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Basswellen wie Kaventsmänner

Basswellen wie Kaventsmänner

Für Aufwärmung hat der Wahlberliner jedoch ausreichend gesorgt. Schnell ist klar: Wo Kalkbrenner draufsteht, ist auch Kalkbrenner drin. Während sich die Arena langsam füllt, jagt Simina Grigoriu schon mal eine Probeladung Bass durch die Halle.

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Technoprimus auf Heimatbesuch: Paul Kalkbrenner am Mischpult in der Arena Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Mehr als nur ein Freundschaftsdienst, denn seit vergangenem Sommer trägt auch sie den Namen Kalkbrenner. Auch mit dabei an den Plattentellern: das Berliner DJ-Duo Pan-Pot.

Das Publikum schlägt einen Bogen von G-Star Raw über Jutebeutel bis hin zum orthopädischen Schuh. Undercut trifft auf Halbglatze, Hanf auf Hollister und Business auf Bohème. Während sich der Techno-Maestro noch Backstage die Zeit vertreibt, werden die ersten Beine nach rund zweieinhalb Stunden Warm-up auf die Probe gestellt. Dank Umbaupause gibt es noch eine gnädige Viertelstunde Pause.

Dann fällt der Vorhang. Kalkbrenner steht mit einem breiten Grinsen auf der Bühne. Vor ihm ein riesiges Mischpult mit dreistelliger Reglerzahl. Aus der Menge schlägt ihm ein Blitzlichtgewitter entgegen. Dann lässt er den Sound für sich sprechen. Basswellen wie Kaventsmänner vor Hawaii rollen durch die Halle. Eine Wanderung hart an der Dezibelgrenze. Im Hintergrund steigt weißer Rauch auf einer riesigen LED-Wand empor - Habemus Paule.

Die Musik lädt ein zum kollektiven Ausrasten. Seine Tracks entwickeln schnell eine enorm nach vorne treibende Kraft, ohne dabei aggressiv zu werden. Selbstbewusst und eindrucksvoll bewegt sich Kalkbrenner fernab vom Dubstep - ein Stil, der mittlerweile scheinbar in jede noch so kleine Electro-Nische gekrochen ist. Stattdessen bleibt sich der 35-Jährige selbst treu, ohne musikalisch auf dem Fleck zu stehen.

Brettharte Beats mischen sich mit runden Melodien aus dem Synthesizer. Die LED-Wand zieren mittlerweile Oszillographen und Frequenzmesser. Zwei kleinere Bildschirme haben Kalkbrenners Handwerk am Mixer im Blick. Dieser Mann ist merklich in seinem Element. Zielgerichtet schraubt er an einem Regler nach dem anderen und arrangiert dabei ein so organisches zusammenhängendes Set, dass Übergänge von einem Titel zum nächsten nur zu bemerken sind, wenn der Bass den Herzschlag wieder in einen anderen Rhythmus zwängen will.

Von den Rängen aus wirkt das Schauspiel fast harmlos. Nur mitten in der Menge ist die unbändige Energie zu spüren, die die Raver seit mittlerweile fast fünf Stunden auf den Beinen hält. Lichtkegel schwirren durch die Luft, fixieren einzelne Punkte in der tanzenden Masse und offenbaren Momente der Ekstase.

Drei vollgeschwitzte Handtücher und ein gewechseltes T-Shirt später dreht Kalkbrenner alles auf Null. Er stützt sich kurz am Pult ab und atmet tief durch. Es ist einer der wenigen Momente, in denen sein Blick von all den Reglern und Knöpfen abschweift und grinsend auf die jubelnde Menge trifft. Endspurt.

Ein Defibrillator der Marke "Sky and Sand" lässt die Herzen noch mal höher schlagen. Das Publikum rastet aus, als der Dauerbrenner durch die Arena dröhnt. Kalkbrenner sind die Handgriffe in Fleisch und Blut übergegangen. Er bewegt sich so vertraut zwischen den ganzen Apparaturen wie ein Fisch im Wasser. Scheinwerfer tauchen die Bühne in goldenes Licht, als ob er sich für seine knappen drei Stunden vor dem Mischpult selbst belohnen möchte.

Danach wird nicht mehr lange gefackelt. Die Zugabe wird direkt nachgelegt. Auf den Bildschirmen ist zu sehen, wie Kalkbrenner etwas in die Kamera spricht - "vorbei". Ton aus. Er hat alle Regler und Register gezogen. Es bleiben ihm nur noch ein paar tiefe Verbeugungen. Licht aus. Gute Nacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.03.2013

André Pitz

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