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Kultur Bertelsmann schließt seine Buchclubs – Lesefest „Leipzig liest" nicht betroffen
Nachrichten Kultur Bertelsmann schließt seine Buchclubs – Lesefest „Leipzig liest" nicht betroffen
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20:12 17.06.2014
Quelle: dpa
Leipzig

Damit ziehe man die Konsequenzen aus der seit Jahren rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung des Buchclubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz, teilte die Bertelsmann-Tochter DirectGroup gestern mit.

Der Konzern kappt damit eine seiner Wurzeln. Reinhard Mohn (1921–2009) hatte den „Bertelsmann Lesering" 1950 gegründet. Der Club wurde zum Wachstumsmotor des Konzerns. Das Prinzip: Viele Menschen bestellen regelmäßig ein neues Buch oder andere Medien und bekommen die Ausgaben billiger, im Schnitt um 10 bis 20 Prozent. Das Geschäft lief. Die erste Filiale wurde am 1. April 1964 in Kiel eröffnet.

Zum kulturellen Engagement gehören Lesungen und Buchpremieren. 1991 hob Club Bertelsmann das die Buchmesse begleitende Fest „Leipzig liest" aus der Taufe, gemeinsam mit Stadt und Messe. Heute prägt es mit über 3000 Veranstaltungen die Buchmesse. Dazu gehören „Das Blaue Sofa", die Reihe „Jüdische Lebenswelten" und der „Krimi-Club", die Club Bertelsmann organisiert. Die wird es weiter geben, sagte am Dienstag ein Sprecher des Club Bertelsmann gegenüber der Leipziger Volkzeitung: „Die Entscheidung zur Schließung der deutschen Clubgeschäfte wurde gestern erst getroffen. Genauere Aussagen zu einzelnen Projekten machen wir in den kommenden Monaten. Fest steht aber: Das Blaue Sofa und das Engagement für ‚Leipzig liest‘ werden als Kulturprojekt von Bertelsmann weitergeführt."

Die besten Zeiten hatte der Buchclub Anfang der 90er Jahre: Im vereinigten Deutschland gab es sieben Millionen Mitglieder und 320 Filialen. Der Umsatz erreichte 700 Millionen Euro. Heute gibt es in Deutschland noch 52 Filialen und knapp eine Million Mitglieder. Der Umsatz soll noch bei 100 Millionen Euro liegen. Im Ausland ist das Buchclub-Geschäft nach 2015 nur noch in der Ukraine und Russland und mit einer 50-Prozent-Beteiligung in Spanien vertreten. Für die jetzt noch etwa 520 Beschäftigten soll ein Sozialplan ausgehandelt werden.

„Das Ergebnis der Analyse ist heute auf schmerzliche Weise eindeutig", sagte der Geschäftsführer der Club- und Direktmarketinggeschäfte, Fernado Carro. „Der Club hat keine wirtschaftliche Perspektive. Es gibt keine Aussicht darauf, aus dem Club ein zukunftsfähiges Unternehmen zu machen." Dabei hatte man vieles versucht: Clubmitglieder mussten seltener ein Buch bestellen, auch Nicht-Mitglieder konnten in den „Zeilenreich"-Läden oder Online einkaufen, wenn auch zum normalen Preis. Es gab einen „digitalen Kiosk" für Zeitungen und Zeitschriften. Aber nichts half, auch der Verkaufserfolg der E-Books nicht. Nach und nach wurden ausländische Clubtöchter verkauft.

Gründe der Schließung seien letztlich die schwindende Bindungsbereitschaft der Kunden und die Umwälzungen im Buchhandel, sagte Carro. Vor einem Jahr hatte das Haus Bertelsmann bereits das Ende des Brockhaus angekündigt. 24 500 Seiten für knapp 3000 Euro, das wollte kaum noch jemand kaufen.

Insgesamt hat sich der Umsatz des Buchhandels in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert, wohl aber die Vertriebswege. Im März 2015 soll die letzte Filiale geschlossen werden – am Stammsitz in Gütersloh. Dies ist auch das Ende einer Ära. Was einmal weg ist, kommt nie wieder.

 

Janina Fleischer

Matthias Benirschke und Janina Fleischer

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