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Kultur Baru mit neuer Platte und frischer Auszeichnung
Nachrichten Kultur Baru mit neuer Platte und frischer Auszeichnung
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16:17 23.09.2016
Nach langer Suche nun auf dem richtigen Weg: Baru feiern morgen ihr zweites Album namens „Levity“. Quelle: Foto: Martin Köhler / HNDGMCHT
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Leipzig

Die 30 000-Euro-Contest-Prämie, die Baru zu einer Zeit einsackten, als Bandwettbewerbe noch deutlich mehr zu bedeuten hatten, waren nach drei Jahren aufgebraucht. Das eigene Studio eingerichtet, das erste Album veröffentlicht, hieß es damals: Neustart. Weniger Musiker, mehr Synthies, so viel elektronische Sounds reinpumpen, dass die Live-Performance bei den Tastenspielereien nicht mehr hinterherkommt. Also nachjustieren, doch wieder einen Bassisten dazu holen, zu viert die dritte Bandphase einläuten. Ein Prozess, der Samstag Abend mit dem Release von „Levity“ sein Ende findet; Baru laden ins Neue Schauspiel, um gemeinsam mit Support Peter Piek und der Berliner Band Fins das zweite Album zu feiern.

Ein Abschluss nach fast drei Jahren Arbeit, dieses Mal ohne finanziellen Support oder Label-Deal. „Wir sind eine Do-it-yourself-Band“, sagt Drummer Jacob Feustel. Heißt konkret: Das Artwork der Platte kommt von Sänger Ferdinand Weigel, ein Großteil der Aufnahmen lief im Proberaum, so dass Produzent Tobias Siebert, der schon für Me And My Drummer, Slut, Fotos und Phillip Boa an den Reglern saß, sich in seinem Kreuzberger Studio zurücklehnen konnte. Hier und da habe er den Songs „das Sahnehäubchen aufgesetzt“, die Band im Großen und Ganzen aber ihr Ding machen lassen.

Dass Baru ihren Sound gefunden haben, daran lässt „Levity“ keinen Zweifel: Detailverliebte 80er-Ästhetik zwischen Indie und Electro-Pop, die sich als roter Faden aus düsterem Drive, Sägezahn-Synthies, Retro-Game-Sounds und Hall-Landschaften durch zehn Titel zieht. Songs, die ohne Probleme Teil von Netflix’ schwer gehyptem „Stranger Things“-Soundtrack sein könnten. Mit dem Unterschied, dass Baru keinem Trend nachgelaufen sind, sondern ihre schon immer da gewesenen Klangvorlieben artikuliert und konsequent umgesetzt haben. Das hat auch Leipzigs Musikkenner überzeugt: Wie nun bekannt wurde, gehört Baru der Titel „Band des Jahres 2016“ – neben Shed Ballett, White Wine und Lizzy McPrety im Swingerclub.

Statt digitale Plugins zu nutzen, haben sich die Herren lieber an die analogen Originale gesetzt, Flächen auf dem Juno-60 oder Moog-Synthesizern eingespielt und Beats mit dem TR-808 gebaut, dem Drum-Computer der ersten Hip-Hop-, House- und Electro-Generation. „Man hat das Gefühl, dass es damit gleich musikalischer ist. Da ist jetzt schön viel Rauschen und Fiepen, schön viel Schmutz in den Aufnahmen“, sagt Bassist Sebastian Schütze.

Und auch wenn der Longplayer durch und durch stiltreu ist, ergibt „Levity“ keinen Einheitsbrei, lässt den Zuhörer vor allem in Arrangement und Sounddesign jede Menge Neues entdecken. „Es war uns wichtig, modern zu klingen und auch Genre-untypische Sachen zu machen. Einen Beat wie bei ‚Tough Enough‘ wirst du in den Achtzigern nicht finden.“ Und was sagt das Publikum? Die Erstauskoppplung „Run Dark Horse“ kommt in ihrer bisherigen Spotify-Existenz auf 90 000 Plays, mehr als alle Titel vom Debütalbum zusammen. Es geht also voran, „wachsen“ ist die Devise von Baru. Den großen Hype erwartet Bassist Sebastian Schütze mit „englischsprachiger Musik aus dem Osten“ allerdings nicht. Ob das taktisches Understatement oder knallharter Realismus ist, wird sich zeigen. Vielleicht direkt im Anschluss an die Record-Release-Party, wenn Baru mit den Kollegen von Fins auf Tour gehen.

Baru, Peter Piek, Fins – Samstag ab 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig, Lützner Straße 29, Abendkassen-Karten für 12 Euro.

Von Tobias Ossyra

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