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Kultur Bela B. wird Vinyl-Botschafter: „In Leipzig traf mich ein voller Bierbecher mitten ins Gesicht“
Nachrichten Kultur Bela B. wird Vinyl-Botschafter: „In Leipzig traf mich ein voller Bierbecher mitten ins Gesicht“
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15:13 02.11.2014
Bela B. hat besondere Erinnerungen an Leipzig. Als er einst "Time of my life" vom Dirty-Dancing-Soundtrack bei einer Party auflegte, traf ihn ein voller Bierbecher mitten ins Gesicht. Quelle: dpa
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Berlin

Mehr als 120 Plattenläden locken vom 3. bis 8. November bundesweit mit Sondereditionen, Konzerten und Veranstaltungen. Im Interview spricht Bela B. über seine erste Schallplatte, religiöse anmutende Zufluchtsorte und darüber, wie in Leipzig einst ein voller Bierbecher in seinem Gesicht landete.

Sie zerkratzen leicht, sind groß und sperrig und viel Musik passt auch nicht drauf - wieso sollte man noch Schallplatten hören? Heute fährt ja auch keiner mehr mit der Pferdekutsche zur Arbeit.

Das stimmt natürlich. Aber ich bin damit groß geworden, deshalb mag man mir da ein bisschen Nostalgie unterstellen. Eine CD hat nicht die Wärme einer Vinylplatte. Und es ist einfach der Umgang mit der Platte. Man ist wieder näher dran an der Musik. Musik ist nach wie vor für mich so wichtig wie Essen und Trinken. Dem sollte man sich mehr widmen als mit einem Mausklick. Und der Plattenladen ist die Kathedrale meiner Musik.  

Moment. Kathedrale der Musik?

In einem guten Plattenladen sitzen Verkäufer, die lieben Musik, die leben Musik, die haben meist Tipps parat. Da wird der Musik gehuldigt. Man kann man einfach stöbern und hört - wenn man Glück hat - immer gute Musik. Was besseres kann dir als gläubiger Mensch in der Kirche auch nicht passieren. Als ich aus meiner Lehre rausgeflogen bin, bin ich erst mal auf der Suche nach Trost in den Plattenladen. Der Verkäufer war mein Seelsorger, hat mich wieder aufgebaut. Also insofern ist der Vergleich mit der Kathedrale gar nicht so falsch, zumindest was mich angeht.

Bela B. mit den Ärzten 2012 in Leipzig:

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Sie sind jetzt Botschafter der Plattenladenwoche und rühren damit die Werbetrommel für Vinyl. Aber den Läden geht es doch gar nicht so schlecht? Platten boomen doch wieder seit ein paar Jahren.

Was heißt „boomen“? So super geht es denen nicht. Die leiden immer noch unter Online-Kaufhäusern, mit denen ein Plattenladen nicht konkurrieren kann. Ich hör mir das Gejammer in Läden immer an und gehe da durchaus konform.

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Was war Ihre erste Platte?

Antwort: Also offiziell natürlich eine Rockplatte - mein erstes Album war von Suzi Quatro. Inoffiziell war meine erste Platte Tony Marshall mit „Heute hauen wir auf die Pauke“, von der Oma geschenkt (lacht). Da war ich gerade in der Grundschule. Ich habe auch so ominöse Dinge wie „Ich wünsch mir eine Miezekatze“ von Wum und Wendelin. Aber offiziell habe ich nur Rockmusik in meiner Sammlung.

Wie groß ist die denn?

Antwort: Es sollten einige Tausend Platten sein, vielleicht 6000 oder 7000. Als sich meine Ikea-Regale umbogen, hat mir ein befreundeter Tischler ein Regal dafür gebaut.

Sie sammeln nicht nur Schallplatten, sondern auch Gitarren und Comics. Was würden Sie bei einem Hausbrand zuerst retten?

Oh je. Also einer meiner engsten Freunde hier in Hamburg ist ein Comic-Händler, insofern kriegt der das für mich irgendwie vielleicht wieder zusammen. Eher die Platten oder die Gitarren. Ich habe auch ein paar Platten, die unterschrieben sind von diversen Leuten. Das wäre schon ein Verlust, wenn die abhandenkämen.

Wenn Sie Platten so sehr mögen - wäre DJ nicht mal ein Job für Bela B?  

Ich habe seit den 80ern immer mal wieder aufgelegt. Als DJ musst du aber ein Gespür für die Tanzfläche haben. Das ist kein Talent, das in mir schlummert. Aber hin und wieder mache ich es doch, und ich habe so einen Song, den ich immer zum Abschluss spiele, „Time of my life“ vom Dirty-Dancing-Soundtrack. Eigentlich hassenswert, aber die Tanzfläche ist dann immer voll mit verschleiert dreinblickenden Damen. Bei dem Song traf mich auf einer größeren Party in Leipzig plötzlich ein voller Bierbecher mitten ins Gesicht. Da waren überall relativ normale Leute und mittendrin drei härtere Punks mit Irokesen und Nietenjacken, die so teilnahmslos dastanden, als hätten sie gar nicht mitgekriegt, was passiert ist. Es war völlig klar, dass die das waren. Da musste ich selbst lachen. Ein anwesender Security sagte, ich hätte es auch herausgefordert - da hatte er wohl recht.

ZUR PERSON:

Bela B. wurde im Dezember 1962 in Berlin geboren und heißt eigentlich Dirk Felsenheimer. Der 51-Jährige ist seit Jahrzehnten Schlagzeuger und Sänger der selbst ernannten besten Band der Welt Die Ärzte („Schrei nach Liebe“, „Männer sind Schweine“). Seit 2006 verfolgt er auch eine Solo-Karriere. Bela B. ist Schauspieler und gründete einen Comicverlag. Der FC St. Pauli-Fan lebt in Hamburg.

Nico Pointner, dpa

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