Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Bayrischer Fußballverband will von Amateuren profitieren - Auflagen für Journalisten
Nachrichten Kultur Bayrischer Fußballverband will von Amateuren profitieren - Auflagen für Journalisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:38 13.04.2015
Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat strenge Auflagen für Journalisten eingeführt. Quelle: Daniel Reinhardt (Symbolfoto)
Anzeige

Wie in der Bundesliga. Medienvertreter dürfen auch bei Spielen der vierten, fünften und sechsten Liga nur dann drehen, wenn sie dafür eine Lizenz kaufen – oder ihre Beiträge spätestens 24 Stunden nach Abpfiff kostenlos und ohne Quellenangabe dem Verband zur Verfügung stellen. So verlangt es der Bayerische Fußball-Verband (BFV) – und erntet damit heftige Kritik. Denn wer nicht kooperiert, muss draußen bleiben.

So geschehen am vergangenen Wochenende in Tegernheim bei Regensburg. Einem Kamerateam der „Mittelbayerischen Zeitung“ wurde zum Landesligaspiel zwischen dem FC Tegernheim und dem ASV Burglengenfeld der Zutritt verweigert. „So schwer es uns fällt, der Verband setzt uns unter Druck, daher sehen wir derzeit leider keine andere Möglichkeit“, sagte Peter Bauer, Sportlicher Leiter der Tegernheimer.

Einen ähnlichen Vorfall hatte es auch vor dem Bayernliga-Spitzenspiel zwischen der SpVgg SV Weiden und dem FC Amberg gegeben. Die Weidener hatten sich zum wiederholten Male über die Vorschriften des Fußballverbands hinweggesetzt und alle Kamerateams ins Stadion gelassen. Ein Funktionär des BFV verlangte daraufhin eine Liste mit den Namen aller anwesenden Journalisten und drohte dem Klub wenige Minuten vor dem Anpfiff mit einer Spielabsage. Der Vorsitzende des Vereins, Kurt Haas, erhielt sogar einen Anruf von Verbandspräsident Rainer Koch. Dieser habe wissen wollen, erzählt Haas, ob die Weidener in Sachen Videoteams nun für oder gegen den Verband seien.

Gegen den Verband, sagt Haas, sei er nicht. Wohl aber gegen dessen Methoden. „Ich bin kein Vasall des BFV. Als Verein sehe ich mich als Partner. Und da erwarte ich, dass man auf Augenhöhe miteinander umgeht.“

Aktuell geht es eher gegeneinander. Kurzvideos von deutschen Amateurspielen sind beliebt, werden im Netz tausendfach geklickt. Und die kleineren Vereine freuen sich über die Berichterstattung im Internet. Zahlreiche Medienhäuser haben eigene Fußballportale gegründet, auch die Madsack Mediengruppe („Sportbuzzer“), zu der diese Zeitung gehört. Regionale Fußballportale haben sich zu einem wichtigen Geschäftsfeld entwickelt. Der BFV, der als gemeinnützige Organisation jährlich knapp eine halbe Million Euro Fördermittel vom Freistaat Bayern erhält, hat darin eine zusätzliche Einnahmequelle entdeckt.

Andere Landesverbände könnten nachziehen. Zudem hat der DFB vor einem Jahr sein bundesweites Portal „fussball.de“ überarbeitet. Klubs und Schiedsrichter aller Ligen werden dafür zur Mitarbeit gezwungen. Sie müssen kurz nach Spielschluss alles melden: Aufstellungen, Spielerwechsel, Torschützen, Gelbe Karten, Rote Karten. Tun sie es verspätet oder gar nicht, drohen Strafen. Der bayerische Landesverband geht sogar noch einen Schritt weiter: Seit dieser Saison müssen die Vereine in den drei höchsten Spielklassen des Landes – der Regional-, Bayernund Landesliga – live vom Spielfeldrand tickern. Finden sie keinen Freiwilligen, übernimmt der Verband die Aufgabe – gegen eine Gebühr von 30 Euro pro Spiel. Die Abrechnung erfolgt zeitnah per Einzugsermächtigung.

Viele Vereine wollen da nicht mehr mitspielen, tickern teilweise bewusst falsche Ergebnisse, weigern sich, Kamerateams auszusperren. Der Verband aber sitzt am längeren Hebel. Zwar ist die Rechtslage beim Thema Videos eindeutig: Ein Urteil des Bundesgerichtshofs besagt, dass einzig die Klubs aufgrund ihres Hausrechts Videoaufnahmen verbieten könnten. Das Fußballportal „hartplatzhelden.de“ hatte sich im Oktober 2010 in einem entsprechenden Rechtsstreit mit dem Württembergischen Fußballverband durchgesetzt.

Doch der BFV hat längst einen anderen Weg gefunden. Zur kommenden Saison werden die Zulassungsbestimmungen für die fünfte und sechste Liga um einen Passus ergänzt, der unliebsame Medien von den Sportplätzen ausschließt. In einer Präambel zum Hausrecht heißt es: „Der BFV und die Vereine sind sich einig, dass Personen, die über keine gültige Akkreditierung verfügen, nicht berechtigt sind, die Spiele zu filmen und öffentlich verfügbar zu machen.“ Der Verband sichert sich zudem die Möglichkeit, im Zweifelsfall selbst tätig zu werden. „Neben dem Verein hat der BFV als organisationsverantwortlicher Verband über seine Vertreter das Recht, das Hausrecht durchzusetzen.“ Im Gegenzug bietet der Verband den Vereinen an, bei Rechtsstreitigkeiten mit Medienhäusern den Prozess zu führen.

Auf die Frage, was passiert, wenn ein Klub die Zulassungsunterlagen nicht unterschreiben will, sagte Verbandspräsident Rainer Koch der „Mittelbayerischen Zeitung“: „Dann könnte es sein, dass der Klub nicht zu der Liga zugelassen wird. Zuvor würden wir aber versuchen, in Gesprächen eine Lösung zu finden.“ So oder so: Einen Verlierer gibt es bereits. Den Amateurfußball.

Patrick Hoffmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einmal Detektiv sein, dürfen am Dienstag mehr als 40 Grundschüler im früheren Zentralstadion. Um ihnen das Lesen näher zu bringen, will die Leipziger Kinderstiftung sie ermitteln lassen, „welches Geheimnis hinter den hohen Mauern des riesigen Stadions“ lauert.

13.04.2015

[gallery:500-4169970552001-LVZ] Lübeck/Göttingen. Günter Grass, Autor der „Blechtrommel“ und literarische Instanz von Weltrang, ist tot. Der Literaturnobelpreisträger starb am Montag im Alter von 87 Jahren in Lübeck im Kreise seiner Familie, wie der Steidl Verlag in Göttingen mitteilte.

13.04.2015

Ein Effekt von märchenhafter Poesie: Da recken die Mitglieder von Rosamund Gilmores Tanzensemble die Arme aus der Frühlingswiese im Herzen des abstrakten Kriegerdenkmals, das Mimes Schmiede von der Welt trennt, ein jeder begreift sofort: Diese Natur ist beseelt, belebt von Kreaturen, Gebilden, Gespinsten, die einer anderen Welt entstammen.

13.04.2015
Anzeige