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Benefizkonzert "Leipzig hilft Kindern" - Kasarova verzaubert das Gewandhaus-Publikum

Benefizkonzert "Leipzig hilft Kindern" - Kasarova verzaubert das Gewandhaus-Publikum

Leipzig. Es ist kurz vor elf. Die zahlreichen Autogrammwünsche sind befriedigt, und Vesselina Kasarova strahlt erschöpft, aber sichtlich zufrieden ihren Manager Stefan Schmer Beck an: „Danke", sagt sie, „danke für diesen Abend mit diesem wunderbaren Orchester.

" Ein bemerkenswertes Lob aus ihrem Munde. Denn der Mezzosopranistin liegt seit zwei Jahrzehnten die Klassikwelt zu Füßen, derweil sie zwischen New York und Wien, zwischen Zürich und Salzburg, zwischen Paris und Berlin mit den besten Orchestern der Welt musiziert. „Ja", sagt sie nun, andere seien ebenso präzise, ebenso virtuos, ebenso souverän, „aber diese Musikalität, diese Musizierwut", die habe sie hier und heute zum ersten Male erlebt.

Es wurde also allerhöchste Zeit für dieses Debüt. Sie hat zwar schon im Gewandhaus gesungen, aber das ist ewig her, ein Gastspiel war es, Schuberts Es-Dur-Messe stand auf dem Programm, James Levine am Pult. Mit dem Orchester des Hauses aber, hat sie noch nie gemeinsam musiziert. Ein Zeichen dafür, dass es in Sachen Weltstars noch Nachholbedarf gibt. Auch auf dieser Seite des Augustusplatzes.

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Mezzosopranistin Vesselina Kasarova zog das Gewandhaus-Publikum in ihren Bann.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Wie auch immer: Es gibt unwürdigere Anlässe, die Zusammenarbeit zu beginnen, als die Benefiz-Gala von Gewandhaus, LVZ, Sparkasse und VNG. Denn „seit 1782 musiziert das Gewandhausorchester immer wieder für gute Zwecke", führt Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in seiner kurzen Ansprache aus. Angesichts dieser eindrucksvollen Tradition nimmt sich die von „Leipzig hilft Kindern" vergleichsweise bescheiden aus.

Seit 2009 gibt es die gemeinsame Stiftung. Doch hat sie bereits gut 300.000 Euro einsammeln können, die mehr als 30 Projekten zugute kamen, die sich in und um Leipzig um Kinder kümmern, die unserer Hilfe bedürfen. Jung: „Auch in diesem Jahr wurden Projekte ausgewählt, die sich um das Wohl Heranwachsender bemühen: Es geht darum, die gesunde Ernährung von Kindern zu fördern, nachhaltig vor Drogenabhängigkeit und ihren Gefahren zu warnen, Heimkinder in ein selbstständiges Leben zu begleiten oder studentische Bildungspatenschaften zu unterstützen. Dass die Stiftung erneut erhebliche Summen an wichtige Initiativen ausreichen kann, ist nicht zuletzt Ihnen, liebe Leipzigerinnen und Leipziger, zu danken." Und womit ließe sich in der Musikstadt Leipzig diese Hilfe besser befördern als mit Musik?

Am Pult besinnt sich Christian Vásquez seiner lateinamerikanischen Wurzeln

Am Pult des Gewandhausorchesters unter der so souveränen wie engagierten Leitung von Konzertmeister Sebastian Breuninger steht bei diesem Konzert der junge Venezolaner Christian Vásquez, Jahrgang 1984, dessen Karriere perfekt zum Leipziger Stiftungsziel passt. Denn Vásquez ist ein Gewächs von „El Sistema", jenem pädagogischen Wunder aus Venezuela, das nicht nur tausende Kinder aus einem Umfeld voller Elend und Gewalt riss, sondern auch den Grundstein legte für viele glänzende Karrieren, deren beeindruckendste bisher Gustavo Dudamel vorlegte.

Diesen lateinamerikanischen Wurzeln huldigt Vásquez am Ende des Programms. Und „Huapango" von José Pablo Moncayo (1912–1958) und der zweite Danzon Arturo Marquez’ (Jahrgang 1950) sind die richtige Musik für diesen Dirigenten. Beide Werke bringen das große klassische Orchester mit den treibenden Rhythmen Lateinamerikas zusammen, reißen die unnützen Mauern ein zwischen U und E und geben dem Gewandhausorchester jede erdenkliche Gelegenheit, mit Farben zu trumpfen und mit Virtuosität.

Kasarova zieht das Gewandhaus-Publikum in ihren Bann

Und doch steht im Zentrum des Abends Mezzosopranistin Kasarova mit ihrer Carmen. Nach Bizets zauberisch leichter C-Dur-Sinfonie kantet sie die einschlägigen Arien in klug zusammengebaute Ausschnitte aus den beiden Suiten dieser Oper. Und dieser Ausnahme-Sängerin reichen wenige Töne, wenige Quadratmeter, wenige Gesten und Blicke, um das Psychogramm einer Getriebenen zu zeichnen. Immer ein bisschen hinten dran, singt sie die allzu berühmte Habanera. Kaum merkliche Verzögerung als Chiffre für die erotischen Verheißungen und Sehnsüchte einer Frau, die vor allem sich selbst sucht. Dabei sagt diese einzigartige Stimme, die aus der Tiefe ihre hypnotische Kraft saugt, ihre Schönheit, ihre Sinnlichkeit, mit zwei Tönen mehr als manche Operninszenierung. Und wie das Gewandhausorchester um Breuninger (der für sensationelle Soli gut ist) auf ihr laszives Spiel reagiert, auf ihre Farben, ihre Phrasierung, das ist ganz großes Opernkino im Kopf.

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Mezzosopranistin Vesselina Kasarova zog das Gewandhauspublikum in ihren Bann.

Quelle: Döring Zeyen

Nichts Unverbindliches ist in diesem Gesang, kein Ton genügt sich selbst. Kasarova singt im umfassenden Sinne inhaltlich. Darum reichen ihr auch wenige Minuten, um in der Zugabe Verdis Ebola zu eindrucksvoller Statur zu verhelfen. Dafür ist der Jubel im Saal erheblich, fürs Gewandhausorchester, das mit herrlichen Bläsern sekundiert und mit üppig prunkenden Streichern, treibendem Schlagwerk und mit prachtvollem Blech sowieso. Alles Grund genug, die verspätete Zusammenarbeit zu verstetigen zwischen Kasarova und dem ältesten bürgerlichen Orchester der Urwelt, das seit 330 Jahren Benefizkonzerte spielt. Zum Beispiel zur Gala am 1. Advent 2013. Riccardo Chailly, übernehmen Sie!

Weitere Stimmen und Hintergründe zum Benefiz-Konzert finden Sie in der Montagsausgabe der LVZ oder im E-Paper.

Peter Korfmacher

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