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Kultur Bedrohter Schatz im Schaufenster: Das Sächsische Theatertreffen beginnt
Nachrichten Kultur Bedrohter Schatz im Schaufenster: Das Sächsische Theatertreffen beginnt
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19:39 02.05.2014
Saal im Schauspiel Leipzig vor der Vorstellung. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Ein Festival, das auch den Spardruck, der auf den Bühnen lastet, thematisiert.

Wenn sich die elf sächsischen Stadt-, Landes- und Staatstheater von Sonntag bis Donnerstag in Leipzig präsentieren, dann soll das ein Theaterfest werden, das die Vielfalt der Theaterlandschaft zeigt. "Ein großer Schatz, den wir auch mal feiern dürfen", sagt Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe. Um zu ergänzen: "Wir dürfen froh sein, ihn noch zu haben." Denn die Häuser stehen unter Kostendruck und befürchten Einsparungen, Stellenkürzungen, weitere Fusionsmodelle oder sogar Schließungen. Tarifsteigerungen etwa müssen überall gestemmt werden. Lübbe verweist aber auch auf die unerwarteten Mehrausgaben jener Häuser, die im vergangenen Jahr von der Flut beschädigt wurden.

Die Parallelen zum Jahr 2000, als das Theatertreffen gegründet wurde, sind deutlich. Die Theater Plauen und Zwickau standen damals kurz vor der Fusion. Inzwischen, seit 2011, sind auch Görlitz und Zittau vereint. Und man blickte damals angstvoll auf das Ende des Kulturraumgesetzes als Finanzierungsinstrument der Stadttheater. Das steht jetzt zwar nicht grundsätzlich in Frage, jedoch kommt es 2015 zur Novellierung. Wie es weitergehen kann, wird am Montag, 15 Uhr, öffentlich diskutiert. Auf dem Podium im Theater der Jungen Welt sitzen Wilfried Schulz, Intendant des Dresdner Schauspiels, Dirk Jäschke, Referatsleiter im sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Intendanten Jürgen Zielinski (Theater der Jungen Welt) und Lutz Hillmann (Deutsch-Sorbisches Volkshteater) und ein Experte für öffentliche Finanzen: Thomas Lenk von der Universität Leipzig.

Zeitlich ist das Theatertreffen gerafft, um den Theatern die Möglichkeit zu geben, möglichst viel vom Festival zu erleben. Das soll den Austausch fördern. Erstmals vergibt eine Jury den Preis des Sächsischen Theatertreffens. Welche Kriterien in dem heterogenen Feld angelegt werden, entscheidet die Jury selbst. Was, wie Lübbe andeutet, die Möglichkeit einer "politischen Entscheidung" einschließt. Man könne auch ein Ensemble auszeichnen, das besonders in Not ist.

Dass die Freie Szene erstmals beim Theatertreffen eine Rolle spielt, geht auf die Initiative des Loffts zurück. Der Vorschlag sei von den Leipziger Intendanten Lübbe und Zielinski sofort aufgenommen worden, sagt Dirk Förster, Geschäftsführer des freien Theaters. Eine Hürde sei bislang gewesen, dass die Freie Szene nicht Mitglied beim Bühnenverein sei, dessen sächsischer Landesverband Ausrichter ist.

Jetzt werden mit zwei freien Produktionen beim Theatertreffen Entwicklungen der letzten Jahre nachvollzogen. Es findet eine wachsende Durchdringung der Sphären statt. Qualitativ kann die Freie Szene mithalten, glänzt oft als Innovator. Stadttheater greifen Ästhetiken der freien Ensembles auf, arbeiten mit freien Künstlern oder es kommt zu Koproduktionen wie schon zwischen Theater der Jungen Welt und Lofft.

Ausgewählt wurden die Produktionen aus Nominierten zum Leipziger Bewegungskunstpreis der vergangenen Jahre. Dabei ist die an historischen Fakten orientierte Impro-Soap "Adolf Südknecht", die jeden Monat im Horns Erben ihre Fortsetzung findet. "Ein Format, das es so nicht gibt, schon gar nicht in dieser Kontinuität", sagt Förster. Und die Tanzcompany Ciacccona Clox zeigt "Die Regentrude", generations- und genreübergreifend, frei vom Korsett des Zielgruppendenkens.

Die freien Theatermacher hoffen darauf, künftig regelmäßig Teil der Theatertreffen zu sein. Und deutlicher in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu geraten."Für den Zuschauer ist es egal, ob ein Stadt-, Staats- oder freies Theater hinter der Produktion steht", sagt Förster. "Er will ein gutes Stück sehen."

Kartentelefon Schauspiel: 0341 1268168; Theater der Jungen Welt: 0341 4866016

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2014

Dimo Rieß

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