Conne Island (Koburger Straße 3), Vorverkauf 20,50 Euro

Von Conrad Pohlmann

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